Montag, 23. September 2013

Demokratie = Privileg

So ihr Lieben, ich weiß man konnte es in den letzten Tagen oft lesen, hören, sehen.
Sämtliche Zeitungen riefen zur Wahl auf, im Radio gaben Künstler und Politiker Gründe für das Wählen gehen zum Besten, Madsen ließen verlauten, wählen gehen sei wie Zähne putzen: Wenn man es nicht macht, wird es braun. Auf Facebook rufen alle Freunde zum Wählen gehen auf.
Die Bild verteilte Sonderhefte zur Bundestagswahl, in der Erstwähler so sinnvolle Dinge wie "Ich bin eine Frau, Angela Merkel ist eine Frau, also wähle ich die CDU." verkündeten. (Nicht wortgetreu, aber dafür sinngemäß wiedergegeben ;)).
Über Bochum flogen sogar zwei Hubschrauber, die große "Geht wählen!"- Banner hinter sich her zogen.
Manch einer mag sich genervt gefühlt haben.
ABER: Genau das alles ist unglaublich wichtig. Es gibt nämlich immer noch genug Leute, die nicht wählen gehen. Auch das habe ich in den letzten Wochen im Fernsehen und auch im Umfeld immer wieder mitbekommen. Jetzt ist das Wählen erst mal wieder vorbei und ich möchte mich dem Thema nochmal in Ruhe widmen. Denn auch wenn es zur Demokratie gehört, dass man selbst entscheiden kann, ob man wählt oder nicht....Ich finde, es ist die Pflicht eines Bürgers, wählen zu gehen.
Davon lebt die Demokratie. Klar ist man selten zufrieden und noch seltener findet man eine Partei, die einem voll zusagt. Aber in Deutschland leben über 80 Millionen Menschen, da muss man Kompromisse eingehen. In so vielen Ländern kämpfen die Menschen für ein Wahlrecht. Und in genau so vielen Ländern werden Wahlen manipuliert, Oppositionelle unter fadenscheinigen Gründen verhaftet und die Ausgänge der Wahl stehen sowieso fest, egal wer und wie viele wählen gehen. In unserem Land ist das nicht so. Hier kann man diskutieren, sich aufregen, mit dem Finger auf die Politiker zeigen, schimpfen, fachsimpeln und mit seinem Kreuz tatsächlich etwas mitentscheiden. Das ist das wertvollste Gut einer Demokratie und ich persönlich bin so froh, dass ich es nutzen kann und darf!
Für mich gibt es nicht ein Argument, nicht wählen zu gehen!

Du glaubst, deine einzelne Stimme zählt nicht?
Wie kommst du darauf? Grade in den letzten Jahren gab es genug Beispiele, bei der ein paar wenige Stimmen alles geändert hätten. Siehe die letzte Wahl in Niedersachsen 2013, da wurde Schwarz-Gelb nur ganz knapp abgewählt.
Oder auch bei der aktuellen Wahl: Im Wahlkreis 3 in Essen wurde die CDU mit grade mal 3 Stimmen mehr gewählt. Das sagt ja wohl alles. Und mal davon abgesehen gibt es mit Sicherheit noch hunderte weitere Beispiele dafür.

Du kannst dich mit keiner Partei identifizieren und findest alle irgendwie blöd?
Geht mir auch manchmal so. Bei der einen Partei tauchen wieder mal 2 Leute auf, die ihre Doktorarbeit gefälscht haben, bei der anderen benimmt sich der Spitzenkandidat wie ein quengeliges Kleinkind und die Dritte löst nichts von den Wahlversprechen der letzten Wahl ein.
Aber das sind a) auch nur Menschen (wenn auch mit besonderer Verantwortung) und b) machen nicht nur die Spitzenkandidaten eine Partei aus. Oft lohnt es sich viel mehr, mal zu schauen, wer für den eigenen Wahlkreis kandidiert und was diese Personen in den letzten Jahren so getan haben und was sie eventuell noch planen.
Ich muss mir einfach 2 oder 3 Themenschwerpunkte raussuchen und schauen, welche Partei dazu am ehesten meine Meinung vertritt. Und die wird dann gewählt.

