Sonntag, 29. März 2026

[kostenloses Rezensionsexemplar] Moosland - Karin Zipse

 Zusammenfassung: Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren.

Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird …
Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

Meine Meinung: Vor dem Lesen der Leseprobe hatte ich noch nie etwas davon gehört, dass nach dem Krieg einige deutsche Frauen zum Arbeiten nach Island geschickt wurden. Solche geschichtlichen Randerscheinungen finde ich immer besonders spannend und habe mich dementsprechend sehr auf das Buch gefreut.
Unaufgeregt und feinfühlig beschreibt Katrin Zipse in der Geschichte, wie Elsa auf dem Hof ankommt und sich lange wie ein Fremdkörper fühlt. Sie versteht die Sprache nicht, die Gepflogenheiten und das Essen sind ihr fremd. Auch die derart harte körperliche Arbeit ist sie in Teilen nicht gewohnt, zumal sie entkräftet ist nach den Kriegsentbehrungen. Ihre Einsamkeit spürt man daher auch als Leser fast körperlich.
Die Unkenntnis der isländischen Sprache wird buchstäblich deutlich, da alle Namen erst mal so geschrieben werden, wie Elsa sie versteht, und erst im Laufe der Geschichte, als sie die Sprache besser kennenlernt, korrekt geschrieben werden.
Als Beispiel: Oulawür heißt eigentlich Ólafur. Das fand ich ein schönes stilistisches Mittel.

Bezeichnend war außerdem Elsas Angst vor Hühnern. Während die isländische Familie denkt, sie ist einfach eine verweichlichte Frau, die Hofarbeit nicht gewohnt ist, kommt ihre Angst eigentlich von woanders, wie wir im Laufe der Geschichte lernen. 

Elsa gewöhnt sich langsam ein und jedes Familienmitglied versucht auf seine Art, ihr bei der Eingewöhnung zu helfen. Das bleibt nicht ohne Spannungen, doch die Geschichte wird dabei nie dramatisch. 

Sehr gemocht habe ich außerdem die kleinen Geschichten, die in der Familie als Legenden weitergegeben werden oder die in dem Buch stehen, das Elsa von einem der Brüder zum Lernen der Sprache erhält.

Ein schönes kleines Büchlein über ein Kapitel der deutsch-isländischen Geschichte, welches mir bislang unbekannt war.

Titel und Cover: Island stelle ich mir rauher und dunkler vor als auf dem Cover, allerdings gibt es eben auch diese sanften Wiesen im Hochland, die zumindest auf den ersten Blick ruhig und gefahrenlos erscheinen. Genau in so einer Gegend liegt das Bauernhaus, in dem Elsa arbeitet. Das passt also sehr gut zur Geschichte. Die Haptik kommt der eines Leineneinbandes nahe, was mir gut gefällt. Der Titel gefällt mir mindestens genau so gut. Moos verbinde ich mit Nässe, mit Weichheit, mit Mystik, mit Dunkelheit. Alles Adjektive, die zur Geschichte passen.

Donnerstag, 8. Januar 2026

[kostenloses Rezensionsexemplar] Himmlischer Frieden - Lai Wen


 Zusammenfassung: Lai wächst in einem trubeligen Arbeiterviertel in Peking auf. Ihr Vater redet nicht, die Mutter interessiert sich nur für das Geschehen auf dem Hausflur, einzig die Großmutter ist wirklich präsent, kompromisslos in ihrer Liebe zu ihren Enkeln.
Bei einem Nachbarschaftsstreich lernt die junge Lai die Härte des Regimes kennen. Sie zieht sich zurück in die Welt der Bücher und erlangt ein Stipendium an der renommierten Peking-Universität. Dort eröffnet sich ihr eine neue Welt, in der die Meinung frei gesagt wird. Während sich der Widerstand gegen das Regime formiert, findet Lai ihre eigene Stimme und Freunde, die an ihrer Seite stehen auf dem Platz des Himmlischen Friedens.

Meine Meinung: Über den Gewinn habe ich mich sehr gefreut, weil ich zugeben muss, dass ich über die chinesische Geschichte nahezu gar nichts weiß. Und auch wenn es sich hier um einen fiktiven Roman handelt, lernt man auch durch solche Geschichten quasi automatisch etwas über das Land. 
Die erste Hälfte des Buches hat mich dahingehend dann erst mal enttäuscht, denn nach dem guten und spannenden Auftakt, in dem der Streich der Kinder eben in einer Tragödie endet, die Lai ihr Leben lang begleiten und prägen wird, geht es erst mal fast ausschließlich um eine Liebesgeschichte. Nur ihre Besuche im Buchladen und die Unterhaltungen mit dem alten Buchhändler haben mich dranbleiben lassen. Aber in der zweiten Hälfte des Buches, als sie an die Uni kommt, Freunde findet und sich politisch engagiert, wird es besser. Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die Beschreibung der Familiendynamik. Hier wird sehr gut klar, wie jedes Familienmitglied auf seine Art mit den Repressalien und dem Traumata der Vergangenheit umgeht.

Das Ende geht dann absolut unter die Haut und ich habe den Plottwist am Ende geliebt. Musste den berühmten "Tank Man" erst nochmal googlen und prüfen, ob das Ende wirklich fiktiv ist. Alles in allem also ein wunderbares Buch, wenn man etwas mehr über die Hintergründe des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens erfahren möchte.

Titel und Cover: Ich mag das Cover sehr gern, gehe natürlich davon aus, dass das Mädchen Lai sein soll und mag die Schlichtheit des Bildes, welches so im Kontrast zu der Geschichte des Buches steht. Und der Titel ist zwar naheliegend aber dennoch gut gewählt. Die Ironie, dass auf einem Platz mit diesem Namen etwas so Grausames passiert ist einfach schrecklich. Und schön ist es, dass Lai ihren Frieden am Ende aber immerhin doch auf eine Art finden kann. 

[kostenloses Rezensionsexemplar] Sie haben Ihr Toupet ins Glücksrad geschmissen - Sybille Bullatschek


 
Zusammenfassung: 
Ein neues Fernsehquiz versetzt das Haus Sonnenuntergang in helle Aufregung. In der „Ü80 Show“ können drei Senioren und eine Pflägekraft 50.000 Euro gewinnen.

Diese Chance lässt sich Sybille Bullatschek natürlich nicht entgehen und bewirbt kurzerhand das Heim für einen Auftritt in der Sendung, natürlich ohne ihren Chef, Herrn Otterle, einzuweihen.

Als die Zusage kommt muss sie nicht nur ihn von der Wichtigkeit der Show überzeugen, sondern auch die euphorischen Senioren im Zaum halten, die ihrem Auftritt in der Show entgegenfiebern und das komplette Heim in den Wahnsinn treiben.

Und als hätte die engagierte Pflägekraft nicht schon an genügend Fronten zu kämpfen, wollen ihr ausgerechnet jetzt auch noch ein paar Kolleginnen den Platz auf dem Quizstuhl streitig machen. Bei so viel Trubel sollte doch wenigstens das Privatleben etwas Entspannung bringen, aber auch hier geht es wieder drunter und drüber. Der attraktive Jean-Luc taucht unverhofft in Sybilles Leben auf und verdreht ihr gewaltig den Kopf. Eigentlich könnte alles so schön sein, wäre da nicht ihre Schusseligkeit, dank der sie den hübschen Franzosen fast ins Jenseits befördert.


Meine Meinung: Ganz ehrlich? Mein erster Gedanke bei dem Buch war "Das ist mittlerweile nichts mehr für mich!". Früher habe ich sehr gerne solche Quatsch-Bücher gelesen. Ildiko von Kürthy, Tommy Jaud usw. Aber in den letzten Jahren hatte ich so gar kein Bedürfnis mehr danach. Doch ich konnte nicht schlafen und dann lese ich manchmal einfach alle offenen Leseproben bei Vorablesen. Und überraschenderweise hatte ich mal wieder richtig Spaß, schon bei der Leseprobe. Ich vermute, es liegt auch daran, dass ich mir wirklich Sorgen ums Altern in einer Gesellschaft mache, in der das Pflegesystem schon jetzt am Rande des Kollaps steht und es dann um so mehr gut tut, eine lustige, leichte Geschichte zu lesen, die in einem Pflegeheim spielt. Die Figuren sind allesamt liebevoll und witzig und natürlich kann man sich vor allem mit der gestressten Sybille identifizieren.
Ich mag es außerdem, wenn Situationen dadurch komischer werden, dass immer mehr schief geht. Wenn man quasi eh schon kichert, weil drei Sachen in die Buchse gehen und dann noch Situation 4 und 5 on Top oben drauf kommen. 
Einen Kritikpunkt muss ich allerdings loswerden: Im Buch wird immer von "Pflägekraft" geschrieben. Ich verstehe den Witz nicht so richtig und es nervt mich beim Lesen jedes Mal, wenn dieses Wort auftaucht, weil ich richtiges Augenzucken bekomme. Absolut unnötig.

Mir hat das Lesen abgesehen davon aber viel Spaß gemacht und ich kann mir gut vorstellen, auch noch andere Bücher der Reihe zu besorgen.

Cover und Titel: Das Cover gefällt mir leider nicht so gut. Es ist mir zu bunt. Dafür find ich die gezeichneten Figuren gut gelungen und der Titel macht es eh wieder wett, weil der mich direkt Schmunzeln lässt und Bilder in meinem Kopf auslöst.

