Montag, 2. November 2020

Coronagedanken

Hallo Ihr Lieben. Na, wie geht’s euch? Ich dachte, ich melde mich mal wieder mit einem Blogbeitrag, der nichts mit Büchern zu tun hat. Einfach, weil mir in diesem Jahr schon wieder viele Gedanken durch den Kopf schwirren und ich nun das Bedürfnis habe, sie mal zu Papier auf den Blog zu bringen. 

Corona hat die Welt ja leider fest im Griff und auch wenn nichts von dem, was ich von mir geben möchte, neu ist, ist es mir irgendwie doch ein Bedürfnis. Ich verstehe so viele Menschen, die momentan Angst vor den kommenden Monaten haben oder gefrustet sind. Sei es, weil sie finanziell davon betroffen sind. Sei es, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Sei es, weil sie mit der dunklen Jahreszeit psychisch eh schon Probleme haben und es dieses Jahr noch schlimmer wird, weil es weniger gibt, worauf man sich freuen kann. Sei es, weil sie sich Sorgen um Angehörige machen. Sei es, weil sie Kinder haben, die sie nicht betreuen können, wenn Kitas etc. zumachen. Sei es, weil sie in den vergangenen Monaten schon viel zurückgesteckt haben. Ich verstehe auch, dass viele Menschen sich grade ungerecht behandelt fühlen. Vielleicht sind sie Künstler und haben sich Konzepte überlegt, wie sie wieder Auftritte in kleinerem Rahmen ermöglichen können. Oder sie sind in der Gastronomie tätig und haben die Zeit genutzt, um zu renovieren, haben in Luftfilter investiert und die Tische reduziert, nur um nun doch wieder schließen zu müssen. Manche Maßnahmen verstehe auch ich nicht wirklich und ich bin definitiv der Meinung, dass die Politik vor allem in diesen Bereichen jetzt wirklich schnelle, unkomplizierte Hilfe anbieten muss.
Wen ich aber nicht so gut verstehe, sind die Menschen, die Äußerungen tätigen wie „Ich möchte feiern.“, „Ich möchte in den Urlaub fliegen.“ oder „Wir dürfen jetzt bald gar nichts mehr.“

Jetzt mal abgesehen von den Corona-Leugnern, denn ich fürchte, da sind Diskussionen sinnlos: Habt ihr euch mal in anderen Ländern umgesehen? Wir dürfen uns doch auch immer noch treffen, nur halt nicht mit vielen Menschen auf einmal. Und vielleicht schaffen wir es alle, den generellen Kreis einzuschränken. Mir ist manchmal nicht so ganz klar, wieso sich viele Leute da schon in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen. Aber gut, jeder denkt leider anders, ne? Wobei es mir teilweise Angst macht, wie krass die Ansichten mancher Leute sind und dass es in manchen Länder schon gewalttätige Auseinandersetzungen wegen der Maßnahmen gibt. Corona zeigt mir umso deutlicher, dass die Menschheit sich irgendwann selbst abschaffen wird.

Ich für meinen Teil sehe das z.B. so: Ich habe das unfassbare Glück, dass ich beruflich bislang überhaupt nicht betroffen bin. Ich kann ganz normal weiterarbeiten. (Genau wie alle in meinem nahen Umfeld übrigens. Das alleine ist doch schon ein Segen!). Zudem kann ich mich gut alleine beschäftigen und merke sogar, wie ich durch die vergangenen Corona-Monate ruhebedürftiger geworden bin. Daher denke ich, dass es mir ja ein Leichtes ist, mich nun zurück zu nehmen. Also tue ich es. Das bedeutet aber nicht, dass ich alles mit Freuden absage und insgeheim grinse, weil ich endlich eine Ausrede habe. Nee! Ich sag das nur nochmal, weil ich bei manchen Menschen manchmal das Gefühl habe, dass sie das denken. Mir wurde nämlich durchaus auch schon gesagt „Du triffst dich doch mit der und die trifft doch auch andere Leute. Und so ist das bei jedem, den du triffst. Also ist das Risiko doch auch nicht größer, wenn du auf eine Feier gehst.“ Ich sag mal so: Das ist mindestens Ansichtssache ;).
Im Übrigen fehlen uns natürlich auch Konzerte, Festivals etc. Aber ich denke, wenn wir uns alle noch ein bisschen am Riemen reißen, tragen wir hoffentlich dazu bei, dass all sowas schneller wieder stattfinden kann. Klar, keiner weiß, ob und wenn ja, wann es einen Impfstoff geben kann und mir ist natürlich klar, dass man die aktuelle Situation schon rein wirtschaftlich nicht noch 2 Jahre so weiterlaufen lassen kann, aber das Virus ist für alle neu und die Zeit, die bislang da war, um es zu erforschen, ist kurz. Von daher finde ich es ratsam, dem ganzen noch etwas Zeit zu geben.

