Mittwoch, 9. August 2017

Hochzeitsgedanken

Ich hatte ja letztens mal erwähnt, dass ich nochmal ein bisschen über das Thema Hochzeit sprechen wollte. Wie ich auch schon wieder vor einiger Zeit mit Babs festgestellt habe (wir waren nämlich nochmal in der Traumfabrik, um ihr frisch eingetroffenes Brautkleid zu begutachten) ist es ja nun nicht mehr lange hin bis zu ihrer und somit auch zu meiner Hochzeit.
Und da ich immer, wenn ich in letzter Zeit mal sage, dass ich gestresst bin, ein mitleidiges "Ja wegen der Hochzeit, ne?" ernte, wollte ich dazu doch noch mal ein paar Worte verlieren.

Wegen der Hochzeit war ich bis jetzt nämlich eigentlich noch gar nicht gestresst. (Mich stressen eher so Dinge wie Autounfälle, geklaute Kennzeichen und Koffergrößen für Urlaubsflüge ;D)
Entgegen vieler Kommentare und Meinungen kann man eine Hochzeit auch sehr gut planen, wenn man erst 10 Monate vorher beginnt. Sicherlich kommt es auf die Wünsche des Brautpaars und den Zeitpunkt der Hochzeit an, aber ich behaupte mal ganz frech, wir hätten auch gut und gerne noch später anfangen können mit dem Planen.
Nachdem wir wussten, wie viele Leute wir ca. einladen wollen, haben wir uns auf Locationsuche gemacht und auch sehr schnell eine gefunden, die uns mehr als zugesagt hat. Der Caterer macht für uns nun nahezu alles. Wir kümmern uns nur noch um Kleinigkeiten. Beispielsweise möchte ich den Eingangsbereich noch schmücken.
Dann habe ich die Einladungskarten ja selbst gebastelt, wie ihr schon wisst, und momentan sitze ich a den Platzkärtchen. Da waren letztens Maike, Viola und Julia zum Basteln da.
Dann mache ich noch die Menü- und Getränkekarten selbst und sicherlich noch ein paar andere Kleinigkeiten wie eine Kartenbox oder so. Aber das stresst mich ja alles nicht, das macht mir ja Spaß.

Einiges hat sich bei uns auch durch etwas Glück gefügt. Beispielsweise haben wir uns ja doch für einen DJ entschieden, einfach weil in der Location keine Musikanlage vorhanden ist, sprich die hätten wir eh mieten müssen. Und mit DJ entspannt es sich für uns wieder. Erst hatte ich einen Bekannten gefragt, weil ich bislang fast nur schlechte DJs erlebt habe und bdie ihm weiß ich halt, dass er das spielt, was wir hören wollen. Leider ist der aber während der Hochzeit auf Tour. Dann hatten wir eine Empfehlung von Viola, der DJ war aber schon gebucht. Der hat uns dann wieder jemand anderen empfohlen. Der war aber zum einen recht teuer und zum anderen war er mir auch irgendwie nicht so sympatisch. Aber ich hatte auch nicht mehr so Lust noch ewig weiter zu suchen und die Referenzen waren gut. Und einen Tag vor dem Termin, bei dem wir einen Bertrag mit dem abgeschlossen hätten, erzählt Yvonne mir von ihrer Hochzeit und von ihrem tolle, sympathischen DJ. Ich hab mir die Nummer geben lassen, wir haben telefoniert und nun haben wir für die Hälfte des Geldes einen super netten DJ, der alles nach unseren Wünschen macht. Freudeeeee :)

