Mittwoch, 13. Mai 2020

[Werbung / kostenloses Rezensionsexemplar] Raffael - Noah Martin

Zusammenfassung: 
Genie, Getriebener, Liebender: »Raffael - Das Lächeln der Madonna« ist der große historische Roman über Raffael Sanzio, der einer der bedeutendsten Maler der Renaissance war und dieses Jahr sein 500-jähriges Jubiläum feiert.
Raffael Sanzio gilt schon mit zwanzig Jahren als neuer Stern am Himmel der Renaissance. Doch es sind unruhige Zeiten in den italienischen Stadtstaaten. Der Maler führt ein rastloses Leben, lernt Michelangelo Buonarroti und Leonardo da Vinci kennen, verliebt sich in die junge Bäckerin Margherita Luti und ist doch ständig auf der Flucht vor den Mächtigen. Als Papst Julius II. ihn nach Rom ruft, um seine Gemächer neu zu gestalten, verstrickt Raffael sich immer tiefer in die Machtkämpfe einer der blutigsten, spannendsten und faszinierendsten Epochen der europäischen Geschichte.

Meine Meinung: 
Ich habe leider etwas länger gebraucht, um dieses Buch zu lesen, was aber mitnichten an dem Buch selbst, sondern eher an viel zu viel Privatkram und Corona lag :)Nun möchte ich aber hier mal endlich kurz Stellung beziehen. Noah Martin hat mit diesem Buch einen richtig fetten Schinken herausgebracht. Sowas schreckt mich aber nicht ab, ich freue mich eher, dass ich viel Zeit mit dieser Geschichte verbringen kann.
Mein erster Wunsch, ein authentisches und gut recherchiertes Setting, ist schon mal erfüllt worden. Man erfährt viel darüber, wie man damals gemalt hat, wie Farbe gemischt wurde und welche Herausforderungen Künstler begegneten. Passend zum Thema beschreibt der Autor alles sehr bildhaft, sodass man direkt alles vor dem inneren Auge sieht. Das liebe ich sehr!

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen - selbstredend - Raffael Sanzio, seine Karriere und auch seine heimliche Liebe. In einem zweiten Strang geht es zudem um Daniele, einen guten Freund Raffaels, der eine kirchliche Laufbahn einschlägt. Auch sein Werdegang ist sehr interessant für den Leser.

Es kommen unglaublich viele Personen in dem Buch vor, aber ich fand, man konnte dennoch gut den Überblick behalten. Und zur Not findet man ein Personenverzeichnis im Buch.

Alles in allem ein großartiges und spannendes Werk über die italienische Renaissance. Auch für Nicht-Kunstkenner.

Titel und Cover: Nun ja...der Titel ist nicht besonders originell, aber er passt zweifelsfrei ;) Und das Cover gefällt mir sehr gut, ich denke es zeigt Arbeiten des Malers?! Auf jeden Fall in seinem Stil!

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Ja!


Samstag, 11. April 2020

[Werbung/kostenloses Rezensionsexemplar] Das Gewicht der Worte - Pascal Mercier

Zusammenfassung: Seit seiner Kindheit ist Simon Leyland von Sprachen fasziniert. Gegen den Willen seiner Eltern wird er Übersetzer und verfolgt unbeirrt das Ziel, alle Sprachen zu lernen, die rund um das Mittelmeer gesprochen werden. Von London folgt er seiner Frau Livia nach Triest, wo sie einen Verlag geerbt hat. In der Stadt bedeutender Literaten glaubt er, den idealen Ort für seine Arbeit gefunden zu haben – bis ihn ein ärztlicher Irrtum aus der Bahn wirft. Doch dann erweist sich die vermeintliche Katastrophe als Wendepunkt, an dem er sein Leben noch einmal völlig neu einrichten kann.