Mittwoch, 7. Januar 2026

[kostenloses Rezensionsexemplar] Komm mit in die Welt von Morgen - Katja Diehl und Emily Claire Völker



Zusammenfassung: Das erste Kindersachbuch von Mobilitätsexpertin Katja Diehl

Die SPIEGEL-Bestsellerautorin („Autokorrektur“ und „Raus aus der AUTOkratie“) macht nicht nur Kindern, sondern auch erwachsenen Leser*innen Lust auf Veränderung und lädt in ihrem ersten Kindersachbuch auf eine spannende Reise in die Welt von morgen ein.gemeinsam mit der fünfjährigen Hauptfigur Hope tauchen die Leser*innen in eine Welt der Zukunft ein, in der es viel Spannendes und Neues zu entdecken gibt
kindgerecht erklärt mit Beispielen aus der Lebensrealität von Kindern aus der Stadt sowie vom Land
farbenfrohe Illustrationen mit starker Message von Emily Claire Völker, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern
zahlreiche Tipps und Anregungen für Eltern und Bezugspersonen
zum Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren

Katja Diehl hat sich voll und ganz dem Mobilitätswandel verschrieben und bringt das Thema nun auch Kindern ab 5 Jahren näher. Kindgerecht erklärt entdecken die Leser*innen zusammen mit der fünfjährigen Hauptfigur Hope die Welt von morgen. Wie hat sich das Zusammenleben der Menschen verändert? Wie sieht der Schulweg in der Zukunft aus? Oder wo spielen Kinder in der Welt von der fünfjährigen Hauptfigur Hope? Mit vielen Beispielen holt Katja Diehl die Kids in ihrer Lebensrealität ab, regt zum Nachdenken und Diskutieren an und macht Lust, sich gemeinsam für eine bessere Zukunft einzusetzen.

Meine Meinung:
Wer mich kennt wird sich nicht wundern, dass mich dieses Buch bei Vorablesen Junior sofort interessiert hat. Dass wir nicht mehr so weiterleben können, wie die letzten Jahrzehnte dürfte jeder mit ein bisschen logischem Verstand einsehen und wenn es zu dem Thema kindgerechte Bücher gibt: Her damit! Und ich wurde nicht enttäuscht. Farbenfroh und liebevoll illustriert wird hier gezeigt, wie die Zukunft in Städten mit besseren Radwegen, ÖPNV und anderen Wohnkonzepten aussehen kann. Außerdem sind die Figuren in dem Buch selbstverständlich divers ohne dass das erklärt werden muss., Lieben wir. Natürlich ist es trotzdem bislang eine absolute Utopie. Es erfordert Mut und Optimismus, all diese Dinge wirklich umzusetzen, vor allem solange es so viele Menschen gibt, die sich schon durch ein Tempolimit in ihrer Freiheit eklatant eingeschränkt fühlen. Aber um Kindern das Thema näher zu bringen finde ich dieses Buch wunderbar.
Ich hab es mit großer Freude gelesen und anschließend an eines meiner Patenkinder weitergegeben.

Cover und Titel: Der Titel gefällt mir vor allem deswegen, weil er dich als Leser quasi an die Hand nimmt. "Komm mit, ich zeig dir was!". Das macht doch neugierig, oder? Und das Cover ist dazu wunderbar passend, weil Hope darauf schon so aussieht, als habe sie genau den Satz grade gesagt und als schaue sie einen auffordernd an. Ein schönes Gesamtpaket.


 


Freitag, 9. Mai 2025

[kostenloses Rezensionsexemplar] Cinema Love - Jiaming Tang

 

Zusammenfassung: Während in einem Kino in der chinesischen Provinz Fuzhou alte Kriegsfilme laufen, finden Old Second und Shun-Er in der Privatsphäre der Vorführräume eine große, aber verbotene Liebe. An der Kinokasse verkauft Bao Mei Tickets an nervöse Männer, hütet ihre Geheimnisse, berät sie in ihrem Liebesleben und findet schließlich ihr eigenes Glück. Doch als Shun-Ers Frau die Homosexualität ihres Ehemanns aufdeckt, trifft sie eine verhängnisvolle Entscheidung, die die Leben aller Beteiligten aus den Angeln hebt. Old Second und Bao Mei werden daraufhin in eine höchst ungewisse Zukunft in Amerika getrieben, wo sie feststellen, dass für viele Einwanderer der amerikanische Traum eben doch nur das ist: ein Traum. Zwischen den Reisfeldern Chinas und den Malls der USA entspinnt Jiaming Tang eine hochemotionale Geschichte um die Männer, die ihre Wahrheit nicht leben können, und die Frauen, die sie geheiratet haben.


Meine Meinung: Puh....ich muss gestehen, dass ich mich ein bisschen durch das Buch gequält habe. Irgendwie hat mir ein bisschen der rote Faden gefehlt bzw. war mir selten klar, worauf der Autor mit dieser Geschichte nun seinen Fokus legen will. Ist es die gesellschaftliche Ablehnung von Homosexualität? Ist es Homosexualität in der asiatischen Kultur? Ist es Auswanderung? Ist es das Leiden von Frauen, die homosexuellen Männern versprochen wurden? Letzteres schien mir am ehesten das vorherrschende Thema zu sein. Dann hab ich mich auch unfassbar schwer damit getan, dass eigentlich immer, wenn es um Sex/Intimität zwischen Männern ging, abwertend auf das Thema Geruch eingegangen wurde. Für mich war das enorm störend. Ja, Körpergerüche können auch mal unangenehm sein, aber mir kam es so rüber, als würde das hier immer der Fall sein, wenn Männer miteinander schlafen und das ist ja wohl mal kompletter Schwachsinn.

Gefallen hat mir hingegen, wie eindringlich die Scham aller Beteiligten deutlich wurde. Shun-Er, der schon als Jugendlicher die Ablehnung seiner Eltern erfährt, als er mit einem anderen Jungen erwischt wird. Yan Hua, die als seine spätere Frau lieber das Arbeiterkino und sämtliche dort verkehrende Männer verrät und somit deren Leben riskiert, statt sich einer Trennung zu stellen. All dies zeigt, wie schwer es Homosexuelle heute noch haben und wie viel schwerer dann eben noch, wenn sie aus einem anderen Kulturkreis kommen, als ich es tue. Das hallt nach und macht traurig. Sicherlich die wichtigste Message des Buches. 
Alles in allem hat mir aber leider eine stringente Handlung gefehlt. Und ich muss leider auch sagen, dass mir keiner der Charaktere wirklich sympathisch war, was mir den Zugang zur Geschichte zusätzlich schwer gemacht hat. Frosch, Old Second, Little May (die Namen sind eventuell noch ein Punkt, der mich manchmal genervt hat, denn zwischen all diesen Namen heißt eine Figur dann auf einmal "Kevin". Hä? :D)...sie alle können einem zwar irgendwie leid tun, weil sie alle sehr einsam sind. Aber da sie auch alle ziemlich oft gemein sind, versteht man ihre Einsamkeit auch und so beißt sich die Katze in den Schwanz.

Titel und Cover: Der Titel ist selbsterklärend und ich mag die Doppeldeutigkeit. Schon aus dem Klappentext geht hervor, wieso der Roman so heißt. Wenn man aber nur den Titel liest, könnte man ja leicht denken, es ginge hier um eine romantische Komödie, eben "wie im Film". Das Cover ist dementsprechend passend zum Titel. Mir gefällt es sehr gut!


Sonntag, 27. April 2025

[kostenloses Rezensionsexemplar] Game of Noctis


Zusammenfassung: 
Ein magisches Abenteuer steht Pia bevor. Zusammen mit dem Team der Seefüchse macht sie bei Noctis mit, dem wichtigsten und zugleich gefährlichsten Spiel in ganz Dantessa. Dort müssen Pia und ihre Freunde gegen andere Teams antreten, ohne vorher zu wissen, welche Aufgaben auf sie warten. Werden sie unter Wasser oder über den Dächern der Stadt kämpfen, mit Degen oder vielleicht mit Marshmallows? Auf alles müssen sie sich vorbereiten und entdecken dabei ganz unerwartete Verbündete und auch, wer eigentlich hinter den Spielen von Dantessa steckt – eine wilde Jagd durch die Stadt und ein Kampf Gut gegen Böse beginnt.

Meine Meinung: Als ich gelesen habe, dass das Buch ab 10 Jahren geeignet ist, hätte ich nicht gedacht, dass mich die Leseprobe so fesseln würde, wie sie es getan hat und habe eher beim Gewinnspiel mitgemacht, um das Buch für eines meiner Patenkinder zu gewinnen. Aber dann war ich doch selbst direkt gefangen in der Geschichte. Die Idee einer Insel, auf der man seinen Lebensunterhalt- ja sogar seine Daseinsberechtigung - nur durch gutes Spielen verdienen kann, hat mich neugierig gemacht und Pia und ihr Großvater sind mir direkt ans Herz gewachsen, weshalb ich unbedingt weiterlesen wollte. Und spätestens als ich das restliche Team der Seefüchse kennenlernen konnte, war es um mich geschehen und ich hab mich gefühlt wie vom Buch verschluckt. Die unterschiedlichen Spiele, die Schauplätze auf der Insel, die oft etwas gruselig sind, die liebevollen Figuren (vor allem die Todesfee und Serafina fand ich dermaßen spannend!), die mal gruselig, mal lustig sind, all das macht das Buch zu einer wunderbaren Leseerfahrung, die ich auch älteren Lesern sehr ans Herz legen kann. Habe mich auch manchmal gefühlt als wäre ich wieder bei dem Computerspiel Monkey Island ;)

Titel und Cover: Die Illustration passt gut zur Geschichte da die unterschiedlichen Figuren im Noctis Spiel zusammen mit der Stadt Dantessa abgebildet sind. Als Titel hätte ich eventuell nur "Noctis" gewählt, da es mich immer irritiert, wenn der Titel auf Englisch, das Buch aber auf Deutsch geschrieben ist. 

[kostenloses Rezensionsexemplar] Es kann so schön sein, das Leben - Alexander Oetker


Klappentext:
In unserem schnelllebigen Alltag nehmen Stress und schlechte Laune allzu oft eine große Rolle ein. Wir nehmen uns keine Zeit, um zu genießen, machen Überstunden und ärgern uns über Kinderlärm. Wie gerne würden wir dagegen so leben wie die Menschen im Süden: innerlich gelassen, naturverbunden und der Lebensfreude zugeneigt bis ins hohe Alter.