Du hast keine Ahnung von Politik und weißt dementsprechend auch nicht, welche Partei deine Meinung am besten vertritt?
Es stimmt, dass Politik wieder verständlicher werden muss. Grade Frau Merkel hält ja nicht so viel vom Erklären. In der Hinsicht müssen die Politiker sich etwas mehr engagieren.
Aber das heißt nicht, dass wir Wähler solange aus dem Schneider sind! Dann ist eben mal ein bisschen Eigenverantwortung gefragt.
Ich zum Beispiel habe keine Ahnung von den Auswirkungen der Euro-Krise. Ich weiß nicht, ob ich für oder gegen Griechenland in der Euro-Zone sein soll.
Aber dann muss man wenigstens mal versuchen, sich damit auseinander zu setzen. Es gibt genug Magazine, wie den Stern, den Spiegel, den Focus etc, die sich intensiv damit befasst haben.
Bei mir hat sich immer noch nicht 100 % Verständnis eingestellt, aber zumindest kenne ich jetzt unterschiedliche Meinungen und habe mir darüber auch eine Eigene gebildet.
Und bei anderen Themen wie z.B. dem Betreuungsgeld oder dem Mindestlohn kann man eigentlich recht schnell eine Meinung entwickeln.
Ich kann erwarten, dass Politik ansprechend gestaltet und erklärt wird, aber ich kann nicht erwarten, dass ich von A bis Z alles auf den Teller gelegt bekomme.

Du interessierst dich einfach nicht für Politik?
Das Argument zählt überhaupt nicht, denn jeder hat Bereiche, die ihn betreffen und dementsprechend auch ganz sicher interessiereren.
Tierschutz, Familie, Bildung, Arbeitsplätze, Immigration/Integration, Umweltschutz.
Für jeden ist was dabei!

Du bist zu faul, dich damit auseinander zu setzen?
Das mag sein. Find ich absolut falsch, da eben jeder deutsche Bürger auch ein Stück Verantwortung trägt. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden und mit seinem Gewissen vereinbaren.
Ein Argument ist es jedenfalls nicht ;)
An der Stelle würde ich auch gerne mal die Leute hören, die sagen, dass sie sich die Entscheidung, nicht wählen zu gehen, nicht leicht gemacht haben.

Ja und jetzt fallen mir auch schon gar keine Gründe mehr ein, die man überhaupt vorbringen könnte.
Ich zumindest habe noch keine anderen gehört. Ich meine, Vergessen oder Nicht-Mitbekommen fällt ja wohl für jeden raus, der nicht ohne Internet im Keller haust und nie das Haus verlässt.

Und an alle, die jetzt frustriert sind nach der Wahl. Wären die restlichen 30 % der Wahlberechtigten alle wählen gegangen, ja dann hätten wir gestern vielleicht ein ganz anderes Ergebnis gesehen ;)

Ich versuche immer, verschiedene Standpunkte zu verstehen, hier gelingt es mir eben nicht.
Meiner Meinung nach ist man entweder unzufrieden, dann versucht man den zu wählen, der es augenscheinlich für mich besser machen kann oder man ist zufrieden, dann wählt man so, dass alles beim Alten bleibt.
Also wenn jemand noch ein anderes Argument gegen das Wählen gehen vorbringen kann: Bitte bitte, ich bin höchst diskussionsbereit. An der Stelle würde ich besonders gerne mal die Leute hören, die sagen, dass sie sich die Entscheidung, nicht wählen zu gehen, nicht leicht gemacht haben.

So...das war's...mir liegt dieses Thema unglaublich am Herzen, merkt man vielleicht. ;)

Mit etwas Glück kann ich mit meinem Eintrag ein paar mehr Leute zumindest anregen, nachzudenken. Die Europawahlen stehen schließlich vor der Tür :P





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