Ich habe dieses Jahr auf einiges verzichtet, was mir durchaus weg getan hat. Jasmins Polterabend, Sebastians Geburtstag, Lenas Taufe, mein eigener 30. Geburtstag…das und vieles andere haben wir/ich abgesagt. Einfach schon, weil wir einige Leute in der Risikogruppe um uns herum haben (Oma, meine Eltern, Tommys Mama, mein kleinstes Patenkind etc.). Klar finden wir das schade. Aber wir haben für uns beschlossen, dass es sinnvoller ist. Ich hätte auch gerne Toni in Berlin besucht und ihre kleine Tochter kennen gelernt. Oder Svenja in München um mir endlich mal die Stadt zeigen zu lassen. Aber ich halte es für mich für sinnvoll, den Radius dieses Jahr deutlich einzuschränken. Ich möchte auch das nicht pauschalisieren. Wenn es Menschen gibt, die weiter weg wohnen, die aber im Umfeld sonst niemanden haben, dann kann man natürlich auch mal hinfahren und soziale Kontakte pflegen. Aber wenn ich weiß, die Lieben sind nicht alleine, dann ist es doch sinnvoll, wenn jeder in seinem Kreis bleibt. Grade meine Oma oder Tommys Mama können wir diesen Winter unmöglich die ganze Zeit isolieren, wollen sie aber auch keinem unnötigen Risiko aussetzen. Und ich will den Scheiß selbst auch nicht bekommen. Es ist nun mal so, dass man Corona haben kann, ohne es selbst zu wissen oder die Symptome tauchen erst auf, wenn man schon tage infektiös ist. Und dass viele Menschen noch monatelang mit Nachwirkungen zu kämpfen haben, ist auch mittlerweile bekannt. Ich bin nicht der Meinung, dass es wie eine normale Grippe ist und wir damit nun mal klar kommen müssen und alles weiter laufen kann.

Hach…ich merke, wie ich mich schon wieder rechtfertige. Das will ich eigentlich gar nicht. Aber ich wollte nochmal klarstellen: Sollte ich euch abgesagt haben oder es in den nächsten Monaten tun: Das heißt nicht, dass ich euch nicht sehen will ;).

Mit meiner lieben Nachbarin habe ich letztens länger mal drüber gesprochen, weil wir da durchaus auch unterschiedlicher Meinung sind in manchem, und wir haben was Interessantes festgestellt: Es liegt augenscheinlich auch sehr am Umfeld, wie man mit der Situation umgeht. Bei mir zum Beispiel ist es so: Locker 95 Prozent sind genau derselben Ansicht wie ich. Unsere Familien hier wollen auch lieber zu vorsichtig als zu nachsichtig sein und auch der Freundeskreis hält sich extrem zurück dieses Jahr. Unsere Winde-Runden haben exakt zwei Mal stattgefunden, obwohl es sonst monatlich ist und es war auch jedes Mal eine deutlich kleinere Gruppe als sonst. Mein Buchclub berät jedes Mal, ob wir uns treffen oder es online stattfinden lassen. Maike arbeitet im Krankenhaus und ist eh sensibilisiert für das Thema und und und. Liebe geht raus an euch alle <3!!!
Vermutlich bin auch ich einfach wegen meinem Umfeld daher etwas vorsichtiger. Irgendwie habe ich das Gefühl, den Menschen gegenüber respektlos zu sein, die ich sehe und die vorsichtig sind, wenn ich andauernd on Tour wäre. Wisst ihr, was ich meine? Es soll und muss also jeder für sich selbst gucken. Im Radio hab ich letztens einen SPD Politiker sagen hören, dass wir nach Corona alle auch erst mal verzeihen müssten. Und er meine das nicht nur im politischen sondern auch im privaten Bereich. Das fand ich sehr wahr. 

