Dienstag, 18. August 2026

[Kostenloses Rezensionsexemplar] Die Namen - Florence Knapp

 


Klappentext: Es ist 1987 und Cora ist auf dem Weg zum Amt, um die Geburt ihres Sohnes anzumelden - und seinen Namen. Noch ahnt sie nicht, wie sehr dieser Moment ihr Leben und das ihres Sohnes prägen wird.

Coras Mann Gordon, ein allseits beliebter Arzt, erwartet, dass sein Sohn nach alter Tradition den Namen des Vaters bekommt - und somit den von Generationen herrischer Männer vor ihm. Ihre Tochter Maia möchte den kleinen Bruder Bear nennen, und Cora selbst bevorzugt Julian, in der Hoffnung, dass ihr Sohn sich so zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln kann.

Florence Knapps Debütroman ist die bewegende und hoffnungsvolle Geschichte von drei Namen, drei Versionen eines Lebens und den unendlichen Möglichkeiten, die eine einzige Entscheidung auslösen kann. Es ist die Geschichte einer Familie und ihrer Liebe zueinander — egal, was das Schicksal bereithält.

Britischer Buchpreis 2026: Bester Debütroman des Jahres

Und im Laufen spürt er, wie seine Hoffnung Auftrieb bekommt wie ein Drachen, er rennt schneller, will sie höher steigen lassen, will an ein Happy End glauben. Wünscht sich jede große Geste, die er aus Liebesfilmen kennt, in Orlas und sein Leben, will alles fühlen. Wirklich fühlen. Er will ihr mit dem Ghettoblaster ein Ständchen bringen. Im Regen stehen und auf den Moment warten, in dem sich ihre tropfnassen Gesichter einander nähern. Doch dann brechen diese Gedanken mit einem Kreischen ab, wie eine Nadel, die über eine Schallplatte kratzt, und er kommt sich albern vor. Sofort hat er Maias und Megs Gelächter im Ohr. Aber jetzt ertönt Cians Stimme, feuert ihn an: "Denk nicht daran. Du schaffst das, mein Junge!" Und Julian lächelt und läuft schneller, denn ja, er will ein großes, furchtloses Leben leben. Er will sich streiten, weil sie etwas verbindet, worum es sich zu kämpfen lohnt. Er will vor lauter Wut gegen die Fußleiste treten und mit ihr über seinen geprellten Zeh und seinen Jähzorn lachen, weil sie beide keine Angst haben.

Meine Meinung: Das Buch hat mich bei Vorablesen vor allem deshalb so angesprochen, weil ich den Gedanken, was meine Entscheidungen (auch die Kleinen!), für Auswirkungen auf mein Leben und das Anderer haben, schon lange immer wieder aufgreife. Ich war gespannt auf ein Buch à la Butterfly Effect.

Zu Beginn war ich dann etwas unzufrieden, denn ja, das Leben des Kindes und seiner Familie ändern sich je nach Namenswahl, allerdings ja vor allem aufgrund des Arschlochs Vaters. Bzw. der Entscheidung der Frau, den Mann nicht zu verlassen. Dennoch fand ich es sehr interessant zu lesen, wie unterschiedlich die Figuren, je nach Namenswahl, später leben.

Gegen Ende wurde das Thema von weiteren kleinen Lebensentscheidungen dann auch doch nochmal vermehrt aufgegriffen und ich habe immer mehr Gefallen daran gefunden, die Geschichte(n) zu lesen. Es war dem Thema entsprechend angemessen tiefgründig ohne dass das Lesen dadurch anstregend wurde.

Titel und Cover: Während ich den Titel sehr einfallslos finde, liebe ich das Cover. Es ist offensichtlich, warum es so gut zur Geschichte passt und es fällt definitiv auch ins Auge wenn man in der Buchhandlung steht.

Sonntag, 29. März 2026

[kostenloses Rezensionsexemplar] Moosland - Karin Zipse

 Zusammenfassung: Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren.

Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird …
Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

Meine Meinung: Vor dem Lesen der Leseprobe hatte ich noch nie etwas davon gehört, dass nach dem Krieg einige deutsche Frauen zum Arbeiten nach Island geschickt wurden. Solche geschichtlichen Randerscheinungen finde ich immer besonders spannend und habe mich dementsprechend sehr auf das Buch gefreut.
Unaufgeregt und feinfühlig beschreibt Katrin Zipse in der Geschichte, wie Elsa auf dem Hof ankommt und sich lange wie ein Fremdkörper fühlt. Sie versteht die Sprache nicht, die Gepflogenheiten und das Essen sind ihr fremd. Auch die derart harte körperliche Arbeit ist sie in Teilen nicht gewohnt, zumal sie entkräftet ist nach den Kriegsentbehrungen. Ihre Einsamkeit spürt man daher auch als Leser fast körperlich.
Die Unkenntnis der isländischen Sprache wird buchstäblich deutlich, da alle Namen erst mal so geschrieben werden, wie Elsa sie versteht, und erst im Laufe der Geschichte, als sie die Sprache besser kennenlernt, korrekt geschrieben werden.
Als Beispiel: Oulawür heißt eigentlich Ólafur. Das fand ich ein schönes stilistisches Mittel.

Bezeichnend war außerdem Elsas Angst vor Hühnern. Während die isländische Familie denkt, sie ist einfach eine verweichlichte Frau, die Hofarbeit nicht gewohnt ist, kommt ihre Angst eigentlich von woanders, wie wir im Laufe der Geschichte lernen. 

Elsa gewöhnt sich langsam ein und jedes Familienmitglied versucht auf seine Art, ihr bei der Eingewöhnung zu helfen. Das bleibt nicht ohne Spannungen, doch die Geschichte wird dabei nie dramatisch. 

Sehr gemocht habe ich außerdem die kleinen Geschichten, die in der Familie als Legenden weitergegeben werden oder die in dem Buch stehen, das Elsa von einem der Brüder zum Lernen der Sprache erhält.

Ein schönes kleines Büchlein über ein Kapitel der deutsch-isländischen Geschichte, welches mir bislang unbekannt war.

Titel und Cover: Island stelle ich mir rauher und dunkler vor als auf dem Cover, allerdings gibt es eben auch diese sanften Wiesen im Hochland, die zumindest auf den ersten Blick ruhig und gefahrenlos erscheinen. Genau in so einer Gegend liegt das Bauernhaus, in dem Elsa arbeitet. Das passt also sehr gut zur Geschichte. Die Haptik kommt der eines Leineneinbandes nahe, was mir gut gefällt. Der Titel gefällt mir mindestens genau so gut. Moos verbinde ich mit Nässe, mit Weichheit, mit Mystik, mit Dunkelheit. Alles Adjektive, die zur Geschichte passen.

Donnerstag, 8. Januar 2026

[kostenloses Rezensionsexemplar] Himmlischer Frieden - Lai Wen


 Zusammenfassung: Lai wächst in einem trubeligen Arbeiterviertel in Peking auf. Ihr Vater redet nicht, die Mutter interessiert sich nur für das Geschehen auf dem Hausflur, einzig die Großmutter ist wirklich präsent, kompromisslos in ihrer Liebe zu ihren Enkeln.
Bei einem Nachbarschaftsstreich lernt die junge Lai die Härte des Regimes kennen. Sie zieht sich zurück in die Welt der Bücher und erlangt ein Stipendium an der renommierten Peking-Universität. Dort eröffnet sich ihr eine neue Welt, in der die Meinung frei gesagt wird. Während sich der Widerstand gegen das Regime formiert, findet Lai ihre eigene Stimme und Freunde, die an ihrer Seite stehen auf dem Platz des Himmlischen Friedens.

Meine Meinung: Über den Gewinn habe ich mich sehr gefreut, weil ich zugeben muss, dass ich über die chinesische Geschichte nahezu gar nichts weiß. Und auch wenn es sich hier um einen fiktiven Roman handelt, lernt man auch durch solche Geschichten quasi automatisch etwas über das Land. 
Die erste Hälfte des Buches hat mich dahingehend dann erst mal enttäuscht, denn nach dem guten und spannenden Auftakt, in dem der Streich der Kinder eben in einer Tragödie endet, die Lai ihr Leben lang begleiten und prägen wird, geht es erst mal fast ausschließlich um eine Liebesgeschichte. Nur ihre Besuche im Buchladen und die Unterhaltungen mit dem alten Buchhändler haben mich dranbleiben lassen. Aber in der zweiten Hälfte des Buches, als sie an die Uni kommt, Freunde findet und sich politisch engagiert, wird es besser. Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die Beschreibung der Familiendynamik. Hier wird sehr gut klar, wie jedes Familienmitglied auf seine Art mit den Repressalien und dem Traumata der Vergangenheit umgeht.

