Dienstag, 11. Juni 2019

(Unbezahlte Werbung wegen Nennung) Eine eigene Zukunft - María Dueñas

Zusammenfassung: 1936 holt der Vater die drei Töchter nach, aus der andalusischen Provinz mitten hinein in die Hauptstadt der Welt: New York. Hier sollen sie im Restaurant helfen. Doch als der Vater stirbt und das Geld kaum zum Überleben reicht, wissen sich Victoria, Mona und Luz nicht anders zu helfen: Sie verwandeln das väterliche Lokal in ihren eigenen Nachtklub ... María Dueñas hat einen ergreifenden Schwesternroman geschrieben. Ein Buch über drei starke Frauen, die sich einen Platz in der Fremde erkämpfen, über Familienbande und den Glanz der ersten großen Gefühle.

Meine Meinung: Heute mal ein Bild aus dem Internet, weil ich noch 15 Minuten auf meine Bahn ins Fitnessstudio warten muss, Zeit zum Bloggen habe, aber kein Bild zur Hand :D Über diesen Gewinn habe ich mich seeehr gefreut, weil ich vor einiger Zeit schon Wenn ich jetzt nicht gehe von dieser Autorin gelesen habe und mir das Buch damals sehr gefallen hat. Die Geschichte ist dieses Mal eine ganz andere, aber der Kern ähnelt durchaus seinem Vorgänger. Es geht um eine Familie, die sich nach einem Schicksalsschlag neu zurechtfinden muss. Ein neues Land, eine neue Sprache und keine Ahnung, wie man auf einmal genug Geld verdienen soll.

Ich gebe zu, ich habe mich zu Beginn etwas schwer getan, habe immer erst mal was anderes gelesen. Es waren sehr viele Figuren am Anfang und irgendwie habe ich erst keinen Zugang gefunden. Aber nach einem schweren Start ging es erstaunlich gut und auf einmal war ich mitten drin im Leben der Arenas-Schwestern. Habe mit ihnen gehofft, im Geiste geprobt und geputzt und mich verliebt. In Toni, in Chano. María Dueñas hat nämlich ein Händchen für bodenständige, nahbare Charaktere, deren Handlung man fast immer nachvollziehen kann. Sie erzählt von Träumen, die unerfüllt bleiben, aber auch von neuen Ideen, die Hoffnung geben. Sie erzählt vom Verlorensein in einer fremden Umgebung und auch vom Verlorensein in der eigenen Familie, weil jeder andere Erwartungen hat. Aber letztendlich geht es immer um den Zusammenhalt, der ist da, wenn es darauf ankommt. Eine schöne, beruhigende Botschaft!

Ebenfalls gut gelingt es ihr, die Stimmung in diesem brodelnden Kessel namens New York, speziell in den von Einwanderern bewohnten Vierteln, einzufangen. Diese lebendige, aufstrebende, pulsierende Stadt, die die Familie in den Bann zieht und gleichzeitig zu verschlucken, zu überrollen droht. Man spürt die Überforderung, die diese Fülle an Eindrücke bei den Schwestern und der Mutter auslöst. Am besten gefallen hat mir der Zusammenhalt unter den Einwanderern. Sie helfen Neuankömmlingen, passen aufeinander auf und stehen sich bei, wenn jemanden ein Unglück ereilt.
Mit so einer Rückendeckung und ein bisschen spanischem Temperament und Willensstärke schafft man so einiges. ;)

Sie erhielten unerwartet Unterstützung. Die Ersten waren die zwei Cousinen aus Córdoba, die oben im Haus wohnten; sie hörten die Mädchen hantieren und erschienen mit Lappen und Bürsten. Je mehr Müll und kaputte Möbel sie auf die Straße räumten, desto mehr Nachbarn kamen, um auch mit Hand anzulegen. Bald waren es acht oder neun Frauen, später ein Dutzend, schließlich an die zwanzig, und mit einem Mal war das Las Hijas des Capitán zu einem dieser kleinen Wunder der Solidarität geworden, wie sie unter Einwanderern immer wieder geschehen. So waren sie. Im Glück und im Unglück, in Freud und Leid, letzten Endes saßen sie alle auf demselben Floß und trieben bei Wind und Wetter durch die unendlichen Weiten New Yorks. 

Ein wunderbares Buch über den Mut, neue Wege zu gehen und die Tatsache, dass es am wichtigsten ist, an sich selbst zu glauben!