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Was macht ihr so, um gut durch die Zeit zu kommen? Wir wollen z.B. schauen, dass wir mit Oma öfter auf einen Tee zusammen sitzen, wann immer möglich draußen und natürlich mit Abstand. Und wir wollen mehr basteln.
Ich lese außerdem viel, häkel und schnappe mir Hörbücher. Und ich schaffe auch mal Dinge, die ich sonst ewig vor mir hergeschoben habe. Schubladen ausmisten z.B.
Das Beste aber ist, dass ich endlich mal die Zeit genutzt habe, um meiner lieben Omi beim Gulasch kochen über die Schulter zu schauen. Deswegen schreibe ich hier überhaupt, weil das nämlich so schön war. 

Wie oft verstirbt ein lieber Angehöriger (außer Oma, die wird mindestens 105! Hab ich ihr schon befohlen ;)) und mit ihm verschwinden allseits beliebte Familienklassiker. Bei meiner anderen Oma war das teilweise so (zum Glück konnten wir aber zum Beispiel ihr weltberühmtes Tonkaplätzchen-Rezept retten ;)) und seitdem denke ich immer „Katja, du musst dir zeigen lassen, wie Oma Gulasch, Rouladen, Rotkohl etc. kocht.“ Mal abgesehen von dem egoistischen Grund, dass man niemals auf so leckere Sachen verzichten will verbringt man so einfach eine schöne Zeit mit deinen Lieben, bekommt alte Geschichte zu hören (z.B. der, in der Oma mal aus Versehen den Gulasch mit Zimt gewürzt hat. Hihi. Tommy fand das war der beste Gulasch ever :D) und zeigt echte Wertschätzung. Habt ihr auch so Familienrezepte, die ihr euch mal zeigen lassen wollt? Oder habt ihr es sogar schon getan, so wie die liebe Janke? Erzählt mal!

Oma spielt das immer runter und tut so, als würde sie nur das Fleisch anbraten und dann Wasser drüber kippen ;) Daher habe ich mich letztens einfach mal selbst eingeladen und ihr über die Schulter geschaut. Ehrlich Leute, man macht das viel zu selten. Ich musste z.B. auch oft daran denken, wenn Tommy und ich im Saarland waren, weil da auch super oft Rezepte von Oma Lore gekocht/gebacken werden (die ich leider nie kennenlernen konnte) und fand es immer so wunderbar, dass die Menschen so weiterleben. Und ich hab nun endlich mal den ersten Schritt gemacht und werde – auch wenn der Fleischkonsum hier deutlich zurück gegangen ist – bald mal selbst versuchen, Omas Gulasch zu kochen. Werde berichten. 

Was ich in der Coronazeit außerdem noch mehr für mich entdeckt habe als eh schon: Briefe und Postkarten schreiben. Videochats sind gut und schön, aber mit mehr als 3 Leuten auch super anstrengend wie ich finde. Und Telefonieren war noch nie meine Lieblingsbeschäftigung (außer mit Svenja komischerweise :D). Und so ein Brief oder eine Karte…ich meine, da hat sich jemand richtig hingesetzt und sich Gedanken gemacht und ich liebe sowas. Bin bei Instagram in einer Postkartengruppe, wir wichteln jetzt für Weihnachten zusammen und werden Pakete verschicken und meine liebsten Brieffreundinnen werden auch bald wieder Post von mir bekommen! 