Das Ende geht dann absolut unter die Haut und ich habe den Plottwist am Ende geliebt. Musste den berühmten "Tank Man" erst nochmal googlen und prüfen, ob das Ende wirklich fiktiv ist. Alles in allem also ein wunderbares Buch, wenn man etwas mehr über die Hintergründe des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens erfahren möchte.

Titel und Cover: Ich mag das Cover sehr gern, gehe natürlich davon aus, dass das Mädchen Lai sein soll und mag die Schlichtheit des Bildes, welches so im Kontrast zu der Geschichte des Buches steht. Und der Titel ist zwar naheliegend aber dennoch gut gewählt. Die Ironie, dass auf einem Platz mit diesem Namen etwas so Grausames passiert ist einfach schrecklich. Und schön ist es, dass Lai ihren Frieden am Ende aber immerhin doch auf eine Art finden kann. 

[kostenloses Rezensionsexemplar] Sie haben Ihr Toupet ins Glücksrad geschmissen - Sybille Bullatschek


 
Zusammenfassung: 
Ein neues Fernsehquiz versetzt das Haus Sonnenuntergang in helle Aufregung. In der „Ü80 Show“ können drei Senioren und eine Pflägekraft 50.000 Euro gewinnen.

Diese Chance lässt sich Sybille Bullatschek natürlich nicht entgehen und bewirbt kurzerhand das Heim für einen Auftritt in der Sendung, natürlich ohne ihren Chef, Herrn Otterle, einzuweihen.

Als die Zusage kommt muss sie nicht nur ihn von der Wichtigkeit der Show überzeugen, sondern auch die euphorischen Senioren im Zaum halten, die ihrem Auftritt in der Show entgegenfiebern und das komplette Heim in den Wahnsinn treiben.

Und als hätte die engagierte Pflägekraft nicht schon an genügend Fronten zu kämpfen, wollen ihr ausgerechnet jetzt auch noch ein paar Kolleginnen den Platz auf dem Quizstuhl streitig machen. Bei so viel Trubel sollte doch wenigstens das Privatleben etwas Entspannung bringen, aber auch hier geht es wieder drunter und drüber. Der attraktive Jean-Luc taucht unverhofft in Sybilles Leben auf und verdreht ihr gewaltig den Kopf. Eigentlich könnte alles so schön sein, wäre da nicht ihre Schusseligkeit, dank der sie den hübschen Franzosen fast ins Jenseits befördert.


Meine Meinung: Ganz ehrlich? Mein erster Gedanke bei dem Buch war "Das ist mittlerweile nichts mehr für mich!". Früher habe ich sehr gerne solche Quatsch-Bücher gelesen. Ildiko von Kürthy, Tommy Jaud usw. Aber in den letzten Jahren hatte ich so gar kein Bedürfnis mehr danach. Doch ich konnte nicht schlafen und dann lese ich manchmal einfach alle offenen Leseproben bei Vorablesen. Und überraschenderweise hatte ich mal wieder richtig Spaß, schon bei der Leseprobe. Ich vermute, es liegt auch daran, dass ich mir wirklich Sorgen ums Altern in einer Gesellschaft mache, in der das Pflegesystem schon jetzt am Rande des Kollaps steht und es dann um so mehr gut tut, eine lustige, leichte Geschichte zu lesen, die in einem Pflegeheim spielt. Die Figuren sind allesamt liebevoll und witzig und natürlich kann man sich vor allem mit der gestressten Sybille identifizieren.
Ich mag es außerdem, wenn Situationen dadurch komischer werden, dass immer mehr schief geht. Wenn man quasi eh schon kichert, weil drei Sachen in die Buchse gehen und dann noch Situation 4 und 5 on Top oben drauf kommen. 
Einen Kritikpunkt muss ich allerdings loswerden: Im Buch wird immer von "Pflägekraft" geschrieben. Ich verstehe den Witz nicht so richtig und es nervt mich beim Lesen jedes Mal, wenn dieses Wort auftaucht, weil ich richtiges Augenzucken bekomme. Absolut unnötig.