Titel und Cover: Der Titel passt sehr schön. Schlicht fügt er sich der Geschichte an, denn die Schwestern bauen sich in der Tat eine eigene Zukunft auf. Stück für Stück, Stein für Stein, Meter für Meter. Und auch das Cover gefällt mir, ich sehe eine der Arenas-Schwestern, gekleidet passend zur damaligen Zeit. Auch wenn es vielleicht schöner gewesen wäre, wenn drei junge Frauen darauf abgebildet gewesen wären.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Ja.

Donnerstag, 6. Juni 2019

Werbung (wegen Nennung/unbezahlt) Höllenjazz - Ray Celestin

Zusammenfassung: New Orleans, 1919: Der mysteriöse »Axeman-Mörder« versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Seine Waffe ist eine Axt, sein Markenzeichen Tarotkarten, die er bei seinen Opfern hinterlässt. Detective Michael Talbot ist mit dem Fall betraut und verzweifelt an der Wendigkeit des Killers. Der ehemalige Polizist Luca D'Andrea sucht ebenfalls nach dem Axeman – im Auftrag der Mafia. Und Ida, die Sekretärin der Pinkerton Detektivagentur, stolpert zufällig über einen Hinweis, der sie und ihren besten Freund Louis Armstrong mitten in den Fall hineinzieht. Als Michael, Luca, Ida und Louis der Identität des Axeman immer näherkommen, fordert der Killer die Bewohner von New Orleans heraus: Spielt Jazz – sonst komme ich, um euch zu holen.

Ray Celestin ist ein brillanter Debütroman gelungen, der sich in einer Mischung aus Fakten und Fiktion um eine der spannendsten und geheimnisvollsten Mordfälle der nordamerikanischen Geschichte rankt.


Meine Meinung: Dieses Schätzchen hat Viola mir letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt und ungefähr so lange ist es auch schon her, dass ich das Buch gelesen habe. Da es aber zu einem meiner Lesehighlights 2018 zählt, darf es auf keinen Fall in Vergessenheit geraten und muss unbedingt auf den Blog.

Das Buch hat mich nämlich aus mehreren Gründen begeistert. Zum einen wird in 4 Erzählsträngen berichtet. Michael ist ein engagierter Detective, der zusammen mit seinem jungen Gehilfen Kerry versucht, den Axeman zu stoppen. Er ist der Einzige, der offiziell in der Sache ermittelt. Luca war früher Michaels Kollege, bevor dieser Lucas korruptes Verhalten öffentlich gemacht hat. Obwohl die beiden mal viel verbunden hat, sind sie dadurch zu Kontrahenten geworden. Luca soll für die Mafia ermitteln, wer der Täter ist.
Und dann sind da noch Ida und ihr Freund Louis. Sie ermitteln quasi privat, beide aus unterschiedlichen Motivationen heraus. Eine solche Erzählweise macht das Lesen für mich nahezu immer spannender, kurzweiliger und verleiht der Geschichte außerdem mehr Tiefe, weil man so viele verschiedene Perspektiven aufgezeigt bekommt.
Mit Louis Armstrong kommt neben dem Axeman außerdem ein zweiter Charakter ins Spiel, der keine reine Fiktion ist, auch wenn der echte Armstrong mit dem Axeman Fall vermutlich höchst wenig zu tun gehabt hat. Er passt aber perfekt in das Setting von New Orleans um 1918 herum. Und ich liebe es, wenn ich etwas lese, was nicht rein fiktiv ist. Fakt ist, der Axeman hat in den Jahren 1918 und 1919 sechs Menschen getötet und es gab viele Verdächtigungen aber er wurde in der Realität nie gefasst. Die beiden Briefe, die im Buch abgedruckt sind, sind Originalabschriften der damaligen Axeman Briefe. Solche Sachen verleihen einem Roman doch gleich nochmal etwas mehr "Würze" ;).

Neben einer wirklich spannenden Geschichte mit authentischen Charakteren gelingt es Celestin auch auf einzigartige Weise, die Atmosphäre des damaligen New Orleans einzufangen. Ich war sofort in den Bann gezogen von dieser durch und durch musikalischen, lebhaften Stadt, die auf trockengelegtem Sumpfgebiet gebaut ist und in der so viele Kulturen teils friedlich, teils sehr abergläubisch und misstrauisch zusammengelebt haben. Ich möchte auf jeden Fall unbedingt mal in diese Stadt!

