Sonntag, 28. März 2021

[Kostenloses Rezensionsexemplar] Das Faultier bewegt sich wie Opa - Eva Dignös und Katja Schnitzler


Zusammenfassung:  Witzig, weise und oft nur allzu wahr sind die Kindersprüche, die Leserinnen und Leser der Süddeutschen Zeitung gesammelt haben. Die SZ-Autorinnen Eva Dignös und Katja Schnitzler haben für dieses Buch die schönsten Zitate ausgewählt - und mit Experten darüber gesprochen, wie Kinder ihre Welt wahrnehmen, weshalb Fantasiefreunde so wichtig sind und wie man als Erwachsener Kinderfragen beantwortet, wenn man selbst nicht mehr weiter weiß … Ein Buch für jeden, der Kinder hat, bekommt oder kennt. Das ideale Geschenk für junge Eltern und Großeltern.

Meine Meinung: Dass solche Bücher keine hochtrabende Literatur sind, ist wohl jedem klar. Aber grade momentan, wo uns das Wasser auf der Arbeit wirklich bis zum Hals steht und wir nur noch rotieren, auf Urlaub verzichten und jede Menge Überstunden kloppen, ist sowas nach Feierabend in der Badewanne genau das richtige. So ein bisschen wie Trash TV ;). Genau diese Entspannung hat es bei mir auch hervorgebracht. In zwei Tagen war es ausgelesen und hat mich ganz oft zum Schmunzeln gebracht. Es ist nach Kategorien unterteilt und wird von dem ein oder anderen augenzwinkernden Kommentar der Herausgeberinnen begleitet. 
Ich warne euch nur vor einer Sache: Unter jedem Zitat der Kids stehen Alter und Name. Und ganz ehrlich? Bei manchen Namen musste ich ganz schnell weggucken, weil ich mich sonst doch nicht entspannt, sondern aufgeregt hätte. Werde nun keine Beispiele nennen, falls diese armen Kinder das hier irgendwann mal lesen sollten. Aber aussprechen wollte ich diesen Hinweis doch mal...;)

Es ist aber dennoch sicherlich ein tolles Geschenk, wie auch schon im Klappentext steht. Werdende Eltern, junge Eltern, Omas und Opas oder auch nur Patentanten (so wie ich ;)) werden ihre Freude daran haben.

Titel und Cover: Mega! Habe das Buch meiner Oma weitergereicht (daher auch ein Bild aus dem Internet) und sie hat sich direkt schlappgelacht. Der Titel macht neugierig (ich habe sofort einen kleinen Jungen vor mir gesehen, der im Faultierhaus des Dortmunder Zoos genau das sagt :D) und das Faultier auf dem Cover mit Gehstock und Schiebermütze (wie mein Opa sie auch hatte) rundet es ab. Schön gemacht!

[kostenloses Rezensionsexemplar] Die Verlorenen - Stacy Halls

Zusammenfassung:  London 1754: Die junge Bess Bright, die in bitterer Armut, im Schlamm und Dreck des Londoner Hafens aufgewachsen ist, findet sich von einem Moment zum anderen in einem Alptraum wieder. Vor sechs Jahren musste sie ihre gerade zur Welt gekommene Tochter Clara ins Waisenhaus geben, außerstande, sie zu ernähren. Jetzt, da sie Clara endlich zu sich holen kann, sagt man Bess, dass ihre Tochter schon längst abgeholt wurde. Aber von wem? Im Kampf um Clara muss Bess die gesellschaftlichen Schranken ihrer Zeit überwinden ... um durch Stärke und Liebe schließlich zu sich selbst zu finden.

Meine Meinung: Bei diesem Buch hat mich vor allem das Cover direkt magisch angezogen. Es sieht so herrlich filigran und verwunschen aus. Auch die Leseprobe hat mich in ihren Bann gezogen. Es war sehr emotional, Beth zu begleiten, wie sie einen Tag nach der Geburt ihr Neugeborenes im Waisenhaus abgeben muss. Ohne den Vater des Kindes und mit kaum genug Geld, um sich selbst zu ernähren und der harten körperlichen Arbeit, die sie jeden Tag auf dem Markt verrichten muss, hat sie keine Möglichkeit gesehen, das Kind großzuziehen. Doch sie nimmt sich vor, alles zu regeln, Geld zu sparen und das Kind dann wieder zu sich zu holen. Clara heißt die Kleine und Beth gibt ihr als Erkennungsmerkmal das halbe Herz aus Walknochen mit, das sie vom Vater vor dessen Tod bekommen hat.
Sechs Jahre später ist es so weit und sie will Clara endlich zu sich holen. Doch die wurde laut Unterlagen schon einen Tag nachdem Beth sie dort abgegeben hat, wieder abgeholt....von Beth. Und die versteht die Welt nicht mehr. Zusammen mit dem Arzt des Spitals beginnt sie, Nachforschungen anzustellen.