Alexander Oetker, als Korrespondent stets auf Reisen und als Restaurantkritiker Genießer von Beruf, erzählt uns auf wunderbar leichte Weise von den Menschen in den südlichen Ländern und von den Geheimnissen des Dolce-Vita-Prinzips. Diese bestehen nicht nur aus Olivenöl und Siesta, sondern machen eine ganze Philosophie aus, die immer wieder aufs Neue beweist: Es kann so schön sein, das Leben.
Das Wohlfühlbuch des Jahres - für ein ruhigeres und stressfreies Leben



Meine Meinung: Das Lesen dieses Buches hat unfassbar viel Spaß gemacht! Und lustigerweise habe ich schnell festgestellt, dass ich in vielen Dingen durchaus schon das Mindset für das Dolce Vita mitbringe. Im Buch gibt es unterschiedliche Kapitel, die sich jeweils mit einem Themenbereich befassen und erklären, wieso die Menschen im Süden das bessere Lebensrezept für die jeweiligen Situationen haben. Oft sind die Erklärungen auch mit Beispielen aus der eigenen Erfahrung gespickt.
Ich gehe nicht mit allem konform, was in dem Buch steht (Beispiel Kindererziehung: Ich finde nicht, dass Kinder in Deutschland mit zu wenig Regeln erzogen werden. Aber ich will in das Thema jetzt nicht tiefer einsteigen, da ich selbst ja nicht mal Kinder habe ;). Ein anderes Beispiel, wo ich mich nicht der Meinung des Autors anschließen würde, ist der Bereich Glauben. Da wird im Buch gesagt, dass sich besonders gläubige Menschen für die Gemeinschaft engagieren und einen Sinn im Leben sehen. Ich bin selbst nicht gläubig im kirchlichen Sinne und würde eher sagen, dass jeder Mensch seine Leidenschaften und Interessen finden sollte und es sehr viele Menschen gibt, die sich außerhalb einer Glaubensgemeinschaft engagieren). 
Aaaaber bei den restlichen Kapiteln hab ich mich oft beim Nicken ertappt. Beispielsweise beim Thema Sport/Bewegung. Da erläutert Oetker, dass es sogenannte "Blue Zones" gibt, in denen Menschen besonders alt werden. Und in den Studien, die prüfen, weshalb das so ist, kam unter anderem heraus, dass überall in den Zones Menschen leben, die sich im Alltag viel bewegen. Und zwar in der Regel durch simples Laufen, weil sie es müssen. Weil es kein oder keinen guten ÖPNV gibt, weil sie sich diesen nicht leisten können o.ä. und weil sie dennoch ihre Einkäufe erledigen, Freunde besuchen, das Vieh auf die Weide treiben müssen etc. Ich fand den Gedanken sehr motivieren, vor allem da ich mich zu jeglichem Sport (abgesehen vom Schwimmen) immer aufraffen muss aber sehr gerne Wandern gehe. Ich möchte also wieder viel mehr einfach Spazieren gehen!.
Ein anderes Beispiel war der Umgang mit dem Bezahlen von Rechnungen im Restaurant, dem Warten an der Supermarktkasse, der Haltung zur Politik etc. Kurzum: Ich denke, hier sind für jeden nützliche Tipps dabei und das Gute ist, dass das Urlaubsfeeling quasi mitgeliefert wird. 

Die Kapitel sind durch die Anekdoten sehr kurzweilig und praxisnah. Am Ende gibt es immer eine Zusammenfassung und am Ende des Buches sind nochmal Ratschläge bzw. kleine Lebensweisheiten aufgelistet. 

Ein tolles Buch/Geschenk für alle, die etwas mehr Leichtigkeit im Leben vertragen können.

Titel und Cover: Ich mag die Schlichtheit und dass die Zitrone als Objekt gewählt wurde, ist sie doch quasi eines der Hauptsymbole für den warmen Süden. Außerdem sind die Farben passend zu den Farben, an die ich auch denke, wenn ich mich in den Süden Träume. Blau für den Himmel, gelb für die Sonne und grün für die üppige Botanik an Land. Den Titel finde ich etwas sperrig, andererseits passt er natürlich gut und ist definitiv besser als "La Dolce Vita" oder etwas in der Art, was mir definitiv zu langweilig gewesen wäre.

Dienstag, 1. April 2025

[kostenloses Rezensionsexemplar] Jane Austen - von einem Mädchen, das das Schreiben liebte / Deborah Hopkinson und Qin Leng

Zusammenfassung: Deborah Hopkinson vermittelt die Geschichte Jane Austens so lebendig und mit-reißend, dass sie junge Leser:innen dazu inspiriert, ihre eigene Lust am Erzählen, Lesen und vielleicht sogar Schreiben zu entdecken. Kindgerecht nähert sie sich auch dem charakteristischen Witz und den klugen Gesellschaftsbeobachtungen Austens. Perfekt ergänzt durch die lebhaften Tusche- und Aquarellzeichnungen der Illustratorin Qin Leng wird das Buch zu einer leicht zugänglichen Hommage an die Autorin. Im Anhang sorgen eine Zeitleiste mit biografischen Daten sowie Kurzzusammenfassungen von und Zitate aus Austens beliebten Romanen – von „Emma“ bis „Stolz und Vorurteil“ – für den perfekten Überblick.
Meine Meinung: Ich war schon vom Cover hin und weg und da ich "Stolz und Vorurteil" damals sehr gerne gelesen habe und mir vor allem der spitze Humor von Jane Austen für die damalige Zeit eher unkonventionell erschien, hab ich mir sehr über ein illustriertes Buch zu ihr gefreut.


Ein liebes Kärtchen vom Verlag Seemann Henschel lag bei, was mich immer irgendwie zusätzlich freut.
Das Buch an sich ist natürlich eindeutig für kleinere Kinder gemacht. Es gibt nicht viel Text, dafür viele, wunderschön von Qin Leng illustrierte Bilder:


Ganz am Ende gibt es dann noch eine ausführliche zeitliche Zusammenfassung von Jane Austens Leben sowie eine Übersicht mit Zitaten und Beschreibungen ihrer Bücher. Mir hat das Lesen sehr viel Spaß gemacht und das Buch wird nun an die Kleine einer Freundin vererbt.

Eine große Empfehlung für alle Jane Austen Fans und für kleine Buchliebhaber generell!

Titel und Cover: Wie schon erwähnt hat mir schon das Cover sehr gut gefallen, weil die ich Art der Zeichnung sehr ansprechend finde. Das Einzige, was mich leicht stört, ist der große "Jane Austen" Schriftzug, der mit glitzerndem Rosa sehr hervorsticht. Das hätte für mich ohne den Effekt oder in der Farbe Grün irgendwie ein stimmigeres Bild ergeben. Der Titel gefällt mir gut, er zeigt, auf welchen Aspekt von Jane Austens Persönlichkeit die Autorin das Augenmerk legt. 

 

Montag, 17. März 2025

[kostenloses Rezensionsexemplar] Ich erkenne eure Autorität nicht länger an - Glenn Bech

 

Zusammenfassung: Wie kann es sein, dass Kunstschaffende sich in ihrer zur Schau gestellten Queerness sonnen, während sich Schwule andernorts nachts kaum aus dem Haus trauen dürfen – und keinen juckt’s? Wie kann es sein, dass Reiche immer reicher werden, die gebildete Großstadtelite sich in ihrem Elfenbeinturm einkastelt, während andere froh sein müssen, sich überhaupt nur die weiterführende Schule leisten zu können? Und wie vor allem kann es sein, dass die aufgeklärten Menschen in unseren westlichen Gesellschaften das alles gar nicht bemerken oder mit einer paternalisierenden Sonderbehandlung gar noch fördern?

Glenn Bech, Jahrgang 1991, praktizierender Psychologe, Provinzschwuler, Mobbingopfer, aus einer Familie, von der sich die braven Bürgerinnen und Bürger im Flugzeug schaudernd abwenden, wie er selbst sagt, legt den Finger in die Wunde unserer westlichen, heterosexuellen, erfolgsverwöhnten Überheblichkeit – und zwar so, dass es schmerzt. In seiner direkten, poetischen Prosa arbeitet er sich ab an Identität und Identitäten, an der Klassengesellschaft, sozialer Gewalt, an der systematischen Diffamierung und Diskriminierung von Homosexuellen, heute, mitten in Westeuropa. Auf der anderen Seite der selbstgerechte Wohlstandsbürger, der keine Ahnung hat, wie privilegiert er eigentlich ist und entsprechend blind ist für die andere Seite. Die Essenz: »wenn etwas leicht ist für dich / ist das schön für dich«.
Sehr subjektiv, schonungslos offen, selbstentblößend, voller Wut, down to earth, bitter, provozierend, berührend – und immer auf den Punkt

Glenn Bech, in Dänemark ein regelrechter Star, hat die Sprache und den Nerv derer getroffen, die sich vergessen und verraten fühlen von Politik und Gesellschaft, der Abgehängten, Ausgegrenzten – und damit auch Leser:innen erreicht, die mit Ich erkenne eure Autorität nicht länger an zum ersten Mal überhaupt freiwillig ein Buch in der Hand halten.

Meine Meinung: Ich muss mich leider als kleine Banausin outen und gestehen, dass ich zu Beginn des Lesens arge Probleme mit dem Schreibstil hatte. Satzzeichen fehlen fast gänzlich und der Text ist, obwohl kein Gedicht, wie in Versform aufgebaut. Es ist, als würde Bechs Gedanken auf die Seiten tröpfeln, als habe er seine Gefühle einfach runtergeschrieben und keine Zeit gehabt für so banale Dinge wie Formatierungen. Zu Begin kam es mir manchmal arg wirr vor, doch nach einigen Seiten hat es besser funktioniert und auch wenn ich nicht direkt von Lesefluss sprechen will, haben mich seine Worte zumindest genug getroffen, um darüber gut hinwegsehen zu können. Er nennt Probleme beim Namen: Homophobie, Klassismus, Mobbing, Armut und wie sehr die Erfahrungen damit einen Menschen prägen und wütend machen können. Sprachliche Schönheit sucht man hier vergebens, der Leser soll nicht geschont werden. Grade das hat ich gepackt und hat mir teilweise auch geholfen, die Politikverdrossenheit vieler Menschen besser zu verstehen.