Meine Meinung: Damals wollte ich Nachtzug nach Lissabon unbedingt lesen. Ich fand das Cover so toll und alle haben davon gesprochen etc. Leider war ich nicht sooo begeistert. Zwar hab ich den Schreibstil gemocht, aber irgendwie bin ich nicht in die Geschichte reingekommen. Mir ist zu wenig passiert. Auch wenn ich schon damals das Talent Merciers bewundert habe, alltägliche Leute und kleine Situationen zu beschreiben. Nun gab es sein nächstes Buch als Hörbuch bei Vorablesen und vor allem überzeugt hat mich beim reinhören der Sprecher, Markus Hoffmann. Er hat eine wunderbare, tiefe Stimme und er liest bedächtig, sodass man ihm einfach Aufmerksamkeit schenken muss.
Nun, wo ich den Roman durchgehört habe, muss ich leider sagen, dass der Sprecher für mich das Beste an diesem Hörbuch geblieben ist. Wie schon bei Nachtzug nach Lissabon wird mir hier einfach zu viel geschwafelt. Die verwendete Sprache, die ist wirklich toll. Und auch hier kann der Autor wieder wunderbar kleine Situationen aus dem Alltag bildhaft beschreiben. Ich mochte es, wie Leyland nach Jahren wieder zurück in London ist und die Stadt erlebt, grade weil ich selbst erst wieder da war. Und ich mag die Liebe zur Sprache und zu Worten, die durch das Buch spürbar und ja auch direktes Thema ist. Aber es passiert einfach zu wenig für mich. Manchmal musste ich mich richtig doll konzentrieren, um überhaupt bei der Sache zu bleiben. Die Grundidee ist vielleicht nicht schlecht. Ein Mann mittleren Alters bekommt eine schlimme Diagnose und krempelt daraufhin sein Leben nochmal um. Aber die Idee ist nicht neu und grade deswegen muss da dann mehr kommen.
Ich hatte ab der Mitte das Gefühl, in einem dicken, zähen Erinnerungsfilm der Hauptfigur zu stecken und hab nur drauf gewartet, dass nun endlich die eigentliche Geschichte losgeht.

Ich fürchte also, ich werde mit Mercier nicht mehr warm in diesem Leben.

Titel und Cover: Beides finde ich einfach toll. Das Cover könnte in Triest aufgenommen worden sein, Leylands Lebensmittelpunkt. Das Mittelmehr spielt für ihn ja seit der Kindheit eine zentrale Rolle, denn er will alle Sprachen lernen, die dort gesprochen werden. Naja und der Titel...dazu muss ich nichts sagen, oder? Er passt zum Buch, er ist wunderbar poetisch und jeder von uns weiß abgesehen davon, wie viel Gewicht manche Worte für einen haben können.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Leider nein.

[Werbung/kostenloses Rezensionsexemplar] Nach Matthias - Peter Zantingh




Zusammenfassung: Amber singt bei einem Konzert gegen ihren Schmerz an; Quentin läuft Kilometer um Kilometer, um der Erinnerung zu entkommen, und Kristianne möchte die wahre Geschichte ihres Sohnes erzählen. Diese Leben und das von fünf weiteren Menschen überkreuzen sich durch Mattias’ unerwartetes Verschwinden auf schicksalhafte Weise. Wie Puzzlesteine fügen sich ihre Geschichten zu einem Abbild von Mattias und werden trotz aller Trauer zu Zeugen seiner Begeisterungsfähigkeit und seines unbeugsamen Mutes, sich dem Leben jeden Tag vorbehaltlos hinzugeben.

Meine Meinung: Mit meinen Rezensionen hinke ich schon wieder meilenweit hinterher, aber jetzt ist Urlaub angesagt und in Kombination mit Corona und daheim bleiben, ist das eine gute Voraussetzung, das mal aufzuholen. Nach Matthias habe ich bei Vorablesen gewonnen und es hat mich interessiert, wie die Angehörigen von Matthias nach seinem Tod mit ihren Gefühlen und ihrem Leben umgehen. Es ist ein leises und trauriges Buch, aber das Einfühlungsvermögen in die einzelnen Situationen hat mich beeindruckt und mir gut gefallen.

Selbst Menschen, die nicht an Gott oder den Himmel glauben, hört man das manchmal sagen. Ich gehe zu ihm oder zu ihr. Dann sind wir wieder zusammen. Rational betrachtet, kann man das nicht denken, wenn man an der Existenz eines solchen Ortes zweifelt, aber wer ist schon rational, wenn der Tod nur eine Armlänge entfernt ist.