Leider muss ich zugeben, dass meine Begeisterung sich relativ schnell nach den ersten Seiten verflüchtigt hat. Ab dem ersten Drittel des Buches schien irgendwie festzustehen. Selbst die Personen und Faktoren, die noch für Überraschung hätten sorgen können, wurden nicht genutzt. Hinzu kam, dass ich mit keiner der Personen richtig warm geworden bin. Beide Frauen sind mir nicht wirklich sympathisch und machen alles irgendwie unnötig kompliziert. Und die Auflösung erschien mir am Ende dann dazu noch ein bisschen weit hergeholt, so im emotionalen Sinne. Ihr werdet verstehen, was ich meine, wenn ihr es lest.
Also: Starker Anfang mit leider auch starkem Abfall zum Ende hin.
Schön ausgearbeitet fand ich den ernormen Unterschied der Reichen und der Arbeiterklasse. Ich habe die "schäbigen" Seiten Londons wirklich bildlich vor mir gesehen.

Titel und Cover: Wie eingangs erwähnt gefällt mir das Cover super! Es hat viele Details und passt zur Geschichte. Die Nummer 627 beispielsweise ist die Nummer, die Clara im Waisenhaus bekommen hat, als Beth sie abgegeben hat. Und auch die Figur im Käfig mit dem kleinen Kind im Arm passt wunderbar zur Geschichte. Den Titel mag ich in seiner Schlichtheit, denn verloren sind eigentlich alle Personen in dem Buch. Gut gewählt :)



Sonntag, 7. Februar 2021

[Werbung/kostenloses Rezensionsexemplar] Aller guten Dinge sind Zwei - Mhairi McFarlane


Zusammenfassung: 
Ein gebrochenes Herz, ein zweifelhafter Ruf und ein fast perfekter Plan
Von einem Tag auf den anderen steht die 36-jährige Laurie vor den Scherben ihres Glücks: Ihre große Liebe Dan trennt sich von ihr. Um sich selbst neu zu finden, wie er sagt – eine Neue hat er allerdings schon gefunden. Als wäre das nicht schlimm genug, ist die Neue bald darauf schwanger von Dan, der Lauries Kinderwunsch seit Jahren abgeschmettert hat …
Dass Dan und Laurie in derselben Anwaltskanzlei arbeiten und ihre Kollegen bald kein anderes Thema mehr kennen als das Liebes-Aus des einstigen Vorzeige-Pärchens, macht es für Laurie nicht leichter. Ausgerechnet mit ihrem als Weiberheld verrufenen Kollegen Jamie bleibt Laurie eines Abends im Fahrstuhl stecken. Gezwungenermaßen kommen die beiden ins Gespräch – und stellen fest, dass sie einander nützlich sein könnten. Es geht ja nur um ein bisschen Schauspielerei. Oder?

Meine Meinung: Ich meine das überhaupt nicht böse, wenn ich das schreibe, aber normalerweise erwarte ich keine Bücher, die mich in Begeisterungsstürme versetzen, wenn ich solche Titel oder solche Klappentexte lese. Aber die Leseprobe war fein und ab und zu lässt man sich ja auch gerne mal berieseln. Hab mich über den Gewinn auf jeden Fall gefreut.
Letztendlich war ich dann aber restlos begeistert von dem Buch. Zum einen ist es sehr viel tiefgründiger, als ich erwartet hätte. Als Laurie ihre Trennung durchlebt fühlt man so richtig mit, vor allem weil es sich nicht nur auf ihren Hass auf ihren Ex bezieht. Es geht vor allem um ihre Zweifel, je wieder jemanden zu finden. Um die Frage, wieso sie glücklich war aber er nicht. Um ihren Kinderwunsch, den sie in Gefahr sieht. Um die Frage, wie Freunde und Familie es aufnehmen und und und. 
Dann gab es wundervolle Charaktere. Nicht nur Laurie selbst finde ich zauberhaft, auch ihre Bürokollegen oder die Familie ihres neuen "Fake-Freundes". Habe mich sofort in alle verliebt.
Die Balance zwischen Lachen und Mitheulen stimmte auch.