Ein Buch, das nachhallt und welches den Untertitel "Manifest" wirklich verdient hat.

Titel und Cover: Den Titel finde ich sehr passend zum Buch. Keine Umschreibung, ein ehrlicher Satz direkt ins Gesicht all derer, die Bech für die Missstände in Dänemark verantwortlich macht. Das Coverfoto erscheint mir allerdings fast zu schön für den Text, wenn ich versteht was ich meine. Das Haus ist fröhlich rot gestrichen, die weiße Holztür wirkt sauber und einladend. Ich kann weder einen Bezug zur unteren noch zur oberen Schicht herstellen, bin aber mit den Wohngegenden in Dänemark auch natürlich nicht sehr vertraut. Alles in allem ist es mir jedoch definitiv zu unscheinbar für den Inhalt.

Mittwoch, 15. März 2023

[kostenloses Rezensionsexemplar] Rosa kocht vegan - Rosa Roderigo

 Zusammenfassung: Ich koch‘ mir die Welt so bunt, wie’s uns gefällt: Instagram-Star Rosa Roderigo zeigt auf ihrem Kanal „Rosa kocht grün“ tierfreies Kochen mit Spaß – unkompliziert und leicht und garantiert schmackofatz. Rosa präsentiert ihre neuesten Lieblingsrezepte, von Lasagnesuppe bis Köttbullar, von Grillfackeln bis Riesen-Cookies – modernes Comfort Food für jede Gelegenheit, alltagstauglich, auch für den kleinen Geldbeutel und so bunt gemischt wie das Leben heute. Und weil Herd-Held*innen wie Rosa immer eine Lösung zur Hand haben, verrät sie auch ihre besten Koch- und Foodhacks. Von wegen nur Salat und Gemüse! Rosa kocht nicht nur vegan, sondern leibspeisenlecker, einfach, bunt – und mit ganz viel Liebe!

Meine Meinung: Dieses wunderbare Kochbuch habe ich Ende letzten Jahres gewonnen und mich sooo dolle gefreut. Ich bin nach wie vor weit vom vegan sein entfernt, weil es mir oft noch schwer fällt, aber ich teste gerne aus und kann stolz sagen, dass ich schon für ganz viele Dinge Ersatz gefunden habe oder auch einfach Fleisch weglasse und merke, wie gut es trotzdem schmecken kann :) Und da kommt so ein Kochbuch natürlich grade recht um sich neue Inspiration zu holen. ich habe auch hier so lange gebraucht, weil man natürlich erst mal ein wenig testen will, aber nun bin ich bereit für eine Rezension. 

Das Buch kommt mit dicken Seiten und der guten Haptik sehr hochwertig daher. Die Bilder sind ansprechend und ich mag die kleinen Tipps und Anekdoten die nebenher eingebaut sind. 
Was mich schon beim ersten Lesen gestört hat, waren die teilweise zwanghaft herbeigeführten Alliterationen in den Rezeptnamen:







Das ist jetzt nicht schlimm, aber grade weil es nicht mal bei allen Rezepten so gemacht wurde, verstehe ich es eben erst recht nicht. Kann mir nun höchstens noch vorstellen, dass die Gerichte wirklich privat so genannt werden von der Autorin. Wer weiß ;)

Aber hey, solange das das einzige Problem ist! Denn die bislang von mir probierten Rezepte fand ich alle toll! Meine Favoriten sind die Apfelküchlein (die abgefahrenen ;)) und die Paprika-Pasta.
Generell hab ich eine richtige Obsession entwickelt, Gemüse mit Kräutern und Honig im Ofen zu rösten und anschließend zu pürieren und mit Nudeln zu essen. Egal was man reinpackt, es schmeckt einfach immer köstlich!

Dieses Buch ist also für alle, die gerne kochen, eine echte Bereicherung!

Titel und Cover: Ich hätte als Titel ja "Rosa kocht grün" genommen, aber vielleicht wollte man das nicht weil ihr Onlinename schon so ist. Das Cover mag ich sehr, rosa als Hintergrund ist ja sehr treffend gewählt und das Foto sieht sympathisch aus. Ich hätte es im Laden angeschaut!

Dienstag, 14. März 2023

[kostenloses Rezensionsexemplar] Catching up with the Carters - Fam Scharper


 Zusammenfassung: Athena führt das Leben, von dem viele träumen: Glitzer und Luxus pur. Zusammen mit ihrer Familie dreht sie die angesagte Reality-TV-Show »Catching up with the Carters«. Doch der glamouröse Schein trügt. Hinter den Kulissen gibt es heftige Spannungen, und ihre Mutter lenkt den Carter-Clan mit eiserner Hand. Athena weiß, dass sie etwas unternehmen und die Show verändern muss, denn sonst wird der Ruhm der Untergang ihrer Familie sein. Der neue Produktionsassistent Sam steht ihrem Vorhaben allerdings im Weg und scheint eigene Interessen zu verfolgen. Athena ist entschlossen, sich nicht aufhalten zu lassen – egal, wie sehr Sam ihre Gefühle durcheinanderwirbelt und sie sich wünscht, sich in seinen starken Armen zu verlieren …

Das mitreißende Finale der »Catching up with the Carters«-Reihe

Meine Meinung: Ich gestehe, hätte ich das Buch nicht bei Vorablesen, sondern in einer Buchhandlung gesehen, ich hätte es nicht in die Hand genommen. Es sieht aus wie jedes x-beliebige New Romance Buch aktuell. Hätte ich dann bei Vorablesen genauer hingeguckt und gemerkt, dass es sich um den dritten Teil einer Reihe handelt, hätte ich es auch dort nicht probe gelesen :D Aber ich hab es nun mal übersehen und tatsächlich ist es nicht schlimm, wenn man die ersten beiden Bände nicht kennt. Glück gehabt. Habe nur lange gebraucht zum Lesen, weil ich nicht immer Lust auf diese Art von Story habe. Aber im grauen Februar hat es mich dann doch gepackt und ich habe mich über etwas leichtere Kost gefreut. Tatsächlich fand ich die Storyidee deshalb so gut, weil sie sehr zum aktuellen Zeitgeist passt. Wir alle kennen die Wollnys oder die Geißens und vermutlich hat sich auch jeder schon mal die Instaprofile von Müttern angeschaut, die sich und ihren Alltag mit den Kids zeigen. Ich kann nicht mal sagen, dass ich dem ein oder anderen nicht auch gerne folge. Die Frage, was die Kids später davon halten, bleibt halt dennoch. 

Athena steht auf jeden Fall, genau wie ihre beiden älteren Geschwister auch bevor sie der Familie und der Show den Rücken gekehrt haben, unter der Fittiche ihrer Mutter. Deren einziger Gedanke gilt dem Profit und den Zuschauerzahlen. Als sie grade beschlossen hat, es ihren Geschwistern gleich zu tun, entdeckt sie ihre Nichte Poppy, die völlig verloren wirkt, weil sie ein nicht für ihre Ohren bestimmtes Gespräch belauscht. Da bringt Athena es nicht übers Herz, ihren Plan in die Tat umzusetzen.
Kurz darauf trifft sie auf den neuen Produktionsassistenten Sam und legt sich auch noch mit ihm an. So kann es nicht weitergehen und sie beschließt, in der Show und der Familie eine Veränderung herbeizuführen. Doch dabei stößt sie auf nie geahnte Hindernisse.

Ich mochte Athena sehr, ihre Figur war überraschend tiefgründig und ich konnte die Geschichte einfach so weglesen. Und auch Sam war mir sympathisch und ich mochte das Zusammenspiel der Beiden. Dafür hätte ich ihre Mutter oft genug an die Wand klatschen können! So ein Biest.
Die anderen beiden Bände werde ich mir ebenfalls zulegen. Für Fans von Lovestories auf jeden Fall eine große Empfehlung.

Titel und Cover: Wie schon gesagt gefällt mir das Cover so gar nicht. Den Titel find ich nicht schlecht, es wäre tatsächlich ein passender Name für eine Show. Von daher 50/50 :)

Montag, 19. Dezember 2022

[kostenloses Rezensionsexemplar] Ein Alman feiert selten allein - Aylin Atmaca

 

Zusammenfassung: Nie waren Klischees wahrer: Wie viel Alman steckt in dir?

Zu Weihnachten gehören ein geschmückter Baum, leckeres Essen, Geschenke und die Familie – das ist selbst Elif, die als Kind türkischer Gastarbeitereltern in Deutschland großgeworden ist, klar. Doch wie genau die Deutschen es mit ihren Weihnachtstraditionen und Bräuchen nehmen, wird deutlich, als Elif das erste Weihnachtsfest bei den Eltern ihres Freundes Jonas verbringt. Vom Planungswahnsinn in der Familien-WhatsApp-Gruppe über Diskussionen um nachhaltige Nordmanntannen, bis hin zum Bügeln des Geschenkpapieres aus dem letzten Jahr, bleibt ihr nichts erspart. Und schnell stellt sich die Frage, ob das wirklich noch besinnliches Beisammensein ist, oder schon der nächste Erbschaftsstreit naht.

Meine Meinung: Dieses Buch habe ich schon Anfang Oktober gelesen, also noch nicht zur typischen Weihnachtszeit. Dennoch hat es für mich einfach grad gepasst und da es ja auch eher um eine augenzwinkernde Betrachtung einer deutschen Familie an Weihnachten ging, lag der Humor im Fokus, nicht die Weihnachtsstimmung. 
Ich mochte das Buch sehr. Elif war sehr süß aufgeregt und auch richtig vorfreudig auf ihr erstes deutsches Weihnachtsfest, denn auch wenn ihre Eltern auch immer Weihnachten für die Kids ausgerichtet haben, hatte es doch wenig mit den deutschen Traditionen gemein. Die Vorfreude weicht allerdings schnell echter Panik, als Elif zur Familien-Whatsapp-Gruppe hinzugefügt wird und seitdem mit Memes, Sprüchen (gerne auch rassistisch) und Aufgaben inklusive minutengenauem Zeitplan überschüttet wird.
Doch es hilft alles nichts, Elif muss und will da jetzt durch, vor allem will sie ihrem Freund beweisen, dass sie in seine Familie passt.
Dass das alles mit jeder Menge Pleiten, Pech und Pannen verbunden ist, dürfte jetzt niemanden mehr überraschen.