Habt ihr noch Tipps für die Zeit daheim? Oder habt ihr neue Hobbies für euch entdeckt? Ich hoffe, ihr passt alle auf euch und eure Mitmenschen auf und denkt immer dran: We are all in this together. Küsschen <3

Mittwoch, 21. Oktober 2020

[Kostenloses Rezensionsexemplar] Der Winter des Bären - Kiran Millwood Hargrave

Zusammenfassung: Seit Jahren ist der Eldbjørn-Wald im Griff eines eisigen Winters, der Frühling ist nur noch eine ferne Erinnerung. Hier lebt Mila mit ihren drei Geschwistern. Sie halten fest zusammen und würden einander nie im Stich lassen. Doch eines Tages ist Milas Bruder Oskar plötzlich verschwunden – und Mila ist ganz sicher, dass er entführt wurde. Die Schwestern machen sich auf die Suche nach ihm, begleitet von ihren zwei treuen Schlittenhunden. Einen Verbündeten finden sie in dem geheimnisvollen Zauberer Rune. Er weiß, wer Oskar entführt hat: der Bärengeist Bjørn, der hoch im Norden auf einer sagenhaften Insel lebt und doch eigentlich den Eldbjørn-Wald schützen sollte. Mit Runes magischen Kräften, die Schnelligkeit verleihen und es sogar möglich machen, unter Wasser zu atmen, macht sich Mila auf in den Norden.

Meine Meinung: Sieht dieses Schätzchen nicht toll aus? Habe mich direkt verliebt, als ich es bei Vorablesen entdeckt habe. Ich habe ja, generell aber vor allem was Bücher angeht, ein paar seltsame Angewohnheiten und abgesehen davon, dass ich ein absoluter Coverkäufer bin denke ich manchmal, wenn ich Autorennamen lese "Oh, das könnte jemand sein, der gute Geschichten schreibt." Und ich bitte euch: Welcher Name klingt mehr nach tollen Geschichten als Kiran Millwood Hargrave? Hihi. Ich hätte dahinter zwar einen Mann und keine Frau erwartet, aber das ist ja wurscht.

Jedenfalls habe ich mich sehr aufs Lesen gefreut und wurde nicht enttäuscht. Das russisch angehauchte, moderne Märchen entführt einen in den Eldbjørn-Wald, der im ewigen Winterschlaf liegt. Hat mich natürlich direkt an den ersten Narnia Teil oder an Game of Thrones erinnert. 

Der Hauptfigur Mila und ihren Schwestern macht aber nicht nur der Winter zu schaffen. Nach dem Tod ihrer Mutter ist erst der Vater und nun auch noch ihr Bruder Oskar verschwunden. Das kann Mila einfach nicht mehr auf sich beruhen lassen und so begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise um ihren Bruder - und vielleicht noch mehr? - zu retten. Ich habe die Geschichte vom ersten Moment an geliebt und würde mich so sehr über eine Verfilmung freuen. Pipa ist unglaublich süß und Rune ein toller Charakter! Und ich würde so gerne sehen wie die Stadt Bovnik aussieht. Das ganze Buch erzeugt immer wieder wunderschöne Bilder im Kopf.

"Hier und da breitete sich etwas, das aussah wie eine Wolke, über das Glitzern und Funkeln, doch es war Sternenstaub. Der ganze Himmel glühte, aber nicht so wie beim Himmelsfeuer, bei den bunten Flammen, die in besonders kalten, klaren Nächten manchmal über den Himmel leckten, sonder als wäre die Sonne heruntergefallen und in tausend kleine Stücke zerbrochen."