Was glaubt ihr also, was ich nach dem Lesen des Buches getan habe? Richtig, ich habe mir bei Medimops erst mal alle anderen Bücher der Autorin bestellt :D Willkommen in meinem Leben.

Titel und Cover: Super! Zumindest das Cover. Es wirkt frisch und fröhlich, passend zur Geschichte (bis auf den Liebeskummer natürlich ;)). Zusätzlich - als jemand, der nun mal Bücher hortet - mag ich es natürlich, dass alle Bücher der Autorin im selben Stil gestaltet sind. Ganz anders sieht es beim Titel aus, den finde ich irgendwie arg belanglos. Ich mag es halt lieber, wenn der Titel schon explizit etwas mit der Geschichte zu tun hat. Aber da mir alles andere gefällt, ist mir das schon fast egal ;) Ich habe das Buch letztes Jahr übrigens auch direkt mehrfach zu Weihnachten verschenkt, einfach weil ich so viel Spaß beim Lesen hatte :)

[Werbung / kostenloses Rezensionsexemplar] Das Wörterbuch des Windes - Nina Balzon


Zusammenfassung:
In Island, der Insel der Winde, treffen sie am Walfjord aufeinander: die deutsche Touristin Swea, deren Ehe grade auf der gemeinsamen Reise zerbrochen ist, der ehemalige Lehrer Einar Pálsson und der scheue Jón Árnason. In Einars Haus am Meer versucht Swea, noch einmal ganz neu anzufangen. Früher hat sie Kunst studiert, wollte malen, Liebhaber sammeln und auch sonst in jeder Hinsicht frei sein. Aber kann man wirklich alles auf null setzen? Auf der Suche nach Antworten entdeckt Swea das Leben und das Lieben neu und wagt es schließlich, ihr eigenen Geister zurückzulassen und dem Weg des Windes zu folgen.

Meine Meinung: Von Nina Blazon kenne ich bereits den Roman "Totenbraut", der mich damals vor allem wegen seine authentischen Einbeziehung der slawischen Kultur und Volksmärchen stark beeindruckt hat. Und die ständig vorherrschende Bedrohung, die in der Geschichte mitschwang hat es zusätzlich spannend gemacht. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an die neue Geschichte und zugegeben: Ich war erst mal enttäuscht. Hier ist die Stimmung ganz anders. Nachdenklich, wehmütig, rau und einsam. Sehr passend zu Island vermute ich (war ja leider noch nicht da). Aber als ich mich auf einmal von der ursprünglichen Erwartung gelöst hatte, und das Buch mehr eigenständig betrachtet habe, fand ich es deutlich besser. Hier geht es um drei sehr verletzte Menschen, die in der kargen Natur Islands nach und nach wieder zu sich selbst finden und auch zueinander.

"Doch plötzlich habe ich Angst. Denn wenn das vergangene Jahr mich eines gelehrt hat, dann das: Eine Wahrheit laut auszusprechen heißt auch immer, ihr Wirklichkeit zu geben, einen Ort, von dem sie sich nie wieder vertreiben lässt.!

Denn zu Beginn schleichen sie eher umeinander herum, jeder getrieben von seinen ganz eigenen Geistern der Vergangenheit. Geister sind hier übrigens wörtlicher gemeint, als man vielleicht denkt ;) Lest selbst. 

Ich würde das Buch tatsächlich mitnehmen, sollten wir mal nach Island kommen. Es macht nachdenklich und unterhält, aber auf eine eher ruhige Art. Je nach Stimmung schätze ich das sehr!

Titel und Cover: Passt! Der Titel passt gut zum Ort des Geschehens und das Cover ebenso. Für mich ist es natürlich ganz klar Swea, die da steht und in ihre zunächst ungewisse Zukunft blickt. Es kann aber auch sinnbildlich für jeden Menschen gesehen werden, der grade sein Ziel aus den Augen verloren hat. Ich mag's.