Der alte Mann begegnete ihrem eindringlichen Blick mit großen, trüben Augen und nach einigen langen Sekunden windumtoster Stille nickte er, hob die Hand an die Brust und drehte seine Schärpe um, sodass sie ihre Festtagsseite zeigte, knallbunte Farben, ein afrikanisches Karomuster in Rot, Gold und Grün, das durch den Nebel leuchtete. Fast im selben Augenblick verwandelte sich die Beerdigungsgesellschaft, als hätte ein Geist die Kontrolle über die Menschenmenge übernommen. Die Clubmitglieder drehten ihre Mietgliedsabzeichen um, die Bandmitglieder taten dasselbe mit ihren Jacken, hier und da war ein Lächeln zu sehen, der Mashal blies seine Pfeife, und ehe sich's jemand versah, spielten die Bands Tanzmusik - ein derbes, lautes, ironisches Stück: Oh Didn't He Ramble. Die Bläser schmetterten, die Secondliner tanzten zwischen den Gräbern, und die Clubmitglieder öffneten Bourbonflaschen und brachten einen Toast auf den Verstorbenen aus. Eine Karnevalsatmosphäre erfasste die Parade und trug sie mit sich, als sie sich über den Friedhof zurück auf die Straße schlängelte, wo sich noch mehr Menschen dem Spaß anschlossen und sich eine stetig wachsende Menge von Feiernden aufmachte zum Leichenschmaus.
Zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, war Jazz grade ganz groß im kommen. Nicht umsonst spielt Louis Armstrong mit ;). Und neben ganz tollen Jazz-Tipps, die das Buch mir geliefert hat, hat es dafür gesorgt, dass ich beim Lesen ständig das Gefühl hatte, überall leise Jazz zu hören.

Kerry hatte gelernt, dass in New Orleans alles von Musik begleitet wurde, von Demonstrationen über Beerdigungsprozessionen und Werbewagen bis hin zum Verkauf von Waren an der Straßenecke. Es war, als wären die Bewohner nur glücklich, wenn sie ein Lied auf den Lippen hatten.

Irgendwann habe ich mir dann bei Youtube diese Zusammenstellung angemacht und sie hat so toll zum Lesen gepasst <3 Und auch unbedingt hören müsst ihr den Axeman Jazz, logischerweise quasi der inoffizielle Titelsong, der zu der damaligen Zeit entstand. Man muss sich das mal vorstellen. Ein Serienmörder teilt der Öffentlichkeit mit, wann er wieder zuschlagen wird und dass er niemanden töten wird, der zu der Zeit Jazz hört. Na spätestens dann würde ich auch mit Jazz liebäugeln ;)

Alles in allem sind viele Sachen einfach toll recherchiert. Oft sind es Beiläufigkeiten, die eine Erzählung so glaubwürdig und lebendig werden lassen. Mal ist es die Erwähnung von Bildern von zur damaligen Zeit berühmten Pin Up Girls, mal die Bestellung des in New Orleans berühmten Absinthe House Frappé hinter vorgehaltener Hand, weil er zur Zeiten der Prohibition natürlich verboten war.
Der Geschichte schwingt zudem immer ein subtiles Gefühl mit, dass jeden Moment etwas Gruseliges, Übernatürliches passieren wird.

Das alles zusammen hat mich wunderbar unterhalten! Zu guter Letzt hat mir auch die Auflösung des Falles sehr gut gefallen. Es erschien mir passend. Das Buch hat mich rundum zufrieden zurück gelassen und ist auch mal was anderes, als der typische Krimi oder Thriller.

Titel und Cover: Sind genau so großartig wie die Geschichte selbst. Das Cover erinnert entfernt an eine Tarotkarte, welche im Buch auch eine große Rolle spielt. Und der Titel erklärt sich von selbst und passt perfekt! Jazz ist an sich etwas Tolles, wurde zur Zeit des Axeman aber natürlich teilweise von unguten Gefühlen begleitet.

Würdest du dieses Buch erneut lesen?
Jederzeit!

Montag, 3. Juni 2019

(Unbezahlte Werbung wegen Nennung) Das Versprechen der Island Schwestern - Karin Baldvinsson

Zusammenfassung: 2017: Pia macht sich mit ihrer Großmutter auf die Reise nach Island zum 90sten Geburtstag von Omas Schwester. Seit Jahrzehnten haben die Schwestern nicht miteinander gesprochen. Zwischen ihnen steht ein unausgesprochenes Geheimnis ...