Denn Trauer zeigt sich vor allem in den kleinen, alltäglichen Situationen, wenn man plötzlich Erinnerungsflashbacks hat oder daran denkt, dass man dieses und jenes immer zusammen mit der jeweiligen Person gemacht hat. Beispielsweise wenn etwas geliefert wird, was der Verstorbene vor seinem Tod noch bestellt hat. Die Lebensgefährtin, Freunde und die Eltern von Matthias, sie alle müssen irgendwie verarbeiten, dass Matthias nicht mehr da ist und sie tun das alle auf sehr unterschiedliche Weise.
Das hat zwar nicht unbedingt Spaß gemacht beim Lesen, aber es war sehr interessant und nachvollziehbar!

Titel und Cover: Den Titel finde ich genial. So simpel, dass er einfach wunderbar zum Buch und zum Thema ist. Was kommt DANACH? Was passiert NACH dem Tod einer geliebten Person? Das Cover finde ich auf den ersten Blick etwas irreführend, denn es sieht nach Urlaub und guter Laune aus. Andererseits sitzt da eine Person allein am Wasser und blickt nachdenklich in die Ferne, was sicherlich gut zur Situation aller Hinterbliebenen passt. Von daher ist es auch nicht schlecht gewählt.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Nein, ich denke, das ich für mich so ein klassisches Buch, bei dem einmal Lesen und Erkenntnisse mitnehmen reicht :)

Mittwoch, 26. Februar 2020

[Werbung / kostenloses Rezensionsexemplar] Kind dieser Stadt - Juna Nieves

Zusammenfassung: 
Mit seinen fünfundzwanzig Jahren fühlt sich David noch lange nicht bereit für die Erwachsenenwelt. Zunehmend nervös sieht er zu, wie scheinbar jeder seiner Freunde einen Platz im Leben findet. Ein ewiges Gedankenkarussell dreht sich, wenn es um Entscheidungen für die Zukunft geht. Mitten in den letzten Prüfungen seines Studiums wird es dafür jedoch höchste Zeit.Eine junge Frau lässt ihn diese Sorgen zwischenzeitlich vergessen. Ihre Augen strahlen, ihre Schritte sind zielstrebig, wenn sie durch den Park geht. Zufällig beobachtet David sie von seinem Balkon aus. Doch was ist das? Das hübsche Mädel sucht Pfandflaschen im Müll! Kann es sein, dass sie obdachlos ist? Wie ist das möglich? Wie kam es dazu? Diese Fragen lassen David nicht mehr los und so inszeniert er Situationen, um mit ihr in Kontakt zu treten. Doch welche Antworten wird er finden, fernab von seinem gemütlichen Studentenleben?

Meine Meinung: Vor ein paar Wochen habe ich auf Instagram eine Nachricht erhalten. Sie stammte von Juna, die mir erzählte, dass sie grade dabei sei, ihr erstes Buch fertig zu stellen und ob ich mir vorstellen könnte, eine Rezension zu verfassen, wenn es fertig ist.
Sowas ist mir ja erst einmal passiert (also bei zwei Büchern, aber die stammten von der selben Autorin, daher zählt es nicht doppelt) und es ehrt mich einfach unglaublich. Ja klar, der Autor bekommt hinterher eine Rezension von mir. Aber ich bekomme auch ein Buch. Umsonst. Und niemand hat mir gesagt, dass ich eine gute Rezension schreiben soll. Ich habe da keine Vorgaben. Von daher habe ich mich sehr gefreut und sofort zugesagt. Passenderweise trudelte dieses Buch dann genau an dem Tag ein, an dem ich "Ein wenig Glaube" beendet hatte und so habe ich nahtlos weitergelesen.

Ich wusste lange Zeit gar nicht genau, welches Thema das Buch haben sollte und als dann Cover und Klappentext veröffentlicht wurden, bin ich nur noch neugieriger geworden. Ein tolles Thema, das aktuell ist und es sicherlich auch noch lange bleiben wird. Und über das ich bislang auch ehrlich gesagt noch nicht viel gelesen habe, höchstens mal so am Rande. Ich war also gespannt auf die Umsetzung.