Ich fand es sehr interessant, ein deutsches Weihnachtsfest mal durch die Brille von jemandem aus einem anderen Kulturkreis zu betrachten und musste oft schmunzeln und habe mich oft ertappt gefühlt. Auch wenn unser Weihnachtsfest nicht so durchgetaktet ist wie bei dieser Geschichte hier. Einerseits ist das Büchlein eine schöne Geschichte, die zeigt, wie man voneinander lernen und aufeinander zugehen kann. Es macht aber andererseits auch deutlich, wie viel Rassist immer noch in jedem von uns steckt und dass man sich immer wieder bewusst machen sollte, was unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund täglich mitmachen und einstecken müssen. Unter diesem Gesichtspunkt erstickt fast jedes "Die sind aber auch manchmal ganz schön pingelig!" im Keim.

Alles in allem also unterhaltsam und lehrreich. Daumen hoch!

Titel und Cover: Ich mag die akkurate Anordnung der Geschenke und verstehe es als weiteren Seitenhieb auf die peniblen Deutschen, die alles immer planen :) Den Titel finde ich jetzt nicht ganz sooo super, zumindest ist es nichts, was explizit zum Buch passt. Ich würde sagen, andere Kulturen feiern noch viel weniger allein, wisst ihr was ich meine? Aber gut, es ist natürlich auch so ein geflügeltes Wort, von daher will ich mich nicht beschweren.

Montag, 29. August 2022

[kostenloses Rezensionsexemplar] Dieser Beitrag wurde entfernt - Hannah Bervoets

Zusammenfassung: 
Mindestens 500 Beiträge pro Tag, maximal 7 Minuten Pause, beim Gang aufs Klo läuft die Stoppuhr – die Arbeitsbedingungen bei HEXA sind hart. Aber Kayleigh gefällt der neue Job, das Gehalt ist gut, und die schrecklich verstörenden Bilder, die sie für die Plattform prüfen muss, behandelt sie mit professioneller Distanz. Als sie sich in ihre Kollegin Sigrid verliebt, scheint ihr Glück vollkommen. Bis ihre Kollegen plötzlich zusammenbrechen oder Verschwörungstheorien anhängen, und Sigrid sich immer mehr distanziert. Ist Kayleigh dem Job als Einzige gewachsen? Oder merkt sie nur nicht, wie auch ihr moralischer Kompass sich auf gefährliche Weise zu verschieben beginnt?"Dieser Beitrag wurde entfernt" ist ein faszinierender, aufwühlender Roman darüber, wer oder was bestimmt, wie wir die Welt sehen, in der wir heute leben.


Meine Meinung: Der Titel macht recht klar, worum es in dem Buch geht und der Klappentext erklärt den Rest. Da wir heutzutage ja fast alle mit der Social Media Welt irgendwie in Berührung kommen und viele von uns - ich auch - sich jeden Tag dort aufhalten und konsumieren, fand ich das Buch direkt interessant. Ich würde generell sagen, dass ich ein gespaltenes Verhältnis zu Instagram und Co. habe. Ich nutze es sehr gerne, informiere mich viel mit Hilfe diese Plattformen, find es toll, wie schnell man sich darüber vernetzen kann und liebe es auch, etwas zu posten oder mich einfach unterhalten zu lassen. Ich weiß aber auch, wie schnell es abhängig machen kann, wie leicht es missbraucht wird von Menschen, die es nicht so gut mit anderen meinen und wie schnell sich dort Hass unter dem Deckmantel der Anonymität verbreitet. Ich bin wirklich kein Freund von Gewalt, aber es wäre mir doch lieber, wenn die Menschen sich mal ne Ohrfeige in der Dorfkneipe geben würden, statt stundenlang fremde Menschen im Internet zu beleidigen. Soviel zu meiner Einstellung vor der Lektüre des Buches.

Gelesen hatte ich es dann schnell, zum Einen weil es mit 113 Seiten eh ziemlich überschaubar ist und zum anderen, weil ich es auch quasi so interessant fand, dass ich es in einem Rutsch durchgelesen habe. In dem Buch geht es wirklich ausschließlich um Kayleigh und ihre Arbeitskollegen. Ihre Familie oder ihr sonstiges Leben findet nur ganz am Rande Erwähnung. Der Fokus soll hier ganz klar auf dem Thema Social Media und unseren Umgang damit liegen. 

Ich habe mir bislang nur sehr begrenzt Gedanken darum gemacht, welche Filter Firmen wie Instagram, Facebook, TikTok und Co. ansetzen und vor allem, wer sie ausführt. Sicherlich wird es Automatismen geben, die bestimmte Inhalte blocken. Aber letztendlich werden auch dort Menschen vorm PC sitzen, die sich viele Einzelfälle angucken müssen. Dazu reicht ein Blick unter Beiträge auf Web.de.....dort scheinen sich fast nur Trolle zu tummeln. 

Jedenfalls geht es in der Geschichte genau darum. Nach welchen Richtlinien löschen wir Online-Beiträge? Wer entscheidet das? Und wie schnell stumpfen wir ab? Die Rahmenhandlung des Buches ist, dass Kayleigh ihre Erlebnisse bei HEXA einem Anwalt schildert, der gegen das Unternehmen vorgehen will. Denn sie scheint die harten Arbeitsbedingungen (immer mehr Tickets abarbeiten in immer weniger Zeit, schlimme Bilder, verletzende Bilder...) besser wegzustecken, als andere. Sie kann besser Distanz wahren. Sie verliebt sich sogar in eine Arbeitskollegin, Sigrid. Doch gegen Ende des Buches wird die Gefahr der Arbeit und des ständigen Konsums immer deutlicher. Einige ihrer Arbeitskollegen öffnen sich immer mehr verschiedenen Verschwörungstheorien und als auch Sigrid beginnt, an Thesen wie die flache Erde zu glauben, gerät auch Kayleighs Welt immer mehr aus den Fugen.

Lediglich das Ende habe ich - glaube ich - nicht ganz verstanden. Sollte noch jemand das Buch gelesen haben: Ich bin zum Austausch bereit ;)

Aber das Buch hat mich definitiv dazu gebracht, noch intensiver über die Themen nachzudenken, die mich eh öfter beschäftigen. Wie viel Schaden richtet anonymer Hass im Internet an, wem folge ich, was teile ich? Wie finde ich heraus, ob wahr ist, was geschrieben wird? Spannend! Ich möchte auch die Autorin aus ihrem Schlusswort zitieren:

"Dieser Roman ist ein Werk der Fiktion, die Figuren und ihre Erlebnisse sind frei erfunden. Übereinstimmungen mit der Wirklichkeit sind jedoch alles andere als zufällig"

Titel und Cover: Den Titel finde ich super, denn wer hat diese Meldung nicht selbst schon mal bei einer Instagram Story wegen nicht vorhandenen Musikrechten oder was weiß ich gesehen (das Wort "Brustwarzen" schreibe ich besser nicht :D). Das Cover ist hübsch und ich hab es für mich als Himmel interpretiert, so weit wie eben auch das Internet. Es kann schön sein, es können aber auch schnell bedrohliche Wolken aufziehen (wir hatten letzte Woche auf der Arbeit das Thema Shitstorm oder Candystorm, auch sehr passend ;)). Gut gelungen!

Donnerstag, 25. August 2022

Bochum Total 2022

 Wie versprochen melde ich mich jetzt zumindest mal wieder ein kleines bisschen öfter. Und auch wenn ich quasi nur noch Zeit für Buchposts habe seit einigen Jahren, möchte ich das ein oder andere Ereignis doch nicht unerwähnt lassen. 

Die letzten zwei Jahre gab es nämlich leider nicht viele Ereignisse, wie ja sicher alle wissen. Und selbst wenn es welche gab, haben wir sie uns oft verkniffen, aus Rücksicht, aus Selbstschutz (und ich musste mir dazu wahrlich oft genug ein nachträgliches "Aber es hat sich letztendlich niemand auf der Party angesteckt" oder auch ein "Aber man kann ja nicht ewig Zuhause bleiben" anhören) usw. Das stimmt auch, aber dennoch wollten wir warten, bis wir zumindest geimpft sind. Und nachdem ich mir im Juni dann doch noch Corona eingefangen habe (übrigens nach der ersten Woche in diesem Jahr, in der ich mal wieder so richtig Schlag auf Schlag unterwegs war mit Dienstreise, Betriebsausflug und Rockhard-Festival), dachten wir uns: Bochum Total - Wir kommen!!!


Los ging es für mich am Freitag. Aylin und ich kennen uns schließlich quasi durch den Negative Auftritt bei BoTo 2005, daher war klar, dass wir zusammen hingehen möchten. Ich war vorher noch bei meinen Eltern im Garten ein Würstchen grillen und hatte Aylin gesagt, dass ich mich melde, wenn ich da bin und dann einfach dorthin komme, wo sie ist.
Als sie dann schrieb, dass sie vor der Eins-Live Bühne steht, hab ich mich noch kurz gefragt, wer da wohl um 19:30 Uhr spielt. Die Woche war wieder sehr voll und ich hatte noch gar keinen Kopf dafür gefunden, mir das Programm anzuschauen und es ging ja auch eher ums "Da-sein" und um Freundinnen-Zeit.
Joa, als ich Aylin dann gefunden hatte legte die Band auch direkt los und zu meiner großen Freude waren es ZSK, die da auf die Bühne stürmten.
Kult-Punk-Band und Kult-Bochum Total-Band (hab sie zuletzt 2006 dort gesehen, allerdings noch "hinten in der Ecke" auf der Heinz-Bühne). Ich liebs und hab mich so dolle gefreut.