1949: Die Schwestern Margarete und Helga machen sich aus dem kriegszerstörten Deutschland auf den Weg nach Island, um dort ein Jahr lang auf einem Bauernhof zu arbeiten. Sie wollen sich auf der rauen, ursprünglichen Insel ein neues Leben aufbauen. Während Margarete sich in den Isländer Théo verliebt, zehrt das Heimweh an Helga. Ist das Glück der einen Schwester das Unglück der anderen?

Meine Meinung: Island ist ja eines dieser Länder, das ich unbedingt noch bereisen möchte! Warum erklärt sich eigentlich von selbst. Jólabókaflóð, die Landschaft, die kühle Luft, die Tatsache, dass die Isländer an Trolle, Feen und Elfen glauben, und und und. Als ich dann das Buch erspäht habe, wusste ich, dass ich es lesen muss. Zum Glück konnte mich auch die Leseprobe so begeistern, wie das allgemeine Thema ;). Die Geschichte teilt sich in zwei Erzählstränge, wie auch schon die Zusammenfassung zeigt. Die eine Geschichte erzählt von den Schwestern Margarete und Helga, die nach dem 2. Weltkrieg aus Deutschland nach Island flüchten, um dem tristen Nachkriegselend zu entkommen. Margarete ist voller Hoffnung und Vorfreude auf diese neue Chance während Helga ihren gefallenen Verlobten vermisst, Trübsal bläst und sich für nichts begeistern lässt.
Der zweite Erzählstrang spielt in der heutigen Zeit und Margarete ist mittlerweile schon Jahrzehnte wieder zurück in Deutschland, hat Tochter und Enkeltochter und zu ihrer Schwester Helga seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr. Warum, das hat ihre Tochter Pia noch nicht herausgefunden. Die hat aber auch so viele eigene Sorgen mit ihrer pubertierenden Tochter und ihrem Ex-Mann, dass sie keine großen Fragen stellt, als ihre Mutter sie bittet, mit nach Island zu fahren um Helga zu besuchen. Hauptsache weg.

Und dann zieht Island nicht nur Pia in seinen Bann.

"Ich finde, Island ist ganz anders, als ich es erwartet hätte. Es steckt voller Gegensätze. Unberührt und voller Schafe und Pferde, windig und sanft, felsengrau und meeresblau, karg und voller saftiger Wiesen, eisig kalt und ... nun ja, immer noch frisch, aber immerhin. Und das ist einfach überwältigend."

Das Buch gibt neben den beiden Erzählsträngen um Helga und Margarete einen wunderschönen ersten Island-Eindruck, den ich schon alleine deshalb für sehr authentisch halte, da die Autorin sich selbst in einen Isländer verguckt hat und ausgewandert ist. ;)

An das ständige "Jau Jau", das man in Island zu jeder Tageszeit und beinahe in jeder Konversation hörte, hatte sie sich auch gewöhnt und kapiert, wie man es benutzen musste. Es gab verschiedene Formen: Ein etwas fragendes "Jau Jau" kam einem deutschen "Echt?" gleich. Wenn man in einem Gespräch war und keiner mehr etwas zu sagen hatte, benutze man das "Jau Jau" als eine Art "Dann wollen wir mal wieder weitermachen".

Die Geschichte an sich ist zwar vorhersehbar, aber authentisch aufgebaut. Das einzige, was mich etwas gestört hat, ist die Beziehung zwischen Pia und ihrer Tochter. Die wird kaum ausgearbeitet. Man merkt, dass die Rolle der Tochter nur dazu da ist, um die Geschichte voran zu bringen. Das fand ich etwas schade, zumal Pia zwar ständig sagt, dass sie sich um ihre Tochter sorgt und keine richtige Bindung mehr zu ihr spürt, aber sie unternimmt keinen einzigen Versuch, mit ihr etwas zu unternehmen. Nun ja....ansonsten wurde ich gut unterhalten und habe wie gesagt nebenbei einiges über mein zukünftiges Reiseziel gelernt (und nebenbei auch noch etwas über die Namensgebung einer berühmte Metal-Band :D).