Spannend wird es natürlich auch und ein bisschen gruselig. Für mich ist wie so oft der einzige Kritikpunkt: Das Buch hätte gerne noch etwas länger sein dürfen. Viele Stellen hätte man noch detailreicher ausbauen können und vielleicht hätte auch der ein oder andere Charakter mehr der Geschichte etwas mehr Tiefe verliehen. Aber so ist es eben ein Buch, das junge und alte Menschen und alle dazwischen. (Ach und an einer Stelle war ich irritiert, weil Mila einen ihrer Schlittenhunde knuddelt und seinen Duft als "keksartig" beschreibt O.o Welcher Hund riecht denn nach Keks? :D)

Schon alleine vom Winterthema her ist es natürlich perfekt für die kommende Weihnachtszeit. Also eine dicke Empfehlung von mir !

Titel und Cover: Dazu muss ich nicht viel sagen, oder? Der Name passt perfekt und das Cover ist toll gestaltet. Die Schrift ist in Gold gehalten und die restliche Gestaltung in Blau und Weiß passt zum Winter. Nicht zuletzt ist das Bild außerdem noch wunderschön. So habe ich mir Mila die ganze Zeit vorgestellt.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Ja. Ich könnte mir vorstellen, dass es ein Weihnachtsklassiker wird bei uns :)


Montag, 5. Oktober 2020

[Kostenloses Rezensionsexemplar] Wundersuche - Thomas Bruckner

 

Zusammenfassung: 
Auf der Suche nach Heilung begibt sich der Reporter Thomas Bruckner auf den Weg durch den Dschungel der Alternativmedizin – als fragender, zweifelnder Beobachter.
Unglaubliche, fantastische Erfahrungen macht Thomas Bruckner, nachdem ihm ein Hirntumor diagnostiziert wird: Obwohl die Schulmedizin empfiehlt, sofort operieren zu lassen, sucht er nach Alternativen. Er begegnet einer Vielzahl von Menschen, die behaupten, außergewöhnliche Fähigkeiten in sich zu tragen. Mit wachem Auge und journalistischem Gespür begibt er sich auf die Spuren der selbsternannten Heiler: Vom bodenständigen Heiler in seinem Nachbarort über Voodoo-Priester in Togo, von Wunderheilern auf den Philippinen, Schamanen in Bulgarien, Teufelsaustreibern in Ghana bis hin zum weltweit bekanntesten Medium, João de Deus in Brasilien, der später als Sexualstraftäter verurteilt wurde, führen ihn seine Reisen. In Thomas Bruckners lebendigen Reportagen tun sich gleichermaßen fesselnde wie irritierende Welten auf.


Es gibt so viele Wahrheiten wie Menschen, Wahrheit ist realitv.


Meine Meinung: Schon das Cover hat mich letztens bei Vorablesen neugierig gemacht und auch der Klappentext klang vielversprechend. Ich selbst sehe mich ja nicht als im klassischen Sinne gläubig, aber ich glaube durchaus daran, dass es auf dieser Welt eine Vielzahl von Kräften gibt, die wir uns (bislang) nicht erklären können. Dementsprechend bin ich vielen - ich fasse es mal ganz grob unter dem Begriff zusammen - esoterischen Dingen nicht abgeneigt und ziehe z.B. für mich Kraft aus kleinen Ritualen, glaube daran, dass jeder Mensch eine Seele hat, die niemals verschwindet usw. Und auch Selbstheilung ist etwas, was mich fasziniert und was ich mir durchaus vorstellen kann. Nicht immer natürlich. Es gibt einfach zu schlimme Verletzungen oder zu schwerwiegende Erkrankungen, aber ich glaube daran, dass bestimmte Gedanken oder Situationen und Gefühle dafür sorgen können, dass man besser heilt.Körper und Geist gehören zusammen.

Ich war daher unglaublich gespannt auf das Buch, habe ich mir doch von einem Menschen in der Doppelrolle eines Journalisten und eines verzweifelt Kranken einen umfassenden und objektiven Bericht erhofft. Nach dem Lesen würde ich sagen: Den hab ich auch bekommen. 