Übrigens: Die "Würdet ihr das Buch nochmal lesen?" Frage spare ich mir demnächst. Habe meine Meinung zu dem Thema mittlerweile geändert und finde, dass es Bücher gibt, die ich vielleicht nicht nochmal lesen würde, von denen ich aber dennoch froh bin, dass ich sie einmal gelesen habe. Versteht ihr, was ich meine? Und wenn man sagt "Nee, ich würde das Buch nicht nochmal lesen" dann vermittelt man vielleicht ein schlechteres Bild, als man wollte.


Montag, 2. November 2020

Coronagedanken

Hallo Ihr Lieben. Na, wie geht’s euch? Ich dachte, ich melde mich mal wieder mit einem Blogbeitrag, der nichts mit Büchern zu tun hat. Einfach, weil mir in diesem Jahr schon wieder viele Gedanken durch den Kopf schwirren und ich nun das Bedürfnis habe, sie mal zu Papier auf den Blog zu bringen. 

Corona hat die Welt ja leider fest im Griff und auch wenn nichts von dem, was ich von mir geben möchte, neu ist, ist es mir irgendwie doch ein Bedürfnis. Ich verstehe so viele Menschen, die momentan Angst vor den kommenden Monaten haben oder gefrustet sind. Sei es, weil sie finanziell davon betroffen sind. Sei es, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Sei es, weil sie mit der dunklen Jahreszeit psychisch eh schon Probleme haben und es dieses Jahr noch schlimmer wird, weil es weniger gibt, worauf man sich freuen kann. Sei es, weil sie sich Sorgen um Angehörige machen. Sei es, weil sie Kinder haben, die sie nicht betreuen können, wenn Kitas etc. zumachen. Sei es, weil sie in den vergangenen Monaten schon viel zurückgesteckt haben. Ich verstehe auch, dass viele Menschen sich grade ungerecht behandelt fühlen. Vielleicht sind sie Künstler und haben sich Konzepte überlegt, wie sie wieder Auftritte in kleinerem Rahmen ermöglichen können. Oder sie sind in der Gastronomie tätig und haben die Zeit genutzt, um zu renovieren, haben in Luftfilter investiert und die Tische reduziert, nur um nun doch wieder schließen zu müssen. Manche Maßnahmen verstehe auch ich nicht wirklich und ich bin definitiv der Meinung, dass die Politik vor allem in diesen Bereichen jetzt wirklich schnelle, unkomplizierte Hilfe anbieten muss.
Wen ich aber nicht so gut verstehe, sind die Menschen, die Äußerungen tätigen wie „Ich möchte feiern.“, „Ich möchte in den Urlaub fliegen.“ oder „Wir dürfen jetzt bald gar nichts mehr.“

Jetzt mal abgesehen von den Corona-Leugnern, denn ich fürchte, da sind Diskussionen sinnlos: Habt ihr euch mal in anderen Ländern umgesehen? Wir dürfen uns doch auch immer noch treffen, nur halt nicht mit vielen Menschen auf einmal. Und vielleicht schaffen wir es alle, den generellen Kreis einzuschränken. Mir ist manchmal nicht so ganz klar, wieso sich viele Leute da schon in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen. Aber gut, jeder denkt leider anders, ne? Wobei es mir teilweise Angst macht, wie krass die Ansichten mancher Leute sind und dass es in manchen Länder schon gewalttätige Auseinandersetzungen wegen der Maßnahmen gibt. Corona zeigt mir umso deutlicher, dass die Menschheit sich irgendwann selbst abschaffen wird.