Mir hat das Lesen abgesehen davon aber viel Spaß gemacht und ich kann mir gut vorstellen, auch noch andere Bücher der Reihe zu besorgen.

Cover und Titel: Das Cover gefällt mir leider nicht so gut. Es ist mir zu bunt. Dafür find ich die gezeichneten Figuren gut gelungen und der Titel macht es eh wieder wett, weil der mich direkt Schmunzeln lässt und Bilder in meinem Kopf auslöst.

Mittwoch, 7. Januar 2026

[kostenloses Rezensionsexemplar] Komm mit in die Welt von Morgen - Katja Diehl und Emily Claire Völker



Zusammenfassung: Das erste Kindersachbuch von Mobilitätsexpertin Katja Diehl

Die SPIEGEL-Bestsellerautorin („Autokorrektur“ und „Raus aus der AUTOkratie“) macht nicht nur Kindern, sondern auch erwachsenen Leser*innen Lust auf Veränderung und lädt in ihrem ersten Kindersachbuch auf eine spannende Reise in die Welt von morgen ein.gemeinsam mit der fünfjährigen Hauptfigur Hope tauchen die Leser*innen in eine Welt der Zukunft ein, in der es viel Spannendes und Neues zu entdecken gibt
kindgerecht erklärt mit Beispielen aus der Lebensrealität von Kindern aus der Stadt sowie vom Land
farbenfrohe Illustrationen mit starker Message von Emily Claire Völker, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern
zahlreiche Tipps und Anregungen für Eltern und Bezugspersonen
zum Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren

Katja Diehl hat sich voll und ganz dem Mobilitätswandel verschrieben und bringt das Thema nun auch Kindern ab 5 Jahren näher. Kindgerecht erklärt entdecken die Leser*innen zusammen mit der fünfjährigen Hauptfigur Hope die Welt von morgen. Wie hat sich das Zusammenleben der Menschen verändert? Wie sieht der Schulweg in der Zukunft aus? Oder wo spielen Kinder in der Welt von der fünfjährigen Hauptfigur Hope? Mit vielen Beispielen holt Katja Diehl die Kids in ihrer Lebensrealität ab, regt zum Nachdenken und Diskutieren an und macht Lust, sich gemeinsam für eine bessere Zukunft einzusetzen.

Meine Meinung:
Wer mich kennt wird sich nicht wundern, dass mich dieses Buch bei Vorablesen Junior sofort interessiert hat. Dass wir nicht mehr so weiterleben können, wie die letzten Jahrzehnte dürfte jeder mit ein bisschen logischem Verstand einsehen und wenn es zu dem Thema kindgerechte Bücher gibt: Her damit! Und ich wurde nicht enttäuscht. Farbenfroh und liebevoll illustriert wird hier gezeigt, wie die Zukunft in Städten mit besseren Radwegen, ÖPNV und anderen Wohnkonzepten aussehen kann. Außerdem sind die Figuren in dem Buch selbstverständlich divers ohne dass das erklärt werden muss., Lieben wir. Natürlich ist es trotzdem bislang eine absolute Utopie. Es erfordert Mut und Optimismus, all diese Dinge wirklich umzusetzen, vor allem solange es so viele Menschen gibt, die sich schon durch ein Tempolimit in ihrer Freiheit eklatant eingeschränkt fühlen. Aber um Kindern das Thema näher zu bringen finde ich dieses Buch wunderbar.
Ich hab es mit großer Freude gelesen und anschließend an eines meiner Patenkinder weitergegeben.

Cover und Titel: Der Titel gefällt mir vor allem deswegen, weil er dich als Leser quasi an die Hand nimmt. "Komm mit, ich zeig dir was!". Das macht doch neugierig, oder? Und das Cover ist dazu wunderbar passend, weil Hope darauf schon so aussieht, als habe sie genau den Satz grade gesagt und als schaue sie einen auffordernd an. Ein schönes Gesamtpaket.