Thomas Bruckner geht mit offenen Augen durch die Welt, verheimlicht seine Krankheit nicht und sucht die Menschen auf, die sich als Heiler bezeichnen und die ihm empfohlen werden. Manche sucht er sich auch aus dem Internet heraus. Das Buch beginnt allerdings quasi mit einem Paukenschlag. Damit meine ich nicht die Diagnose sondern das Erlebnis, das Jahre später dafür gesorgt hat, dass er sich dem Thema Wunderheilung überhaupt so offen widmen kann. Denn lange vor seiner eigenen Erkrankung reist er mit einem kranken Freund nach Brasilien zu João de Deus. Der ist einer der bekanntesten Wunderheiler der Welt und trotz seiner großen Skepsis erlebt er in Brasilien eine absolut wundersame und unerklärliche Zeit. Irgendwann verdrängt er seine Erlebnisse, doch mit der Diagnose kommt auch die Erinnerung wieder zurück, zusammen mit der Frage "Was hab ich zu verlieren?".

Und so nimmt Bruckner uns mit auf Bauernhöfe in Österreich, zu kleinen sektenartigen Kommunen, zu aggressiven Vodoo Zeremonien und sogar in ein schlichtes Seniorenheim. Es geht vom Röntgenblick zum Handauflegen bis hin zu Operationen bei vollem Bewusstsein (googlet mal João de Deus!). Bei vielen Erzählungen von Bruckner hat man selbst direkt das Gefühl "Dieser Wunderheiler ist ein Scharlatan und kann sich einfach nur gut verkaufen.", bei manchen Berichten sitzt man auf der Couch und denkt sich "Das kann doch nie und nimmer so passiert sein.". Allerdings hatte ich zu jeder Zeit das Gefühl, Bruckner berichtet authentisch über das, was ihm widerfahren ist oder was er erlebt und gespürt hat. Auch seine Skepsis behält er zu jedem Zeitpunkt bei und versucht, sich und seine Erlebnisse zu reflektieren. Aber er kommt zu dem selben Schluss, zu dem auch ich beim Lesen gekommen bin: Man kann einfach nicht immer alles erklären.

Lauter billige Kalendersprüche. Das wird nämlich aus Wahrheiten über die geistige Welt, wenn man sie auf die Eindimensionalität des Verstandes herunterbricht und in ein einengendes Regelsystem wie die Sprache hineinzwingen will. Peinlicher Esoterik-Scheiß. Sind es deshalb leere Sprüche oder Lügen? Nein. Aber es sind maximal Halbwahrheiten oder Viertelwahrheiten oder Zehntelwahrheiten, weiß der Kuckuck, wie viele Ebenen es in der menschlichen Wahrnehmung gibt. Und Wörter sind nun mal Ausdrucksmittel des Verstands und somit immer einschränkend.

Verschiedene Fakten spricht er am Ende seines Buches dann auch nochmal konkret an. Wie es um seine Tumorerkrankung steht, was er zu der Verhaftung von João de Deus zu sagen hat (kein Spoiler, kommt direkt zu Beginn des Buches im Text vor!) und wie er weiter vorgehen will. Ich kann dieses Buch also guten Gewissens als journalistischen Bericht weiterempfehlen. Man sollte vielleicht ein bisschen offen für grundsätzliche Spiritualität sein, aber alle, die viel Zweifeln kommen hier durchaus auch auf ihre Kosten.

Da war sie wieder, meine Schwäche, das Zaudern, das Alles-für-möglich-Halten aber letztlich An-nichts-zu-hundert-Prozent-Glauben.

Definitiv mal ein anderes Leseerlebnis, das mich durchaus sehr unterhalten und meinen Horizont geöffnet hat.

Titel und Cover: Gut und passend gewählt. Der Mann (?) auf dem Cover hat eine enorme Ausstrahlung und das Bild hat mich - wie eingangs erwähnt - sofort neugierig gemacht. 