Ich für meinen Teil sehe das z.B. so: Ich habe das unfassbare Glück, dass ich beruflich bislang überhaupt nicht betroffen bin. Ich kann ganz normal weiterarbeiten. (Genau wie alle in meinem nahen Umfeld übrigens. Das alleine ist doch schon ein Segen!). Zudem kann ich mich gut alleine beschäftigen und merke sogar, wie ich durch die vergangenen Corona-Monate ruhebedürftiger geworden bin. Daher denke ich, dass es mir ja ein Leichtes ist, mich nun zurück zu nehmen. Also tue ich es. Das bedeutet aber nicht, dass ich alles mit Freuden absage und insgeheim grinse, weil ich endlich eine Ausrede habe. Nee! Ich sag das nur nochmal, weil ich bei manchen Menschen manchmal das Gefühl habe, dass sie das denken. Mir wurde nämlich durchaus auch schon gesagt „Du triffst dich doch mit der und die trifft doch auch andere Leute. Und so ist das bei jedem, den du triffst. Also ist das Risiko doch auch nicht größer, wenn du auf eine Feier gehst.“ Ich sag mal so: Das ist mindestens Ansichtssache ;).
Im Übrigen fehlen uns natürlich auch Konzerte, Festivals etc. Aber ich denke, wenn wir uns alle noch ein bisschen am Riemen reißen, tragen wir hoffentlich dazu bei, dass all sowas schneller wieder stattfinden kann. Klar, keiner weiß, ob und wenn ja, wann es einen Impfstoff geben kann und mir ist natürlich klar, dass man die aktuelle Situation schon rein wirtschaftlich nicht noch 2 Jahre so weiterlaufen lassen kann, aber das Virus ist für alle neu und die Zeit, die bislang da war, um es zu erforschen, ist kurz. Von daher finde ich es ratsam, dem ganzen noch etwas Zeit zu geben.

Ich habe dieses Jahr auf einiges verzichtet, was mir durchaus weg getan hat. Jasmins Polterabend, Sebastians Geburtstag, Lenas Taufe, mein eigener 30. Geburtstag…das und vieles andere haben wir/ich abgesagt. Einfach schon, weil wir einige Leute in der Risikogruppe um uns herum haben (Oma, meine Eltern, Tommys Mama, mein kleinstes Patenkind etc.). Klar finden wir das schade. Aber wir haben für uns beschlossen, dass es sinnvoller ist. Ich hätte auch gerne Toni in Berlin besucht und ihre kleine Tochter kennen gelernt. Oder Svenja in München um mir endlich mal die Stadt zeigen zu lassen. Aber ich halte es für mich für sinnvoll, den Radius dieses Jahr deutlich einzuschränken. Ich möchte auch das nicht pauschalisieren. Wenn es Menschen gibt, die weiter weg wohnen, die aber im Umfeld sonst niemanden haben, dann kann man natürlich auch mal hinfahren und soziale Kontakte pflegen. Aber wenn ich weiß, die Lieben sind nicht alleine, dann ist es doch sinnvoll, wenn jeder in seinem Kreis bleibt. Grade meine Oma oder Tommys Mama können wir diesen Winter unmöglich die ganze Zeit isolieren, wollen sie aber auch keinem unnötigen Risiko aussetzen. Und ich will den Scheiß selbst auch nicht bekommen. Es ist nun mal so, dass man Corona haben kann, ohne es selbst zu wissen oder die Symptome tauchen erst auf, wenn man schon tage infektiös ist. Und dass viele Menschen noch monatelang mit Nachwirkungen zu kämpfen haben, ist auch mittlerweile bekannt. Ich bin nicht der Meinung, dass es wie eine normale Grippe ist und wir damit nun mal klar kommen müssen und alles weiter laufen kann.

Hach…ich merke, wie ich mich schon wieder rechtfertige. Das will ich eigentlich gar nicht. Aber ich wollte nochmal klarstellen: Sollte ich euch abgesagt haben oder es in den nächsten Monaten tun: Das heißt nicht, dass ich euch nicht sehen will ;).

Mit meiner lieben Nachbarin habe ich letztens länger mal drüber gesprochen, weil wir da durchaus auch unterschiedlicher Meinung sind in manchem, und wir haben was Interessantes festgestellt: Es liegt augenscheinlich auch sehr am Umfeld, wie man mit der Situation umgeht. Bei mir zum Beispiel ist es so: Locker 95 Prozent sind genau derselben Ansicht wie ich. Unsere Familien hier wollen auch lieber zu vorsichtig als zu nachsichtig sein und auch der Freundeskreis hält sich extrem zurück dieses Jahr. Unsere Winde-Runden haben exakt zwei Mal stattgefunden, obwohl es sonst monatlich ist und es war auch jedes Mal eine deutlich kleinere Gruppe als sonst. Mein Buchclub berät jedes Mal, ob wir uns treffen oder es online stattfinden lassen. Maike arbeitet im Krankenhaus und ist eh sensibilisiert für das Thema und und und. Liebe geht raus an euch alle <3!!!
Vermutlich bin auch ich einfach wegen meinem Umfeld daher etwas vorsichtiger. Irgendwie habe ich das Gefühl, den Menschen gegenüber respektlos zu sein, die ich sehe und die vorsichtig sind, wenn ich andauernd on Tour wäre. Wisst ihr, was ich meine? Es soll und muss also jeder für sich selbst gucken. Im Radio hab ich letztens einen SPD Politiker sagen hören, dass wir nach Corona alle auch erst mal verzeihen müssten. Und er meine das nicht nur im politischen sondern auch im privaten Bereich. Das fand ich sehr wahr. 