So sehr, dass ich mich gar nicht auf Aylins Arbeitskollegen konzentrieren konnte. Denise (hoffe, der Name stimmt :D) meinte irgendwann zu mir "Du bist auch eher ne Ruhige, oder?" ;)
Jaaa grundsätzlich schon, in diesem Fall wollte ich aber auch einfach nur den Auftritt genießen, denn abgesehen vom Rockhard im Mai 2022 gab es dazu eben keinerlei Gelegenheit für mich die letzten Jahre.

"Alle meine Freunde hassen die AFD" war definitiv ein Highlight des Auftritts für mich und ich liebäugle seitdem mit dem entsprechenden Shirt. Oder doch besser ne Tasse für's Büro? Muss ich mir noch überlegen.

Nach ZSK sind wir ein bisschen rumgelaufen, die Mädels haben Pommes gegessen und wie es sich für einen richtigen BoTo-Abend gehört, kamen irgendwie immer mehr Leute dazu. Die Schwägerin von der einen und der Bruder von der anderen und überhaupt :D Liebs! BoTo und meine Lin <3

Jupiter Jones haben wir von weitem gehört und ich habe "Der wichtigste Finger dieser Hand" dolle gefeiert. Gegen 22 Uhr war es dann aber nicht nur mit dem Programm sondern auch mit mir vorbei. Granny Kati war müde und wollte ins Bett ;)

Samstag war aber auch nochmal BoTo angesagt. Tommy, Julz und ich wollten uns auf keinen Fall die kurzfristig angekündigten Jungs von Any Given Day entgehen lassen. Haben vorher noch ein Bierchen/ein Colachen auf dem Balkon getrunken und dann hat Julz uns in ihrem neuen Gefährt in die Stadt kutschiert. Haben was gefuttert und sind dann zur Ringbühne gelaufen. Dort spielten grade die Blood Sucking Zombies from Outer Space :D Der Name. Aber schlecht war der Auftritt echt nicht. Ich merke halt immer mehr, dass ich es lieber mag, wenn die Band/Sänger*in ohne viel Schnick Schnack auf der Bühne stehen aber hey...manchmal braucht man ein wenig Selbstinszenierung.




Joa und dann kam der Abriss in Form von Any Given Day. Live einfach eine Wucht und ultra sympatisch. Ebenso das Publikum.



Als sich vorne im Moshpit jemand verletzt hat, haben alle das Timeout-Zeichen gezeigt und der Frontman hat alle kurz um Ruhe gebeten, damit der/die Verletzte sicher weggebracht werden kann. An sich sollte das selbstverständlich sein, aber grade bei Umsonst und Draußen Festivals ist es das nicht immer, zumindest nach meiner Erfahrung.

Fazit: Ich hab BoTo so vermisst. Ich kenne viele Leute die sagen, sie würden nicht mehr hingehen, weil keine großen Bands mehr spielen. Aber ich entdecke zum Einen ja gerne Neues und zum anderen denke ich mir jedes Mal wieder: Das hier gibts alles für Lau. Jede Band dort spielt für uns umsonst. Wie kann man das nicht feiern?

Und auch von der Fülle war es angenehm. Es war sehr gut besucht, aber man konnte sich abseits der Bühnen gut bewegen und wir sind nicht so stecken geblieben wie damals bei Casper vor der 1Live Bühne :D Das ist schon viel wert. 

Freue mich aufs nächste Jahr!!!


 


Mittwoch, 22. Juni 2022

[kostenloses Rezensionsexemplar] Strahlemann - Fritz Schäfer

 

Zusammenfassung: Der 1Live-Moderator Fritz Schaefer erzählt in seinem ersten Buch meisterhaft von den schönen, schrägen und schrecklichen Erlebnissen in seiner Kindheit und Jugend.

Als kleiner Junge verbringt er viel Zeit mit seinen kauzigen, einander hassliebenden Großeltern. Gleichzeitig muss er sich anstrengen, im Schatten seiner schwerbehinderten kleinen Schwester nicht übersehen zu werden. Und während er Jahre später alle Mühe hat, sich durch die Pubertät zu kämpfen, entscheidet sich seine Mutter von heute auf morgen für eine Karriere als Sexualtherapeutin. Trotz allem bleibt Fritz stets der »Strahlemann« und sorgt für gute Stimmung – bis er sich eines Tages auch noch unsterblich verliebt.

Es ist das generationenübergreifende Thema: Wie kann es gelingen, sich von den kleinen und großen Verletzungen, die man in der Kindheit erfahren hat, zu lösen und sie irgendwann auch zu verzeihen?

Zwischenmeldung: Also ich möchte es jetzt nicht heraufbeschwören, aber ich hoffe sehr, dass dieser Post die Wiederbelebung meines Blogs hier ist. Es ist nicht so, dass ich keine Lust mehr aufs Bloggen hatte, es hat einfach die Zeit und die nötige Ruhe dafür gefehlt. Egal ob im Privatleben, auf der Arbeit oder in der Welt da draußen: Überall war viel los und leider bei Weitem nicht nur Gutes. Wenn man sich seine Kraft einteilen muss und abends nur noch erschöpft auf die Couch fällt, dann bleiben solche Dinge wie mein Blogbaby hier leider auf der Strecke. Nun hatte ich aber dieses Büchlein auf dem Bild als letztes bei Vorablesen gewonnen (vor vielen vielen Monaten, bin also wieder mal Lichtjahre zu spät mit der Rezension) und es brannte mir ein wenig unter den Nägeln. Und irgendwie war das Wetter heute so schön und ich war mit der Familie essen und während wir so auf dem Balkon saßen dachte ich mir: Jetzt ist es doch mal wieder Zeit. Also Kinder, los gehts: Auf in den ersten Blogpost und die erste Rezension 2022! (By the way...mit dem Lesen an sich habe ich selbstredend nicht pausiert. Vorher friert die Hölle zu. ;) Selbst Tommy hat während Corona seine Lesefreude wieder gefunden, was mich ziemlich doll freut).

Meine Meinung: Dieses Buch ist eine Sammlung von Erinnerungen an die Kindheit von Fritz Schaefer. Es lässt sich super schnell und leicht lesen und ist eine kunterbunte Mischung. Ich wusste nach der Leseprobe nicht so genau, wo die Reise mich hinführen würde aber letztendlich gab es auch kein Ziel. Es sollte einfach genau das sein: ein Sammelsurium. Dabei ist es aber keinesfalls chaotisch. Ich denke jeder versteht es, wenn er in seinen eigenen Erinnerungen gräbt. Es gibt viele schöne, viele beängstigende aber auch teilweise seltsame Momente die einem wieder einfallen. Manchmal weiß man gar nicht mehr, ob der Moment wirklich so seltsam war oder ob man es als Kind nur so empfunden hat. Genau so kann man als Erwachsener seine Erinnerungen ganz anders einordnen. Dieses Buch verdeutlicht das ganz toll. Ich musste ganz viel Grinsen, wenn Schaefer von seinen Großeltern geschrieben hat, die eine echte Hassliebe verbunden hat und die ihm ganz viel für seinen Lebensweg mitgegeben haben. Die Erzählungen von ihm und seiner behinderten Schwester haben mich traurig gestimmt und dennoch musste ich auch hier viel schmunzeln. Als Kind eines behinderten Geschwisterkindes hat man es sicherlich nicht immer leicht. Dennoch war es toll zu lesen, wie eng das Band der beiden ist und wie viel Spaß sie immer zusammen hatten. Richtig seltsam fand ich den Besuch bei einem leicht gestörten Schulfreund und absolut traumatisiert hat mich am Ende die Mandel-OP. Und nebenher läuft ja noch eine verzweifelte Jugendliebe....
Einerseits erzählt er sicherlich aus einem "ganz normalen" Leben. Jede Situation für sich könnte vielen Menschen so passieren, aber in der Kombination macht es eben sein ganz eigenes Leben aus und macht ihn zu dem, der er ist. Mit all den großen und kleinen Freuden und Niederlagen des Lebens.
 Ich merke ja grundsätzlich immer wieder, dass mich die Geschichten von "normalen Menschen" (ihr wisst, was ich meine. Was ist schon normal?) ganz dolle interessieren. Ertappe mich immer wieder, wie ich fremde Menschen fragen möchte "Hallo, wie heißen Sie? Wie geht es Ihnen? Was hat Sie im Leben geprägt?". Und während mein Gegenüber vermutlich denken würde, ich habe sie nicht mehr alle, meine ich das völlig ernst. Ob ich mich das irgendwann mal traue? Könnte man einen Sammelband draus machen ;)

Und während ich schon wieder abschweife möchte ich eigentlich nur sagen: Es hat mir großen Spaß gemacht, das Buch zu lesen.

Titel und Cover: Super! Strahlemann wird als Bedeutung auch richtig klar, wenn man das Buch liest. Weil Schaefer immer hinter seiner Schwester "verschwindet", die als behindertes Kind viel mehr Aufmerksamkeit braucht, will er niemandem zusätzlich zur Last fallen und ist dementsprechend bei allen der "Strahlemann". Und der kleine Junge auf dem Cover mit der Windblume und dem "strahlendblauem" Himmel passt dazu perfekt.

Montag, 8. November 2021

Vegane American Cookies

Das gab es ja schon ewig nicht mehr: Ein Rezept auf diesem Blog. Aber ich hab in letzter Zeit mal wieder gebacken und zwei Rezepte haben mich so geflasht, dass ich finde, sie müssen mit der Welt geteilt werden. Das erste ist ein Rezept für Kekse, die wie diese typischen, weichen American Cookies schmecken, allerdings sind sie vegan, zuckerarm und gesünder. Das Originalrezept hab ich von einem Insta-Account, allerdings hab ich es so sehr abgewandelt, dass ich es hier nicht angebe. Im Original waren keine Nüsse, keine Schokolade, normaler brauner Zucker und sowieso viel zu viel Zucker.

Lange Rede, kurzer Sinn: Hier kommt das Rezept.