"Wahnsinn", rief Pia und schoss ein paar Fotos von den weiten Lavafeldern und dunklen Seen. "Das ist ein bisschen wie bei >Herr der Ringe<. Fehlen nur noch die Trolle und die Elfen."
Ragnar lachte. "Der Ort heißt Dimmuborgir, die dunklen Städte. Tolkien hat sich seine Inspiration nicht umsonst aus den nordischen Sagen geholt."

Eine schöne, leichte Urlaubslektüre, die mal nicht im Süden spielt. Mag ich!

Titel und Cover: Ich mag das Cover, es passt natürlich wunderbar zur Geschichte. Die beiden jungen Frauen die hoffnungsvoll der rauen Küste Islands entgegenblicken. Den Titel finde ich nicht ganz so gelungen. Vielleicht habe ich etwas verpasst, aber mir ist im Buch nicht aufgefallen, dass die Schwestern sich irgendwann mal ein Versprechen gegeben haben. Korrigiert mich, wenn ich etwas vercheckt habe! "Die Islandschwestern" hätte da schon völlig gereicht.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Ja, hoffentlich auf Islandreise.

Sonntag, 2. Juni 2019

(Unbezahlte Werbung wegen Nennung) Das Jahr nach dem Abi - Paul Bühre

Zusammenfassung: Wie will ich später leben? Was macht mich glücklich? Wie will ich Geld verdienen? Um das herauszufinden, bin ich ein Jahr durch die Welt gereist. Ich habe eine Kung-Fu-Schule in China besucht. Dort lernte ich unter anderem zwei kanadische Gangster kennen, trank viel Tee aus winzigen Tassen und brach mir (SPOILER!!) den Arm in einem Kickbox-Match. Dann war ich Lehrer in einer Dorfschule in Indien, wo ich ab und zu auch eine Kakerlake oder zwei getötet habe. Auf einem Bauernhof in Schottland habe ich mich anschließend von Indien erholt und drechseln gelernt, ohne einen Finger zu verlieren. Am Ende der Reise hatte ich ein paar Antworten auf die Fragen im Gepäck, die ich mir am Anfang gestellt habe.
Meine Meinung:

Puuuh, wie hart hinke ich mit dem Bloggen hinterher? Das wird auch nichts mehr mit der Jahres-Lese-Bilanz für 2018, da ich nicht mal die für 2017 fertig bekommen habe. Selbst dafür fehlen noch ein oder zwei Rezensionen und so langsam müsste ich die Bücher wohl nochmal lesen, um sie angemessen beurteilen zu können :D. Aber letztens dachte ich mir so "Katja, mach dir einfach keinen Stress damit, es soll ja Spaß machen." Daher rezensiere ich jetzt einfach mal schön weiter in unregelmäßigen Abständen vor mich hin. Es ist privat einfach zu viel los, als dass ich das hier super regelmäßig betreiben könnte. Und ich will ja demnächst auch mal wieder von anderen Sachen erzählen, also vom Mallorca Urlaub zum Beispiel. Oder von meiner neu aufgeflammten Sport-Motivation. Wir schauen mal :)

Obwohl mich das Cover so gar nicht angesprochen hat, hab ich die Leseprobe mal gelesen und siehe da, Herr Bühre hat mich direkt für sich eingenommen. So ein junger Mann und schon so viel Reife und Lebensweisheit. Das hat mir sehr imponiert und zieht sich auch durchs ganze Buch. Jugendsprache kommt zwar hier und da mal zum Einsatz, aber so, dass es weder gekünstelt wirkt noch nervt.

In meiner Familie haben wir selten Nachrichten geguckt, wir haben das nie so kultiviert wie andere Familien um 19 oder 20 Uhr. Es gab eine Tageszeitung, der ich jeden Morgen maximal 5 Minuten in schläfriger Langeweile geopfert habe. Für manche mag das ein Zeichen von Ignoranz sein, ich selbst habe nie so genau drüber nachgedacht. Aber ich weiß auch nicht, was besser ist: beim voll gedeckten Frühstückstisch oder während des Abendessens Artikel darüber zu lesen, dass Leute irgendwo auf der Welt hungern und sterben, und nichts zu tun - oder nichts Genaueres darüber wissen zu wollen und ebenfalls nichts zu tun.

