Sonntag, 29. März 2026

[kostenloses Rezensionsexemplar] Moosland - Karin Zipse

 Zusammenfassung: Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren.

Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird …
Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

Meine Meinung: Vor dem Lesen der Leseprobe hatte ich noch nie etwas davon gehört, dass nach dem Krieg einige deutsche Frauen zum Arbeiten nach Island geschickt wurden. Solche geschichtlichen Randerscheinungen finde ich immer besonders spannend und habe mich dementsprechend sehr auf das Buch gefreut.
Unaufgeregt und feinfühlig beschreibt Katrin Zipse in der Geschichte, wie Elsa auf dem Hof ankommt und sich lange wie ein Fremdkörper fühlt. Sie versteht die Sprache nicht, die Gepflogenheiten und das Essen sind ihr fremd. Auch die derart harte körperliche Arbeit ist sie in Teilen nicht gewohnt, zumal sie entkräftet ist nach den Kriegsentbehrungen. Ihre Einsamkeit spürt man daher auch als Leser fast körperlich.
Die Unkenntnis der isländischen Sprache wird buchstäblich deutlich, da alle Namen erst mal so geschrieben werden, wie Elsa sie versteht, und erst im Laufe der Geschichte, als sie die Sprache besser kennenlernt, korrekt geschrieben werden.
Als Beispiel: Oulawür heißt eigentlich Ólafur. Das fand ich ein schönes stilistisches Mittel.

Bezeichnend war außerdem Elsas Angst vor Hühnern. Während die isländische Familie denkt, sie ist einfach eine verweichlichte Frau, die Hofarbeit nicht gewohnt ist, kommt ihre Angst eigentlich von woanders, wie wir im Laufe der Geschichte lernen. 

Elsa gewöhnt sich langsam ein und jedes Familienmitglied versucht auf seine Art, ihr bei der Eingewöhnung zu helfen. Das bleibt nicht ohne Spannungen, doch die Geschichte wird dabei nie dramatisch. 

Sehr gemocht habe ich außerdem die kleinen Geschichten, die in der Familie als Legenden weitergegeben werden oder die in dem Buch stehen, das Elsa von einem der Brüder zum Lernen der Sprache erhält.

Ein schönes kleines Büchlein über ein Kapitel der deutsch-isländischen Geschichte, welches mir bislang unbekannt war.

Titel und Cover: Island stelle ich mir rauher und dunkler vor als auf dem Cover, allerdings gibt es eben auch diese sanften Wiesen im Hochland, die zumindest auf den ersten Blick ruhig und gefahrenlos erscheinen. Genau in so einer Gegend liegt das Bauernhaus, in dem Elsa arbeitet. Das passt also sehr gut zur Geschichte. Die Haptik kommt der eines Leineneinbandes nahe, was mir gut gefällt. Der Titel gefällt mir mindestens genau so gut. Moos verbinde ich mit Nässe, mit Weichheit, mit Mystik, mit Dunkelheit. Alles Adjektive, die zur Geschichte passen.

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