Zutaten:

  • 180 g zarte Haferflocken
  • 50 g Haselnüsse
  • 50 g gehackte Nüsse (was ihr da habt...bei mir waren es jetzt Pecannüsse und Macadamia)
  • 80 g Dinkelmehl
  • 80 g Kokosblütenzucker
  • 80 g Birkenzucker/Xylit (ihr könnt natürlich statt der zwei Zuckerarten auch 160 g Rohrzucker nehmen)
  • 8 g Backpulver
  • 8 g Vanilleextrakt
  • 60 g Apfelmus
  • 180 g weiche vegane Butter (z.B. Alsan, normale Margarine geht aber auch)
  • eine kleine Handvoll veganer Zartbitter-Schokotropfen)
Zubereitung:

1. Den Backofen auf 180 °C Umluft vorheizen
2. Haferflocken, beide Zuckersorten, Dinkelmehl und Backpulver vermischen
3. Vanilleextrakt, Apfelmus und die Butter dazugeben und zu einem Teig verkneten. Man sollte daraus gut Bällchen formen können
4. Selbige formen, es werden ca. 18 Stück. Jeweils 9 davon mit genügend Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und mit der Hand etwas flach drücken
5. Die Kekse dann für ca. 12 Minuten backen und anschließend auf einem Gitter auskühlen lassen.

Die Kekse sind weich und schmecken herrlich nussig-vanillig und man kann sie auch gut kurz in der Mikrowelle warm machen.

Viel Spaß beim Nachbacken :)

Sonntag, 7. November 2021

Das Flüstern - Andreas Brandhorst

 Zusammenfassung: Der achtjährige Nikolas überlebt wie durch ein Wunder einen schweren Verkehrsunfall, bei dem seine Eltern ums Leben kommen. Er müsse einen Schutzengel gehabt haben, sagen die Retter. Und als er eine geheimnisvolle, wispernde Stimme hört, glaubt Nikolas selbst bald daran, dass da jemand, oder etwas, ist, um ihn zu beschützen. Er gerät an ein mysteriöses Institut in der Schweiz, in dem Kinder mit besonderen Begabungen erforscht werden. Da lernt er die junge Sonja kennen und gemeinsam schmieden sie Fluchtpläne. Doch als die Forscher den unsichtbaren Begleiter Nikolas' mit aller Macht ins Licht zwingen wollen, kommt es zur Katastrophe. Und Nikolas muss sich einer furchtbaren Wahrheit stellen ...


Meine Meinung: Am Freitag war mal wieder Buchclub angesagt und ich hab mir vorgenommen, auch mal wieder zeitnah unsere hier ausgewählten Bücher vorzustellen. Wann und wie ich die ganzen älteren Buchclubbücher hier aufgreifen werde weiß ich allerdings noch nicht, aber ich werde mein Bestes geben. Nun aber zu diesem hier. Andreas Brandhorst schreibt wohl sonst eher Science Fiction und "Technik-Thriller", wenn ich das mal so unbedarft ausdrücken darf. "Das Flüstern" ist sein erster Mysterythriller. Ich war sehr gespannt, lese sowas sehr gerne, denn ich grusel mich ja gerne und bin bei solchen Büchern oft besonders gespannt auf die Auflösung. Ich bin hier auch sehr flott durchgekommen, weil ich mich immer wieder gefragt habe, wie es wohl erklärt wird. Nikolas ist mir sympathisch gewesen und tat mir gleichzeitig auch leid. Schnell wird klar, dass er Autist ist, was Vorteile in Form von Begabungen mit sich bringt (beispielsweise erkennt er ganz genau, wenn jemand lügt), aber gleichzeitig ist er natürlich auf ewig ein Außenseiter, weil er sich nicht benimmt, wie die Gesellschaft es erwartet.
Doch das ist nicht alles, was Nikolas` Leben schwer macht. Früh verliert er seine Eltern bei einem Autounfall, es stellt sich heraus, dass die Mafia dahinter steckt. Er wird daraufhin von seinem Onkel aufgenommen, kurze Zeit später selbst entführt und kommt später in ein Institut in der Schweiz, welches ihm helfen soll. Immer dabei: Sein mysteriöser Schutzengel, der Niko vor allem beschützt, was ihm gefährlich werden könnte. Doch leider wird genau das immer gefährlicher für alle in seinem Umfeld.
Über das Buch hatten wir durchaus geteilte Meinungen. Babs hat es recht früh abgebrochen, ich hab es wie gesagt recht gern gelesen. Fand, dass der Autismus-Aspekt sehr gut beschrieben wurde (soweit ich mir darüber ein Urteil erlauben darf) und ich hatte immer mal wieder Theorien zur Auflösung des Ganzen. Wo wir uns aber einig waren: Hier wurden zu viele Themen behandelt. Autismus, Mafia, Geheimorganisationen, Liebe. Dadurch wurde die Geschichte am Ende immer hektischer und unübersichtlicher und leider fanden wir alle das Ende unbefriedigend bis unlogisch. Vieles bleibt diffus und unbeantwortet, so als habe der Autor selbst nicht Recht gewusst, wie er es auflösen soll. Wobei mir der allerletzte Satz wieder gut gefallen hat. So ein kleiner Shocking Moment am Schluss.

Klassischer Fall von "Muss ich nicht nochmal lesen.". Überlege dennoch, ob ich nochmal einem anderen Buch des Autors eine Chance geben soll. Hat jemand von euch schon mal ein Buch von Andreas Brandhorst gelesen?

Titel und Cover: Also das Cover mag ich nicht. An sich wäre es cool, aber es passt für mich nicht zur Geschichte und das gibt immer Abzüge. Auch der Titel ist seeehr allgemein. Ja, Nikolas vernimmt manchmal die Stimme des Schutzengels, allerdings selten als Flüstern, oft eher als Knurren oder Grollen. Leider also auch hier keine runde Sache

Dienstag, 2. November 2021

[kostenloses Rezensionsexemplar] Barbara stirbt nicht - Alina Bronsky


Zusammenfassung: 
Walter Schmidt ist ein Mann alter Schule: Er hat die Rente erreicht, ohne zu wissen, wie man sich eine Tütensuppe macht und ohne jemals einen Staubsauger bedient zu haben. Schließlich war da immer seine Ehefrau Barbara. Doch die steht eines Morgens nicht mehr auf. Und von da an wird alles anders.

Mit bitterbösem Witz und großer Warmherzigkeit zugleich erzählt Alina Bronsky, wie sich der unnahbare Walter Schmidt am Ende seines Lebens plötzlich neu erfinden muss: als Pflegekraft, als Hausmann und fürsorglicher Partner, der er nie gewesen ist in all den gemeinsamen Jahren mit Barbara. Und natürlich geht nicht nur in der Küche alles schief. Doch dann entdeckt Walter den Fernsehkoch Medinski und dessen Facebook-Seite, auf der er schon bald nicht nur Schritt-für-Schritt-Anleitungen findet, sondern auch unverhofften Beistand. Nach und nach beginnt Walters raue Fassade zu bröckeln – und mit ihr die alten Gewissheiten über sein Leben und seine Familie.

»Barbara stirbt nicht« ist das urkomische Porträt einer Ehe, deren jahrzehntelange Routinen mit einem Schlag außer Kraft gesetzt werden, und ein berührender Roman über die Chancen eines unfreiwilligen Neuanfangs.

Meine Meinung: Und mein nächster Gewinn, für den noch eine Rezension aussteht. Dieses Buch hab ich mir selbst ausgesucht, habe dafür nämlich meine Wunschbuchpunkte eingelöst. Ich fand die Idee der Geschichte unglaublich gut und die Leseprobe mit dem grummeligen Rentner, der es gar nicht fassen kann, dass seine Frau auf einmal nicht mehr alles rund um Haus und Sozialleben wuppen kann, hat mich sehr amüsiert. Nicht mal bedanken kann Barbara sich für das lauwarme Gebräu, das er ihr am ersten Tag als Kaffee serviert.

Ich muss aber direkt mal eines sagen und vermutlich ist das auch der Grund, weshalb mich das Buch erst mal ein wenig enttäuscht hat: "Urkomisch", so wie es auf dem Buchumschlag beschrieben wird, ist hier gar nix! In meiner Vorstellung würde die Geschichte um ein älteres Ehepaar gehen, das einfach noch ein bisschen in veralteten Rollenbildern steckt. Der Mann arbeitet, die Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder. Und nun muss der Mann auf einmal lernen, dass die Frau doch mehr gemacht hat, als zwei Tassen am Tag zu spülen und alle zwei Tage mal zu saugen. Ich dachte, nach anfänglichen kleinen Startschwierigkeiten findet Walter großen Gefallen am Kochen und danach wird es eine herzerwärmende, lustige Geschichte.

Tja...falsch gedacht. Walter ist ein zutiefst verbitterter, frauen- und fremdenfeindlicher alter Mann und ich habe mich permanent nur gefragt "Barbara, warum bist du immer noch mit ihm verheiratet?". Seine Beziehung zu seinen Kindern ist nicht existent und Barbara scheint für ihn nur eine Haushälterin zu sein. Ja, ab und zu kommt durch, dass er Gefühle hat - für alle - und die aber einfach partout nicht zeigen kann, aber irgendwie konnte ich ihn dennoch nicht sympathisch finden. Hinzu kommt seine absolute Weigerung, zu erkennen, dass seine Frau ernsthaft krank ist und die Tatsache, dass er sein Herz offenbar eigentlich noch an jemand anderen verschenkt hat, vor vielen vielen Jahren.

Die "Auflösung" hat zwar tatsächlich nochmal einiges nachvollziehbarer gemacht, kann aber den traurigen Beigeschmack nicht vertreiben, den ich hatte. Diese Geschichte handelt von Menschen, die allesamt ihr komplettes Leben verschenkt haben. Und das ist an sich kein Problem, denn sowas gibt es zuhauf in der Realität und darüber zu lesen schafft wieder Dankbarkeit und Demut fürs eigene Leben. Es zeigt nur wieder mal, dass es schlecht ist, wenn Klappentexte einen falschen Eindruck erwecken. Man muss Walter zugute halten, dass er gegen Ende des Buches ein bisschen zugänglicher und verletzlicher wird. Und in dem Alter verändert man sich ja nicht mehr von heute auf morgen, gell? Mir ist klargeworden, dass auch er ein zutiefst erschütterter und verletzter Mensch ist. Aber trotzdem empfinde ich mehr Widerwillen als Verständnis.