Der Inhalt wird durch den Klappentext schon recht deutlich. Paul Bühre hat sein Abi in der Tasche und fragt sich nun, wie so viele junge Menschen, was er nun mit seinem Leben anfangen soll. Statt sinnlos irgendein Studium anzufangen möchte er lieber erst mal Reisen. Dabei möchte er zum einen seinen Horizont erweitern, sich selbst besser kennen lernen und sich über seine Ziele klar werden und nebenbei möchte er sich den Traum erfüllen, Kung Fu an einer richtigen Kung Fu Schule zu lernen.

Auf mich hat Kämpfen - sei es Boxen, Kung Fu oder auch die Gladiatoren-Battles im Kolosseum, die man aus Hollywood-Streifen und Büchern kennt - schon immer eine Faszination ausgeübt. Auch wenn ich mit der Aggression, dem Blut, der Gewalt normalerweise nichts anfangen kann. Vielleicht ist es das Unzivilisierte, Archaische, das Wilde, das mich reizt, jener Teil des Menschen, den wir so häufig verleugnen oder unterdrücken. Trotzdem ist er da. Ich denke, es ist doch viel besser, wenn man diesen Teil kontrolliert, also nach gewissen Regeln rauslässt, als einfach nur in einer sinnlosen Gewaltexplosion. Wenn man es schafft, seine Impulse zu lenken, kann man viel über sich lernen.

Unterstützt werden Bühres Erzählungen durch witzige Skizzen, die er während seiner Reisen gemacht hat.

Toll finde ich auch, dass es zu keiner Zeit um irgendwelche superspannenden Abenteuer geht, sondern wirklich eher um den Alltag in fremden Ländern und wie man damit umgeht, wenn mal etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt. Hier hat man wirklich mal das Gefühl, die Sitten und Gebräuche anderer Länder nahe gebracht zu bekommen.

Überall auf der Welt können Menschen Englisch, und man mogelt sich so durch, aber hier in China ist das immer noch schwer. Es ist nicht allein die Sprache, die kann man lernen. Es ist die Art zu denken, ein ganz anderer Lifestyle. Einfacher, aber auch geselliger. Man isst zusammen, teilt alle Speisen, macht pberhaupt selten etwas alleine. Nicht so wie im Westen, wo jeder sein eigenes Menü, sein eigenes Zimmer und vielleicht sogar sein eigenes Bett hat.
Das Buch ist eine tolle Mischung aus sehr ehrlichen Schilderungen der schlechten Zustände in anderen Ländern aber auch all den lohnenswerten Erfahrungen und Begegnungen, die man dort machen und erleben kann. Es macht Lust aufs Reisen ohne das Thema zu verklären (besonders für junge Leute ja auch wichtig). Es ist ein tolles Geschenk für alle, die ihren Schulabschluss in der Tasche haben, für alle, die gerne Reisen und für alle, die einfach gerne etwas über fremde Länder lesen.

"Aber irgendwie will ich auch nicht so ein Pfosten sein, der der Welt sagt: >Hey guck mich an, ich bin ein echter Shaolin-Kämpfer, weil ich jetzt keine Haare mehr auf dem Kopf habe.<
Andererseits wäre es ja voll traurig wenn ich zurückkomme und immer noch genau gleich aussehe"
Ich bin gerade mal einen Monat weg, und meine Welt ist völlig durcheinander. Meine Perspektive auf das Leben wurde durch drei geteilt und ist dann mit 23 multipliziert worden. Ich habe in der kurzen Zeit schon so vieles erlebt, was ich vorher nicht kannte. Dass China auf demselben Planeten liegt wie Deutschland, ist einfach absurd.


Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!

Titel und Cover: Beides finde ich sehr mittelmäßig, weil es für mich überhaupt keine relevanten Rückschlüsse auf den Buchinhalt zulässt und auch generell optisch nicht wirklich ansprechend ist. Ohne die Leseprobe hätte ich das Buch sicher nie gekauft.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Ja!

Sonntag, 14. April 2019

[Unbezahlte Werbung wegen Nennung] Madame Piaf und das Lied der Liebe - Michalle Marly


Klappentext: Paris, 1944: Nach dem Ende der deutschen Besatzung wird die Sängerin Édith Piaf der Kollaboration angeklagt – und fürchtet ein Auftrittsverbot. Während sie ihre Unschuld zu beweisen versucht, lernt sie Yves Montand kennen, einen ungelenken, aber talentierten jungen Sänger. Édith beginnt mit ihm zu arbeiten, und schon bald werden aus den beiden Chansonniers Liebende. Das Glück an Yves‘ Seite inspiriert Édith zu einem Lied, das sie zu einer Legende machen könnte – La vie en rose.

