Sonntag, 10. August 2014

Sturz der Titanen - Ken Follet

Klappentext: England. Ethel Williams, Kind einer Bergmannsfamilie aus Wales, ist Dienerin im Haus von Earl Fitzherbert. Als sie von ihm ein Kind erwartet, wird sie in Schande entlassen. Aber Ethel lässt sich nicht entmutigen und beginnt für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Russland. Grigori und Lew Peschkow wachsen als Waisen auf. Während Grigori zum Revolutionär wird, gelangt sein Bruder in Amerika zu Reichtum - bis er sich zur Armee melden muss und so als Soldat in die Heimat zurückkehrt. Deutschland. Anders als sein Vater sehnt sich Walter von Ulrich nach einem demokratischen Deutschland. In London verliebt er sich Hals über Kopf in die emanzipierte Lady Maud. Am Tag vor der deutschen Kriegserklärung an Russland heiraten sie heimlich. Doch der beginnende Konflikt reißt die Liebenden auseinander. Drei Familien, drei Schicksale, die sich kreuzen, während der Schatten des Krieges die Welt verändert.


Meine Meinung:
Vorweg möchte ich mir mal kurz erlauben, ein allgemeines Lobeslied auf diesen Autor zu singen. Ich habe schon viel von ihm gelesen (ausnahmslos alles sehr gut) und er ist bis jetzt der einzige Autor, den ich kenne, der richtig gut in vielen verschiedenen Genres schreibt. Er hat fantastische historische Romane geschrieben (Säulen der Erde, Tore der Welt), kann genau so gut spannende Thriller (Eisfieber), hat mit „der dritte Zwilling“ einen packenden Wissenschaftskrimi geschrieben und nun haut er so ein Epos über den ersten Weltkrieg raus. Das ist zwar auch ein historischer Roman, aber doch irgendwie etwas ganz anderes, als die Säulen der Erde o.ä. Historische Romane, die im Mittelalter spielen sind für mich nochmal etwas ganz anderes, schon allein was die Recherche angeht.

Wobei wir noch zu einem anderen Thema kommen: Ken Follet recherchiert außergewöhnlich genau für seine Bücher. Wie er auch hier wieder im Nachwort betont, haben all seine Figuren, die tatsächlich existiert haben, ihre Dialoge tatsächlich so abgehalten oder aber sie hätten sie zu der Situation im Buch sagen können. Ken Follet recherchiert, ob die Personen zu dem im Buch beschriebenen Zeitpunkt wirklich hätten dort sein können oder waren und ob die Aussagen, die im Buch getätigt werden, auch in der Realität die Überzeugung der Person wiederspiegelt.

Das sagt eine ganze Menge über den Informationswert des Buches aus und wenn ich sowas im Hinterkopf habe, dann macht das Lebsn gleich doppelt Spaß!


So…nun aber mal zu diesem Buch hier. Ich hatte es auf meinem Wunschzettel zum vorletzten Weihnachtsfest stehen (und die Tatsache, dass ich es jetzt erst gelesen habe, sagt vielleicht etwas über meine RUBs aus ;)) und dank der lieben Eltern auch prompt erhalten. Nun ist es endlich in meine Lesefinger gerutscht und ich bin ganz begeistert.

In dem Buch geht es um die Entwicklungen, die zum 1. Weltkrieg geführt haben, um dessen kompletten Verlauf und auch noch um die Nachwirkungen. Das alles beschrieben anhand der Lebensentwicklung von verschiedenen Personen. Zum einen gibt es das Geschwisterpaar Ethel und Billy, die aus einer Arbeiterfamilie in England stammen und es nicht leicht haben im Leben. Billy muss schon als kleiner Junge Unter Tage arbeiten, muss dann in den Krieg ziehen und findet nur in seinem Glauben halt. Ethel arbeitet erst bei Lord Fitzgerald als Hausmädchen und wird, nachdem sie schändliche entlassen wurde, zu einer Kämpferin in der Frauenbewegung. Dann gibt es das Geschwisterpaar Maud und den eben erwähnten Fitzgerald. Diese beiden stammen aus einer wohlhabenden adligen Familie und haben etwas andere Probleme als Ethel und Billy. Fitz muss sich mit seinen zahlreichen Affären und seiner miesepetrigen Frau Bea herumschlagen und bekommt schließlich im Krieg große Aufgaben, die er nicht immer verantwortungsbewusst ausführen kann. Zudem werden zunehmend seine Ländereien in Russland bedroht. Maud verliebt sich in Walter, der unglücklicherweise ein Deutscher ist, und eine Ehe zwischen einer Engländerin und einem Deutschen – das geht zu Kriegszeiten überhaupt nicht. Die Beiden verlieren sich schließlich im Kriegsgewirr aus den Augen und wissen nicht, ob sie den Anderen jemals wieder sehen werden.

Und dann gibt es noch die Brüder Lew und Grigorij. Beide haben durch die grausame Zarenfamilie ihre Eltern verloren und kämpfen sich seitdem mehr schlecht als recht durchs Leben. Besonders Grigorij hat es schwer, weil er sich um seinen unvorsichtigen und selbstsüchtigen jüngeren Bruder kümmern muss. Der größte Traum von Grigorij ist die Auswanderung nach Amerika, ein Land mit einer demokratischen Grundordnung. Nur weg aus Russland und vom Zaren. Doch als sein Bruder überraschend Probleme mit der Polizei bekommt, übergibt er schweren Herzens Lew seine Fahrkarte und bleibt in Russland. Dort nimmt nach und nach eine Revolution ungeahnten Ausmaßes ihren Gang. Nicht zuletzt deswegen ist der Titel auch hervorragend gewählt, denn durch den ersten Weltkrieg wurden ja tatsächlich alte (Polit)Titaten gestürzt. Die ganze Welt befand sich plötzlich im Umbruch. Und mit diesen Gedanken passt auch das wunderschöne Cover hervorragend. Die Person, die aus dem Auto heraus mit einem Schal der alten Zeit hinterherwinkt.




Durch die verschiedenen Erzählstränge bleibt das Buch immer spannend. Man lernt jede Figur sehr gut kennen und versteht ihre Beweggründe. Und so ganz nebenbei liest man sich einmal durch den 1. Weltkrieg und viele geschichtliche Ereignisse, die sich im Zuge dessen ereignet haben. Das Attentat von Sarajewo, der Kampf um das Frauenwahlrecht, die Aufstände in Russland, der UBoot-Krieg, der zum Kriegseintritt der USA geführt hat usw. Das sind alles Dinge, die ich – wenn überhaupt - nur noch so halb im Kopf hatte und durch diesen Roman sind sie wieder ins Gedächtnis gekommen. Und ich wage zu behaupten, dass ich mir viele Ereignisse bzw. Zusammenhänge jetzt viel besser werde merken können.

Ken Follet hat hier ein richtiges Epos geschaffen, das zu meiner großen Freude in „Winter der Welt“ weitergeführt wird. Das werde ich mir schnellstmöglich besorgen.

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