Dennoch: Ein schnell zu lesenden Buch, das sehr nachdenklich macht (und wütend!) und das einen definitiv darüber nachdenken lässt, ob man sein Leben so, wie es jetzt ist, weiterführen möchte und vor allem die Frage aufkommen lässt: Käme ich klar, wenn ich von heute auf morgen meinen Partner pflegen und mich um mich selbst kümmern müsste? Wichtiges Thema!

Titel und Cover: Ein perfektes Zusammenspiel. Der Kaffee ist ein Running Gag in dem Buch (schmeckt Kaffee mit einer Prise Salz echt besser? Muss ich morgen mal ausprobieren!) und der Titel zeigt Walters absolute Weigerung, die Realität anzuerkennen.

[kostenloses Rezensionsexemplar] So wie du mich kennst - Anika Landsteiner


Zusammenfassung: 

Karlas Leben ist stehengeblieben. Sie trägt eine Urne nach Hause, darin die Asche ihrer Schwester Marie. Und plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war. Marie war Karlas Seelenverwandte, ihr Kompass in diesem Chaos, das sich Leben nennt. Und während sich dieses Chaos um sie herum einfach weiterdreht, reist Karla nach New York, um dort die Wohnung ihrer Schwester aufzulösen. Als sie Fotos findet, die so verstörend wie alltäglich sind, fragt sie sich, wie gut sie Marie wirklich kannte. Die Schwester, die so ganz anders lebte als sie. Die erfolgreich und selbstbewusst war. Was Karla auf den Bildern sieht, verändert ihren Blick auf Marie, ihren Blick auf sich selbst und auf das ganze Leben vor ihr.
Anika Landsteiner erzählt eindringlich, bewegend und aufrüttelnd von Frauen wie uns. Von Menschen wie dir und mir. Ein Buch, das im Kopf bleibt.

Meine Meinung: Dieses Buch wurde witzigerweise kurz nach meinem Gewinn zu unserem Buchclubbuch gekürt. Leider hat das meine Lesegeschwindigkeit nicht beschleunigt. Arbeit, andere Bücher und der Fakt, dass es sich hier nicht um einen Pageturner handelt, haben dazu geführt, dass ich das Buch nur zu 2/3 ausgelesen hatte, als wir uns zur Buchbesprechung getroffen haben. Mittlerweile habe ich es aber beendet und es ist ganz dringend endlich mal die Rezension fällig. 

Ich bin etwas schwer reingekommen in das Buch, aber dann ließ es sich recht gut lesen. Mir hat es wie so oft gefallen, dass es zwei Erzählstränge gab. Einen von Marie vor ihrem Tod und einen von Karla, wie sie im Nachhinein versucht, den Tod ihrer Schwester zu verarbeiten. Ebenso hat mich der Kontrast zwischen dem beschaulichen, manchmal einengendem Dorfleben und dem aufregenden aber sehr anonymen Big City Life in New York fasziniert. Die Autorin fängt beides sehr gut ein für mich.

Es werden viele Themen angesprochen in dem Buch. Selbstverwirklichung, Scheitern, häusliche Gewalt. Hängen geblieben ist für mich aber vor allem eines. Nämlich die Frage "Wie gut kenne ich meine Liebsten wirklich?" Denn das ist es, was Karla sich mit jedem weiteren Tag deutlicher fragt. Wie gut kannte ich meine Schwester eigentlich? Wie gut meinen Vater? Wie gut meine Mutter?

Die Antwort darauf tut manchmal weh, bringt aber auch die Erkenntnis, der wir uns wohl alle stellen müssen. Oft kennen wir selbst die Leute, die wir glauben gut zu kennen, nur zum Teil. Beziehungsweise eben nicht ganz. Vielleicht waren wir bei einem einschneidenden Erlebnis einfach noch nicht an deren Seite, vielleicht haben sie einen ganzen Lebensabschnitt ohne uns verbracht (Eltern z.B. - zwangsläufig ;)), vielleicht kennen wir sie nur aus bestimmten Situationen (Sportverein oder Arbeit) oder wir kennen sie zwar schon sehr gut, aber sie erzählen uns trotzdem nicht alles. Die nächste Frage, die ich mir dann gestellt habe, war: Ist das denn schlimm? Für mich nicht unbedingt. Ich glaube, wir alle zeigen oft nur einen Teil von uns, ob bewusst oder unbewusst. Schmerzhaft wird es natürlich dennoch, wenn man nach dem Tod einer Person merkt, dass man sie nicht so gut kannte, wie angenommen.

Und hier sind wir wieder mal bei etwas, was ich am Lesen so sehr mag: Es bringt mich zum Nachdenken. Es bringt mich dazu, andere Blickwinkel einzunehmen und mir solche Fragen zu stellen. Das liebe ich ganz dolle! Das Buch war eher leise, eher ruhig und besonnen. Kein Pageturner, wie schon gesagt. Aber es ließ sich gut lesen und hatte ein lebensnahes Thema. Jeder wird sich hier auf die ein oder andere Art wiederfinden.

"Das Hintergrundrauschen reicht mir, um die aufkeimende Einsamkeit abzufangen, bevor sie sich über mich legt. Ich weiß gar nicht, ob Einsamkeit das richtige Wort ist, es wirkt zu groß für jemanden wie mich. Ich habe eine wunderbare Schwester, fürsorgliche Eltern, einen tollen Freundeskreis. Doch ich bin auch geschieden und wohne nun allein. Und ich weiß, dass Empfindungen manchmal wenig mit äußeren Umständen zu tun haben. [...] Man kann alles unter Kontrolle haben, sogar die Buchhaltung, und trotzdem immer wieder leidvoll auf dem Sofa unter den eigenen Erwartungen zerfließen." 

Das Ende war für mich tatsächlich mit ein paar Überraschungen gespickt, die es für mich gar nicht gebraucht hätte. Die Story von Karla und Marie hätte für das Buch meiner Meinung nach ausgereicht. Das ist aber mein einziger Kritikpunkt.

Titel und Cover: Ob es so gewollt ist, keine Ahnung, aber bei dem Cover denke ich sofort an die ganzen berühmten New Yorker Kunstgalerien (unvergessen schon alleine durch Sex and the City ;)) und der Titel passt perfekt zur für mich herausstechenden Hauptfrage der Geschichte. Von daher: Alles richtig gemacht!

Montag, 16. August 2021

[Kostenloses Rezensionsexemplar] Sieben Quadratmeter Glück - Marion Hahnfeldt


 Zusammenfassung: Weil weniger so viel mehr bedeuten kann: Minimalistisch leben im Wohnmobil

Mein Haus, mein Auto, mein Boot – wer hat, der kann, und wer nichts hat, zieht in den Caravan? Das mag früher so gewesen sein, und noch immer ist das Leben in einem Wohnwagen eher ungewöhnlich und verhältnismäßig günstig.

Doch die Idee von Marion Hahnfeldt ist eine andere. Nämlich herauszufinden, was man im Leben wirklich braucht. Kommt man noch klar ohne den üblichen Komfort? Reichen sieben Quadratmeter, wenn es früher mal 95 waren? Wie lebt es sich draußen im Winter – ohne Zentralheizung, Toilette und fließend Wasser?

Meine Meinung: Herr im Himmel, ich komme echt zu nix mehr. Nicht nur, dass ich nicht mehr all meine gelesenen Bücher rezensiere, geschweige denn aus dem Alltag erzähle, ich komme mittlerweile nicht mal mehr zum pünktlichen Rezensieren meiner gewonnenen Bücher. Dabei sollte das doch der Mindestanspruch sein. *Seufz* Immerhin wird nun für uns im Büro doch noch nach Verstärkung gesucht und ich bete, dass wir ab Dezember hier nicht zu zweit sitzen, sonst sehe ich echt schwarz. Das Jahr 2021 verlangt mir arbeitstechnisch echt viel ab. Aber darüber will ich jetzt nicht nachdenken, sondern schweife lieber ab zu meinen geliebten Büchern, die es immer wieder schaffen, mich aus dem Alltag rauszuholen und mich abzulenken und neue Denkanstöße zu geben. Selbst Tommy hat sich wieder mehr für's Lesen begeistert :) Freut mich natürlich besonders!

Dieses Buch habe ich im Frühjahr gewonnen und da ich mich schon lange - inspiriert durch Björn - für einen Roadtrip im Camper interessiere, fand ich das Buch spannend. Zwar geht es hier nicht um einen Roadtrip, sondern um das Leben auf dem Campingplatz, aber Leben auf kleinem Raum muss man ja bei beidem. Außerdem finde ich die Ansätze der Autorin spannend. Sie zieht nicht aus, weil sie kein Geld mehr hat, sondern weil sie wissen möchte, ob weniger Besitz wirklich glücklich und frei macht. Um das herauszufinden nimmt sie sich vor, ein Jahr im Camper zu wohnen.
Und so dürfen wir sie begleiten und bekommen Eindrücke nicht nur vom romantischen "Aussteigerleben" sondern eben auch von den unromantischen Seiten. Ständig anlaufende Fenster, defekte Heizungen, Toilettengänge bei Wind und Wetter sind nur einige davon.
Genau so spannend fand ich die Beobachtungen der anderen Camper. Familien, Messebesucher, Weltreisende und auch Gestrandete, die keine andere Möglichkeit haben. Fakt scheint aber zu sein: Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase macht dieses "Weniger" wirklich glücklich und zufrieden.

Vielleicht muss aber dazu gesagt werden, dass die Autorin mittlerweile wieder in einer Wohnung lebt, allerdings in einer wesentlich kleineren als vor dem Camper-Projekt.

Und immer wieder denke ich: Sollten wir das vielleicht auch mal ausprobieren?

Titel und Cover: Das Gesamtpaket mag ich sehr gerne. Der Titel macht einem direkt klar, WIE wenig Platz in so einem Camper ist und das Bild sorgt dennoch direkt für Entspannung.