Beim Lesen habe ich mich sofort in David verliebt. Wie toll ist dieser Kerl denn bitte? Ehrlich, bodenständig, hilfsbereit, lustig. Er spielt Gitarre und hat einen guten Musikgeschmack. Könnte ja so ein Caracter-Crush werden (ach was, ist es schon :DD). Die Geschichte wird auch hauptsächlich aus seiner Sicht erzählt. Zwischendurch gibt es aber Tagebucheinträge von Jule, aus denen man ein bisschen was aus Ihrer Sicht erfährt.
Nach und nach habe ich dann auch alle anderen Figuren in mein Herz geschlossen. Frau Peters als Davids Ersatzoma, seine Familie (die mich von der Art so sehr an meine erinnert hat <3), seine Freunde, Egon und Jule natürlich. Es gibt hier gar keinen bösen Charakter. Hier sind die Antagonisten eher die Steine, die einem das Leben in den Weg schmeißt. Fand ich toll!

Dann mochte ich, dass die Stammkneipe so einen hohen Stellenwert hat im Buch. Die Freunde treffen sich dort andauernd. Entweder es gibt was zu feiern oder jemand hat ein Problem, das bei einem Bier besprochen werden muss oder es ist einem auch einfach mal langweilig und wer Bock hat kommt auf ein Bier vorbei. Diese Stammkneipen-Kultur geht viel zu sehr verloren und dieses Buch hält die Fahne für genau so kleine süße, mit Herz geführte Stammkneipen mal wieder richtig hoch. So soll's sein. Sucht euch wieder mehr von diesen zweiten Wohnzimmern, Leute!

Aber kommen wir auch mal zum Hauptthema. David verguckt sich in Jule und möchte mehr über die erfahren. Doch offensichtlich ist sie obdachlos. Wie lernt man so jemanden kennen? Wie kam es, dass sie obdachlos ist und wie soll das denn überhaupt funktionieren später, sollten sie sich sympathisch sein? All diesen Fragen nähert sich das Buch sehr taktvoll und, soweit ich das beurteilen kann, sehr realitätsnah. Jules Lebensumstände, die kleinen Hilfen für die Körperpflege, ihre kleine "Straßenfamilie", ihre Angst vor der Zukunft aber auch davor, wieder "ins System einzusteigen" werden sehr gut beschrieben.

Ich frage mich, wie ein Mensch obdachlos wird. Wie so viele Menschen obdachlos werden. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Gründe fallen mir ein. Scheinbar lächerliche Gründe, doch sie reichen aus. Mit guter Gesundheit, intaktem Sozialleben, kann einen wenig umhauen. Doch wenn irgendwo ein kleiner Knick ist, kann allein der Jobverlust oder eine Scheidung ausreichen, um einen Menschen zu brechen.

Das Buch ist eine schöne Mischung zwischen nachdenklich, traurig und lustig. Ich habe oft innegehalten und mich gefragt, wie ich mich jetzt fühlen oder verhalten würde. Und mindestens genau so oft habe ich gegrinst.

Mit einem warmen Tee lasse ich mir den Wind um die Ohren pusten und genieße die Aussicht von meinem Dachgeschossbalkon. Draußen ost schon mächtig was los. Im Park stretchen sich ein paar Jogger und ich sehe Hundebesitzer mit Brötchentüten in der Hand. Das ist der Inbegriff von Wochenende. Also nicht das Joggen, sondern Ihnen von hier oben zuzusehen.

Und es gibt so viele kleine Szenen, in denen ich mich selbst wieder erkannt habe. Zum Beispiel bei diesem Satz hier:

Ich finde mich gut und mutig. Gutig also. Während ich mein Wortspiel feiere, kommt von Matthes nur ein Mitleidslacher.

Kennt ihr das, wenn ihr denkt, ihr seid der einzige Mensch auf der Erde, der bestimmte Sachen tut? So geht es mir bei dieser Wort-Kombiniererei. Und dann liest man das plötzlich in einem Buch und denkt "ALTER, DAS MACHE ICH AUCH IMMER!!!" :D.

Nicht zuletzt waren es genau diese kleinen Details, die das Buch für mich so schön gemacht haben. Die Hochzeitsszene mit Egon, die Minzbonbons von Frau Peters, die kleinen Tagebucheinträge von Jule (ich mag es, wenn so "Zwischensequenzen" eingebaut werden und dadurch das Erzählmedium gewechselt wird). Und als Sahnebonbon gibt es am Ende des Buches noch ein zur Geschichte passendes Rezept. Tolle Idee!