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Nein. Einmal reicht :) Wurde weiter verschenkt.

Montag, 17. August 2020

[Werbung / kostenloses Rezensionsexemplar] Der Gepäckträger - David Rawlings

Zusammenfassung: Der dreifachen Mutter Gillian Short graut es vor dem Besuch bei ihrer perfekten Schwester Becky.
Dem ehrgeizigen Geschäftsmann David Byrne droht der Verlust seines Jobs – und seiner Frau.
Der talentierte Michael Downer erhofft sich ein Sportstipendium, obwohl er eigentlich von einem Leben als Künstler träumt.
Drei verwechselte Koffer, die vollgepackter sind, als ihre Besitzer glauben. Drei Menschen, die vor großen Herausforderungen stehen. Und ein junger Mann vom Gepäckdienst, der schon auf sie wartet.

Anmerkung: Dieses Buch habe ich schon so lange beendet, dass ich das Gefühl habe, zeitgleich müsse die Mondlandung gewesen sein. O.o Und obwohl man ja meinen sollte, in diesem Jahr habe ich mehr Zeit, bin ich bislang nicht zum Rezensieren gekommen. Das liegt nicht daran, dass ich ständig auf Achse bin, im Gegenteil. Das Auf Achse sein hat sich dieses Jahr tatsächlich drastisch reduziert. Tatsächlich bin ich momentan aber nicht so viel im Internet unterwegs und nutze die Zeit lieber offline, lese mehr, telefoniere mehr, genieße unseren Balkon, arbeite, beschäftige mich mit mit selbst, meiner inneren Einstellung usw. Brauche Internet momentan nicht so und habe deshalb auch weniger Motivation, andauernd zu bloggen. Seht es mir nach, das ändert sich bestimmt auch wieder. :) Die Zeit ist schon seltsam momentan und auch wenn es mir selbst bislang gar nicht so schadet, so mache ich mir doch arge Sorgen um die Zukunft und lasse momentan auch einiges sausen, worauf ich eigentlich Bock hätte. Es fühlt sich aber momentan nicht richtig an. Letztes Wochenende hat ein richtig cooler Festival-Geburtstag stattgefunden, den ich schweren Herzens abgesagt habe. Die Zahlen in Bochum steigen grade ordentlich an und ich hab doch einige Personen im Umfeld, um die ich mir Sorgen mache und nachdem immer mehr über Corona bekannt wird, muss ich es selbst ehrlich gesagt auch nicht unbedingt bekommen. Und die Grippesaison kommt ja erst noch. *seufz*
Aber ich bin lieber jetzt etwas zu übervorsichtig und höre mir in ein paar Jahren doofe Sprüche dazu an, als in 6 Monaten ein paar Aktionen zu bereuen. Mal sehen, wie es weiter geht.
Jetzt aber mal zum Buch :)

Meine Meinung: Ich habe mich super über den Gewinn gefreut, denn schon die Leseprobe entsprach genau meinem Geschmack. Man lernt David, Gillian und Michael kennen, die alle total unzufrieden mit ihrem Leben sind. Jeder hat eigene Gründe, die eine vergleicht sich ständig mit anderen, der andere lebt den Traum seines Vaters statt seinen eigenen und der Dritte kann seinen Groll einfach nicht ablegen. Mindestens mit einer dieser Personen kann man sich auf die ein oder andere identifizieren.
Als sie dann merken, dass sie ihr Gepäck vertauscht haben, fahren Sie zu einem Industriegebiet, in dem sie ihr Gepäck wiederbekommen sollen. Dort bekommen sie ihr Gepäck zwar wieder, müssen sich dafür aber auch mit ihrem seelischen Gepäck auseinandersetzen...

