Montag, 27. Februar 2017

In jedem Augenblick unseres Lebens - Tom Malmquist


Klappentext: Tom und Karin erwarten ihr erstes Kind, als Karin plötzlich schwer erkrankt und ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Das Baby wird per Kaiserschnitt gerettet, während Tom wie in einem Albtraumin den unterirdischen Gängen des Krankenhauses umherirrt. Zwischen Intensivstation und Säuglingsstation, zwischen Leben und Tod. Als er nach Hause zurückkehrt, hat er Karin verloren und ist allein mit einem Neugeborenen. Um sich seiner Trauer zu stellen und seiner Tochter ein Vater zu sein, beginnt er ein Buch zu schreiben.

Meine Meinung: Ist das nicht ein hübsches Buch?  Das Cover ist mir bei Vorablesen sofort aufgefallen. Und auch die Leseprobe fand ich gut, sodass ich mich sehr gefreut habe, als ich die Benachrichtigung erhielt, dass ich das Buch gewonnen habe. 
Man wird zu Beginn des Buches ins kalte Wasser geschmissen. Karin wurde soeben ins Krankenhaus eingeliefert und tausend Informationen prallen von allen Seiten auf Tom ein.
Seine Frau ist schwer krank, seine Tochter muss per Kaiserschnitt geholt werden, Freunde und Verwandte kommen und gehen und er selbst mittendrin kommt gar nicht hinterher mit seinen Gedanken. Er funktioniert einfach.
Der Erzählstil im Buch unterstützt diesen Eindruck extrem. Zum Einen ist es größtenteils ziemlich emotionslos geschrieben, zum anderen springt Malmquist auch sehr stark hin und her. Das Buch folgt keiner Chronologie. Mal ist er im Krankenhaus, dann erinnert  er sich an die Kennenlernphase mit Karin, dann besucht er seinen Vater im Hospiz, dann ist er mit seiner Tochter kurz nach Karins Tod alleine Zuhause und kämpft mit Behörden um die Anerkennung seiner Vaterschaft. Hinzu kommt, dass sich die wörtliche Rede überhaupt nicht von der normalen Erzählung unterscheidet.
Zusammenfassend muss ich also sagen, dass das Buch sehr anstrengend zu lesen ist. Man muss sich sehr stark konzentrieren um zu verstehen, in welcher Situation man sich grade befindet und wer grade mit wem spricht. 
Ich war immer hin und hergerissen zwischen Bewunderung für den Autor, da ich den Schreibstil einfach sehr passend für Toms Situation finde, und genervt sein weil das Lesen so anstrengend war. Das Buch ist ein Aneinanderreihung von Gedanken, so als würde man wirklich in den Kopf von Tom schauen. Als hätte der Autor seine Geschichte (denn die Geschichte ist ja autobiografisch) gar nicht schnell genug runterschreiben können, weil ihm so viel durch den Kopf ging. 
Als Leser muss man quasi mit Tom dadurch, durch dieses Chaos im Kopf. 

Sehr gut gefallen hat mir die Fähigkeit Malmquists, unglaublich viele kleine Alltagssituationen und intime Beziehungsmomente einzufangen und zu beschreiben. Er beschreibt viele schwierige, konfliktgeladene Situationen der Beziehung zu Karin und dennoch zweifelt man nie an seiner Liebe zu ihr. Das ist ihm toll gelungen. 

Alles in allem würde ich das Buch zwar als schwer zugänglich beschreiben, aber wen das Thema interssiert, der sollte einen Versuch dennoch wagen. Manchmal muss man zum Lesen eben auch mal ein bisschen Muße, Ausdauer und Geduld mitbringen. Wer einfach ein bisschen Ablenkung vom Alltag sucht, muss sich allerdings ein anderes Buch aussuchen.

Das Cover gefällt mir, wie eingangs erwähnt, sehr gut. Es zeigt den Himmel und die filigranen Samen, die durch die Luft schweben stehen für mich für die Vergänglichkeit. Den Titel finde ich sehr poetisch, allerdings passt er für mich so überhaupt nicht zum Erzählstil. Dennoch ist es grundsätzlich ein schöner Titel, der viel verheißt. In jedem Augenblick unseres Lebens habe ich dich geschätzt, habe ich dich geliebt, hast du die Welt schöner gemacht....
Ich habe großen Respekt vor Herrn Malmquist. Jeder Mensch trauert anders, Malmquist lässt uns in diesem Buch an seiner Art und Weise teilhaben.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Puh....gute Frage. Eventuell würde es mir helfen, wenn ich um jemanden trauere. Auf jeden Fall bleibt es erst mal im Regal.

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