Ihr seht also, ich bin schwer begeistert. Meine einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass Davids Situation natürlich schon ziemlich perfekt ist. Wenn ihr es lest, dann werdet ihr wissen was ich meine. In der Realität hätten die meisten Paare, die sich so kennen lernen, sicherlich ein paar mehr Probleme. Aber man kann auch nicht alle Probleme zu einem Thema aufgreifen. Und es werden ja, wie schon erwähnt, auch viele Sachen durchaus angesprochen.

Und nun bleibt mir nur noch eines zu sagen: Bestellt euch dieses Buch, macht euch einen Tee und genießt ein paar schöne Lesestunden. Unterstützt noch unbekannte Jungautoren, die mit ihren Büchern die Welt definitiv ein bisschen besser machen.

Danke für dein Vertrauen, Juna! Ich wünsche dir viel Erfolg mit diesem Buch :)

Titel und Cover: Das Cover finde ich total schön. Es sieht so herbstlich aus und natürlich könnte es kein passenderes Bild zu der Geschichte geben, als die Parkbank mit dem Päckchen. Auch den Titel mag ich. Für mich bedeutet er, dass alle Leute, die in einer Stadt leben, dazu gehören sollten. Eben auch die, die keinen festen Wohnsitz haben. Sie sind alle Kinder der Stadt.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Ja. Vor allem wenn ich mal wieder den Glauben an das Gute im Menschen verloren habe, wird mir eine Portion David gut tun! ;)

Mittwoch, 19. Februar 2020

[Werbung / kostenloses Rezensionsexemplar] Im Schatten des Kronturms (Riyria Chroniken 1) - Michael J. Sullivan

Zusammenfassung: 
Hadrian Blackwater, ein Krieger, der im Moment nichts hat, wofür er kämpfen könnte, begegnet Royce Melborn, einem Dieb und Mörder, der nichts hat, was er verlieren könnte. Beide werden von einem alten Zauberer angeheuert, um ein geheimnisvolles Buch zu stehlen. Es liegt in dem uneinnehmbaren Kronturm, der am besten geschützten Festung, die je errichtet wurde. Und nein, es geht nicht um Gold oder Juwelen … Es geht um viel mehr.
Michael J. Sullivan kehrt zurück zu Riyria und erzählt die Vorgeschichte, das heißt die Abenteuer, bei denen Hadrian und Royce erst zusammenfanden.

Meine Meinung: Im Buchhandel hätte ich dieses Buch vermutlich nicht in die Hand genommen. Das Cover spricht mich null an. Aber zum Glück gibt es ja sowas wie Vorablesen, denn dort gab es die Leseprobe und sie hat mich direkt begeistert. Wie man der Beschreibung entnehmen kann, ist dies der erste Band einer Reihe, die die Vorgeschichte der berühmten Diebesbande um Royce und Hadrian erzählt. Ich muss gestehen, dass ich den Namen des Autors zwar schon mal gehört habe, aber ich habe noch nie etwas von ihm gelesen. Ich kenne also auch die anderen Geschichten von Hadrian und Royce nicht. Doch wie der Autor selbst schreibt, ist es eigentlich der perfekte Moment, um einzusteigen. Natürlich kann man alle bereist erschienenen Bände zuerst lesen, die Geschichten sind in sich abgeschlossen, aber da dieser Band vor der bereits erschienenen Reihe spielt, passt es gut, auch damit anzufangen.

In der Geschichte begegnen sich Hadrian und Royce, die eigentlich nichts gemeinsam haben, außer der Tatsache, dass sie sich in der Welt sehr verloren sind. Ansonsten sind sie komplette Gegensätze. Hadrian ist vertrauensvoll und möchte nach einem harten Leben als Soldat dem Töten abschwören. Royce hat all sein Vertrauen in die Menschheit verloren und will eigentlich nur eins: Überleben. Wenn dafür andere sterben müssen, ist das ein durchaus akzeptabler Nebeneffekt für ihn.
Die beiden sind ein grimmiges Gespann, das nur über Sarkasmus kommunizieren kann und über das man als Leser nur den Kopf schütteln und zwischendurch schmunzeln kann. Das Zusammenspiel der Beiden ist definitiv der Kern der Serie. Ich liebs!

