Mittwoch, 17. Oktober 2018

[Werbung wegen Nennung/unbezahlt] Man muss auch mal loslassen können - Monika Bittl

Klappentext: Stress im Beruf, Existenzängste, Liebeskummer, schwere Krankheit, finanzieller Ruin - die Anforderungen, die das Leben beständig an Jessy, Charlotte und Wilma stellt, die Sorgen und Nöte im Alltag - es ist einfach zu viel. Es fehlt kein Tropfen mehr, der das Fass zum überlaufen bringt, das Fass ist schon längst leer. Die Lebenskrise perfekt. Und jetzt ist Schluss. Denn nun sind die drei Frauen fest entschlossen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Felsenfest. Wirklich! Nur irgendwie geht dabei ständig etwas schief. Als sie eines Abends beschließen, von einer Brücke zu springen, stellen sie einhellig fest, dass es da viel zu tief runter geht …
Folgerichtig wird die nächste Tankstelle geentert, um sich erst mal ordentlich Mut anzutrinken. Dabei gerät das trotzige Trio mitten in einen dilettantischen Raubüberfall. Ein Wink des Schicksals? Kurz entschlossen bieten die Frauen sich den beiden Möchtegern-Gangstern als Geiseln an, und so nimmt eine höchst vergnügliche Reise zurück ins Leben ihren Lauf, bei der diese fünf liebenswerten Menschen lernen, dem Leben die Stirn zu bieten, Liebe zuzulassen und achtsamer mit sich, dem Leben und den Mitmenschen umzugehen: Gemeinsam sind wir stark! Das Leben ist schön!


Meine Meinung: Meine nächste Vorablesen Rezension ist schon lange fällig und ich habe das Buch auch schon lange beendet, aber zum Bloggen fehlte wieder mal die Zeit. Wir haben einen so dermaßen stressigen Quartalsabschluss hinter uns....puh. Wir mussten sogar den Saarländern zu Christophs 40. Geburtstag absagen und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wann wir jemals eine Familienfeier dort verpasst haben. Aber so ist es manchmal. 2018 macht diesbezüglich seine eigenen Regeln. Das Buch verdient nun jedenfalls eine Bewertung ;)
Ich habe es übrigens grade an Oma verliehen, daher gibt es ein Bild von der Verlagsseite.


Es gibt nur ein "Entweder oder". Ich bin beim "Oder".


Der Klappentext fasst das Buch an sich schon sehr gut zusammen. Es treffen drei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinander: Charlotte, die ihr gesamtes Leben inklusive Krankenversicherung aufgegeben hat um sich ihren Traum zu erfüllen, ein Buch zu schreiben. Als sie krank wird merkt sie, dass ihr Fokus vielleicht doch etwas falsch lag. Wilma, die sich ihr Leben lang in ihrer geliebten Dorfwirtschaft abgerackert hat und die nun vor dem Aus steht, weil sie das Rauchverbot missachtet hat. Und Jessy, die sich aus ärmlichen Verhältnissen selbst herausgearbeitet hat und dann feststellen muss, dass sie vom einzigen Menschen, dem sie je vertraut hat, hintergangen wurde. Sie alle drei verbindet nur eins: Sie haben ihren Lebensmut verloren und möchten ihrem Leben ein Ende setzen. Doch das ist irgendwie gar nicht so einfach.
Und da kommen dann Ralf, ein in die Jahre gekommener Familienvater dessen Firma kurz vor der Pleite steht, und Moritz, ein links gerichteter Politikfreak, der am liebsten ständig flammende Reden über den Kapitalismus halten würde, sich aber nicht traut, weil er so stottert, ins Spiel.


Zugegeben, die Kombination dieser Charaktere ist schon wirklich amüsant. Vor allem Wilma mag ich mit ihrer mütterlichen, pragmatischen Art unheimlich gerne. Auch weil sie der Meinung ist, dass sich fast alles mit einem guten Essen besser anfühlt. Sie erinnert mich an Mrs. Weasley.


Sie war einfach zu sehr Mutter, Großmutter und Wirtin und achtete zu sehr darauf, es für alle anderen gut einzurichten. Dabei schaute sie zu wenig auf sich. Der Klassiker unter den Frauen, wie das fehlende Gen zum Neinsagen.


Dennoch habe ich ein paar gemischte Gefühle beim Lesen gehabt. Natürlich war mir schon beim Blick auf das Cover klar, dass es hier in Richtung Tragik-Komödie gehen soll und dass man das alles mit einem Augenzwinkern lesen soll. Dennoch habe ich mich beim Lesen ab und an gefragt, wie Menschen das Buch finden würden, die ernsthafte Depressionen haben. Oder die eine tödliche Krankheit haben. Oder die eben einfach zu der Sorte gehören, dessen Leben nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens spielt. Denn das Buch vereinfacht solche Probleme schon ziemlich rabiat. Leider muss man im wahren Leben wirklich Acht geben und in seinem Umfeld sehr genau die Augen offen halten, ob jemand Probleme hat, sich verändert oder sich zurückzieht, denn psychische Probleme werden ein immer größerer Teil in unserer Gesellschaft und es ist selbst für Angehörige oft sehr schwer, den Betroffenen zu helfen. So einfach wie im Buch geht das leider nicht.
Ich versuche einfach, das Buch eben als das zu nehmen, was es sein soll: Unterhaltung. Es soll einen schmunzeln lassen und einem eben zeigen, dass das Leben ganz toll sein kann, auch wenn es momentan vielleicht nicht so rosig aussieht. Man muss nur ein paar gute Freunde an seiner Seite haben. Die Aussage gefällt mir wiederum.


Eigentlich wird es auch zwischen den Zeilen sehr deutlich, dass keine der drei Frauen wirklich ihr Leben beenden will. Sie hängen alle viel zu sehr daran, aber wissen nun mal einfach keinen Ausweg aus ihrer jeweiligen Situation. Dabei hilft es meistens schon ein bisschen, jemandem sein Herz auszuschütten.


"Ich leb vegan" oder "ich bin gegen Kriege" oder "Ich bin sowas von tierlieb, ich kann keiner Fliege was zuleide tun". Moralisches Bullshit-Bingo. Keiner ist gut oder böse. Alle meinen es gut - in erster Linie mit sich selbst.


Alles in Allem war es ein nettes Buch für Zwischendurch, es konnte mich aber nicht völlig für sich einnehmen.


Titel und Cover: Den Titel finde ich ultrakomisch, allerdings nur zusammen mit dem Cover. Würde man ihn mir so nennen, könnte ich da keinen direkten Zusammenhang zur Geschichte herstellen. Das Cover steht allerdings auch für sich, denn es zeigt eine Schlüsselszene im Buch. Das gefällt mir wirklich sehr gut.


Würdest du dieses Buch erneut lesen? Nein, eher nicht.

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