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Was macht ihr so, um gut durch die Zeit zu kommen? Wir wollen z.B. schauen, dass wir mit Oma öfter auf einen Tee zusammen sitzen, wann immer möglich draußen und natürlich mit Abstand. Und wir wollen mehr basteln.
Ich lese außerdem viel, häkel und schnappe mir Hörbücher. Und ich schaffe auch mal Dinge, die ich sonst ewig vor mir hergeschoben habe. Schubladen ausmisten z.B.
Das Beste aber ist, dass ich endlich mal die Zeit genutzt habe, um meiner lieben Omi beim Gulasch kochen über die Schulter zu schauen. Deswegen schreibe ich hier überhaupt, weil das nämlich so schön war. 

Wie oft verstirbt ein lieber Angehöriger (außer Oma, die wird mindestens 105! Hab ich ihr schon befohlen ;)) und mit ihm verschwinden allseits beliebte Familienklassiker. Bei meiner anderen Oma war das teilweise so (zum Glück konnten wir aber zum Beispiel ihr weltberühmtes Tonkaplätzchen-Rezept retten ;)) und seitdem denke ich immer „Katja, du musst dir zeigen lassen, wie Oma Gulasch, Rouladen, Rotkohl etc. kocht.“ Mal abgesehen von dem egoistischen Grund, dass man niemals auf so leckere Sachen verzichten will verbringt man so einfach eine schöne Zeit mit deinen Lieben, bekommt alte Geschichte zu hören (z.B. der, in der Oma mal aus Versehen den Gulasch mit Zimt gewürzt hat. Hihi. Tommy fand das war der beste Gulasch ever :D) und zeigt echte Wertschätzung. Habt ihr auch so Familienrezepte, die ihr euch mal zeigen lassen wollt? Oder habt ihr es sogar schon getan, so wie die liebe Janke? Erzählt mal!

Oma spielt das immer runter und tut so, als würde sie nur das Fleisch anbraten und dann Wasser drüber kippen ;) Daher habe ich mich letztens einfach mal selbst eingeladen und ihr über die Schulter geschaut. Ehrlich Leute, man macht das viel zu selten. Ich musste z.B. auch oft daran denken, wenn Tommy und ich im Saarland waren, weil da auch super oft Rezepte von Oma Lore gekocht/gebacken werden (die ich leider nie kennenlernen konnte) und fand es immer so wunderbar, dass die Menschen so weiterleben. Und ich hab nun endlich mal den ersten Schritt gemacht und werde – auch wenn der Fleischkonsum hier deutlich zurück gegangen ist – bald mal selbst versuchen, Omas Gulasch zu kochen. Werde berichten. 

Was ich in der Coronazeit außerdem noch mehr für mich entdeckt habe als eh schon: Briefe und Postkarten schreiben. Videochats sind gut und schön, aber mit mehr als 3 Leuten auch super anstrengend wie ich finde. Und Telefonieren war noch nie meine Lieblingsbeschäftigung (außer mit Svenja komischerweise :D). Und so ein Brief oder eine Karte…ich meine, da hat sich jemand richtig hingesetzt und sich Gedanken gemacht und ich liebe sowas. Bin bei Instagram in einer Postkartengruppe, wir wichteln jetzt für Weihnachten zusammen und werden Pakete verschicken und meine liebsten Brieffreundinnen werden auch bald wieder Post von mir bekommen! 

Habt ihr noch Tipps für die Zeit daheim? Oder habt ihr neue Hobbies für euch entdeckt? Ich hoffe, ihr passt alle auf euch und eure Mitmenschen auf und denkt immer dran: We are all in this together. Küsschen <3