"Ich töte nicht gern."
"Ich bin nicht dumm und habe das inzwischen verstanden. Die Frage ist, warum nicht? Hat Arcadius mich angeschwindelt? Handelst du etwas nur mit Schwertern und trägst deshalb so viele mit dir herum? Hat er dich deshalb mit mir geschickt damit du lernst zu töten?"
"Ich habe mehr als genug Menschen getötet, glaub mir."
"Was ist dein Problem?"
"Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es falsch ist."
"Entschuldige? Sagtest du falsch?"
"Ja, falsch, also das Gegenteil von richtig."
"Wie alt bist du? Glaubst du auch noch an gute Feen, die wahre Liebe und dass man sich bei einer Sternschnuppe etwas wünschen darf?"
"Du glaubst nicht an richtig und falsch? Gut und schlecht?"
"Doch, klar, richtig ist, was gut für mich ist, und schlecht, was ich nicht mag, und das ist dann wirklich ganz falsch."

Parallel zu der Geschichte der beiden ungleichen Diebe gibt es einen zweiten Erzählstrang, bei dem der Leser von Gwen erfährt. Gwen lebt als Prostituierte in einer Schenke und bekommt mit, wie ein Freier eine ihrer Kolleginnen aus reiner Mordlust umbringt. Weder ihr Chef noch der zuständige Wachtmeister der Stadt unternehmen etwas. Da beschließt sie, die anderen Mädchen und sich selbst zu retten, kratzt all ihre Ersparnisse zusammen und flieht in ein baufälliges Haus. Dort wollen die Frauen selbst ein Bordell eröffnen. Doch das wird nicht so einfach, zumal sich Gwen mit ihrer Aktion gleich mehrere Feinde gemacht hat. Aber sie bleibt stark, immer mit dem Hintergedanken im Kopf, den ihre verstorbene Mutter ihr mitgegeben hat: Sie ist dazu bestimmt, einem Mann zu helfen, der eines Tages verletzt an ihre Tür klopfen wird. Er ist ihr Schicksal...

Die Geschichte ist brutal, düster und spannend. Humor kommt nicht zu kurz und es gibt immer wieder Momente, die einem trotzdem ein wohliges Gefühl geben. Jedes Mal, wenn Royce und Hadrian widerwillig über den anderen Grinsen. Oder die Szene, wo Hadrian in Iberton ratlos vor der großen Auswahl an Bier steht. Und dann ist da noch Pickles, den Hadrian ganz zu Beginn trifft und den ich sofort in mein Herz geschlossen habe. Und nicht zu vergessen der fette Plot Twist am Ende.

Leute, ich kann es nicht anders sagen: Ich bin süchtig, direkt nach dem ersten Buch. Ich hüpfe jetzt rüber zu Medimops und bestelle mir die anderen bereits erschienenen Bücher. Reihenfolge hin oder her, ich schaffe es niemals, zu warten, bis Sullivan die restlichen Bände geschrieben hat, die zeitlich vor den bereits veröffentlichten Bänden spielen. Ich liebe die Figuren schon zu sehr.

Zusätzlich war mir das Nachwort so sympathisch, wie es sonst nur bei Fitzek der Fall ist. Chapeau!!!

Titel und Cover: Wie schon erwähnt, das Cover mag ich nicht. Der Turm passt wunderbar und sieht auch gut, aber die Bilder der beiden Männer (die ganz klar Royce und Hadrian sein sollen) machen irgendwie einen billigen Eindruck. Also einfach im Sinne der Bildqualität. Hätte es viel besser gefunden, wenn man den Turm im Gebirge so gelassen hätte und unten auf einem kleinen Pfand zwei vage Gestalten zu erkennen wären. Den Titel finde ich gut. Vor allem im Bezug darauf, dass es eine Reihe wird, kann man wunderbar jedem Buch dem passenden Titel entsprechend dem Auftrag des Diebesbande geben.

Würdest du das Buch erneut lesen? Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!!