Der Roman ist für mich ein kleines Gleichnis. Er ist fast schon ein bisschen esoterisch, auf jeden Fall sind ein paar übersinnlich anmutende Situationen enthalten. Aber das bleibt in einem angenehmen Rahmen und driftet nie ins Seltsame ab. Es passt immer zur Situation. Und die Message des Buches ist nichts Neues, dennoch berührt sie mich, weil sie wunderbar auf alltägliche Situationen abgestimmt ist. Das Buch soll einem meiner Meinung nach auch gar nicht sagen, dass es immer unbedingt einen Schlüsselmoment ist, in dem sich alles für einen ändert, aber es regt zum Nachdenken an und macht deutlich, dass man am besten immer bei sich selbst anfängt. Denn man kann nur sich selbst ändern, nicht andere. 

Ich hab es gerne gelesen. Es ist nicht nur ein schönes Geschenk sondern es eignet sich auch für Schulklassen oder Leseclubs, weil hinten im Buch sogar noch verschiedene Diskussionsvorschläge und Fragen zu der Geschichte stehen. Dazu gibt es ein Lesezeichen in Gepäck-Anhänger-Form. I like!

Titel und Cover: Passt beides gut zusammen und auch zur Geschichte. Der Titel ist natürlich zweideutig, was ich ebenfalls mag.


Mittwoch, 13. Mai 2020

[Werbung / kostenloses Rezensionsexemplar] Raffael - Noah Martin

Zusammenfassung: 
Genie, Getriebener, Liebender: »Raffael - Das Lächeln der Madonna« ist der große historische Roman über Raffael Sanzio, der einer der bedeutendsten Maler der Renaissance war und dieses Jahr sein 500-jähriges Jubiläum feiert.
Raffael Sanzio gilt schon mit zwanzig Jahren als neuer Stern am Himmel der Renaissance. Doch es sind unruhige Zeiten in den italienischen Stadtstaaten. Der Maler führt ein rastloses Leben, lernt Michelangelo Buonarroti und Leonardo da Vinci kennen, verliebt sich in die junge Bäckerin Margherita Luti und ist doch ständig auf der Flucht vor den Mächtigen. Als Papst Julius II. ihn nach Rom ruft, um seine Gemächer neu zu gestalten, verstrickt Raffael sich immer tiefer in die Machtkämpfe einer der blutigsten, spannendsten und faszinierendsten Epochen der europäischen Geschichte.

Meine Meinung: 
Ich habe leider etwas länger gebraucht, um dieses Buch zu lesen, was aber mitnichten an dem Buch selbst, sondern eher an viel zu viel Privatkram und Corona lag :)Nun möchte ich aber hier mal endlich kurz Stellung beziehen. Noah Martin hat mit diesem Buch einen richtig fetten Schinken herausgebracht. Sowas schreckt mich aber nicht ab, ich freue mich eher, dass ich viel Zeit mit dieser Geschichte verbringen kann.
Mein erster Wunsch, ein authentisches und gut recherchiertes Setting, ist schon mal erfüllt worden. Man erfährt viel darüber, wie man damals gemalt hat, wie Farbe gemischt wurde und welche Herausforderungen Künstler begegneten. Passend zum Thema beschreibt der Autor alles sehr bildhaft, sodass man direkt alles vor dem inneren Auge sieht. Das liebe ich sehr!

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen - selbstredend - Raffael Sanzio, seine Karriere und auch seine heimliche Liebe. In einem zweiten Strang geht es zudem um Daniele, einen guten Freund Raffaels, der eine kirchliche Laufbahn einschlägt. Auch sein Werdegang ist sehr interessant für den Leser.

Es kommen unglaublich viele Personen in dem Buch vor, aber ich fand, man konnte dennoch gut den Überblick behalten. Und zur Not findet man ein Personenverzeichnis im Buch.

Alles in allem ein großartiges und spannendes Werk über die italienische Renaissance. Auch für Nicht-Kunstkenner.

Titel und Cover: Nun ja...der Titel ist nicht besonders originell, aber er passt zweifelsfrei ;) Und das Cover gefällt mir sehr gut, ich denke es zeigt Arbeiten des Malers?! Auf jeden Fall in seinem Stil!

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Ja!