Édith Piaf – sie verkörperte den Mut zu lieben wie keine andere und ging in ihrer Kunst wie im Leben bis zum Äußersten
Meine Meinung: Zugegeben, ich kenne von Édith Piaf wirklich nur La vie en rose  und  Non, je ne regrette rien  - zumindest bewusst. Ansonsten wusste ich wirklich gar nichts über sie. Nach dem Lesen dieses Buches ist das anders. Édith Piaf war eine interessante Frau, eine Künstlerin durch und durch, fühlt sich immer mehr der Musik verpflichtet, als ihren Liebschaften ("Das war amüsant. Dreiecksbeziehungen führten meist zu dramatischen Szenen - und was könnte besser sein für die Kunst, die sie alle lebten - die Musik? Wo, wenn nicht im Chanson, war Platz für solche Gefühle? Womöglich standen sie alle am Beginn einer Phase größter Kreativität."), dem Alkohol und der Liebe verfallen und ich würde sie definitiv als eine sehr tragische Gestalt bezeichnen. Nachdem ich mir die Eckpunkte ihrer Biografie durchgelesen habe und auch das Nachwort der Autorin, kann ich sagen, dass die historischen Fakten, die über Piaf existieren, durchweg ihren Weg in das Buch gefunden haben. Somit ist es natürlich immer noch ein Roman, aber der ist so nah an der Wahrheit wie es nur geht.
So etwas beeindruckt mich und gefällt mir sehr.

Auch mag ich die Bemühung der Autorin sehr, Édith Piaf als Künstlerin auf ihrem Weg zum Höhepunkt darzustellen und nicht die gescheiterte, abhängige Person zu zeigen, die sie zum Ende ihres Lebens hin wurde. Denn darauf wird Piaf heutzutage oft reduziert und das wird ihr sicherlich nicht gerecht.

Das Buch spielt sich vor allem vor dem Hintergrund des soeben beendeten 2. Weltkrieges ab, einer Zeit, in der viele Künstler wegen Kollaboration mit den Deutschen angeklagt wurden. Auch Édith sieht sich mit diesen Vorwürfen konfrontiert, obwohl sie das Gegenteilt getan hat.

"Manchmal", fügte er leise hinzu, "schäme ich mich, dass ich nichts anderes getan habe, als zu singen."
"Wer kann schon sagen, welche Taten genug sind?", erwiderte Édith gedankenverloren. Auftritte mit der Tricolore auf der Bühne, das Singen verbotener Chansons, Hilfe beim Beschaffen gefälschter Papiere und sogar die Rettung eines Juden reichen vielleicht nicht einmal, um dem Vorwurf der Kollaboration zu entgehen. Sie seufzte.
"Du hast den Menschen eine Freude bereitet", erklärte sie. "Das ist ziemlich viel in schlechten Zeiten."

Édith wird stellenweise sehr exzentrisch dargestellt. Weder möchte sie von ihrer Freundin und Vertrautet Simone hören, wenn das Geld mal wieder knapp ist und sie über ihre Verhältnisse lebt, noch akzeptiert sie die Kritik ihrer Vertrauten oder ihres Geliebten Yves Montand. Teilweise hält sie sich kindisch lieber die Ohren zu. Das macht sie nicht immer sympathisch, als Künstlerin und als Figur aber nur um so authentischer.

Dennoch muss ich sagen, dass ich lange gebraucht habe, um das Buch durchzulesen. Ich kann gar nicht genau benennen, woran es gelegen hat. Eventuell war es einfach nicht ganz der richtige Zeitpunkt, dieses Buch zu lesen. Dennoch bereue ich es nicht, alles in allem war es eine informative und teilweise auch bewegende Geschichte.

Cover und Titel: Das Cover passt sehr gut zur Geschichte, die Frau ist in dem schlichten, schwarzen Kleid sehr gut gewählt, da Piaf auch immer in einem schlichten schwarzen Kleid auf die Bühne ging. Auch der Titel ist super. Er passt zu Piafs größtem Erfolg La vie en rose. Zudem hat die Autorin auch noch ein Buch über Coco Chanel mit dem Titel "Madame Coco und der Duft der Liebe" veröffentlicht. So harmonieren die beiden Bücher nebeneinander wunderbar.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Nein, ich hoffe, jemand anderes wird sich daran erfreuen :)