Mein Kleid ist auch keine große Sache. Ich war einmal mit Mama, Maike und Viola in einem Brautladen. Ich glaube, das habe ich vor allem für meine Mama gemacht. Und für mich selbst um mal zu schauen, welcher Schnitt mir wirklich gefällt. Und es hat sich bestätigt, was ich vorher schon wusste: Ich möchte kein bodenlanges Kleid. Mir gefallen viele lange Brautkleider natürlich total gut aber für mich sind sie alle nicht geeignet für die Praxis. Ich bin kein Kleidertyp und in einem Prinzessinnenkleid würde ich mich nicht wohlfühlen. Und ich habe auch keine Lust so wahnsinnig viel Geld auszugeben dafür. Ich mache dann lieber einen schönen Urlaub.
Mal ganz davon abgesehen, dass ich mich in beiden Brautläden auch nicht sooo gut beraten gefühlt habe. Da fand ich die Traumfabrik bei Babs zum Beispiel schon mal besser.
Wie auch immer....ich habe mich dann im Internet umgesehen. Erst mal habe ich ein bisschen nach Onlineshops gegoogelt. Die meisten haben ja wirklich schlechte Bewertungen und ich wollte natürlich nicht irgendwo bestellen, wo ich hinterher nur Ärger habe. Ich bin dann schließlich bei Cocomelody gelandet. Die haben gute Bewertungen und auch eine Art Online-Beratung, wo ich sehr nette Tips und Hinweise bekommen habe. Dort habe ich mir dann ein Kleid nach Maß bestellt und nach 4 Wochen war es da und es sitzt wie angegossen :) Ich lasse es eventuell noch ein bisschen kürzen, denn momentan ist es wadenlang und ich hätte lieber knielang. Insgesamt hab ich dann vielleicht 350 Euro ausgegeben dafür.
Aus Interesse habe ich übrigens noch ein Kleid bei Ebay für 60 Euro bestellt....und selbst das sieht zwar nicht so toll aus wie auf dem Foto, ist aber für 60 Euro immer noch sehr bequem und schön. Ich würde es immer wieder so machen.

Dann gibt es noch so viele Kleinigkeiten von denen ich immer wieder höre, wir "müssten sie machen". Ich versuche mich davon zu lösen. Ich muss gar nichts. Ich muss keine Spiele spielen, ich muss keinen Brautstrauß haben, ich muss nicht alle Hochzeitsgäste das ganze Wochenende bespaßen, ich muss keinen Eröffnungstanz machen. Es mag ja sein, dass das auf den meisten Hochzeiten so gemacht wird, aber ich bzw. wir beide möchten das halt nicht. Lustigerweise sagen die meisten Leute, von denen ich im Vorfeld gedacht habe, sie würden genau so was erwarten, sofort "Das war doch klar Katja, das würde eh nicht zu euch passen!" zu mir.
Das beruhigt mich ja doch sehr. Unterbewusst beschäftigt mich das nämlich sehr. Hatte letztens einen Albtraum, bei dem alle angekommen sind und nach dem Sektempfang hat sich jeder hingesetzt und dann haben uns auf einmal alle angesehen und erwartungsvoll angeschaut und ich konnte nur sagen "Es passiert aber jetzt gar nichts spannendes, es gibt einfach essen." :DDDD
Total bescheuert.
Ich freue mich einfach auf einen schönen Abend mit all den Leuten, die wir gerne haben. Gutes Essen und gute Getränke, nette Gespräche, tanzen, lustige Fotos mit der Fotobox. Das reicht uns völlig. 

Dadurch sind wir zeitlich echt gut dabei. Letztes Wochenende hat Tommy in Roermond im Outlet auch zumindest schon mal ein Sakko gefunden und bei den Ringen bin ich auch ganz entspannt. Wir hätten uns beinahe für insgesamt 40 Euro silberne Ringe auf dem BYH gekauft ^^. Es gab dann nur nicht mehr unsere Größen. Entweder wir finden noch schöne, oder wir nehmen die beiden Partnerschaftsringe, die wir schon seit 10 Jahren tragen.

Ich habe schon so viele Dinge zum Thema Hochzeitsfeier gehört, die ich seltsam fand. Beispielsweise gibt es Leute, die erwarten offenbar, dass sie die Kosten von den Hochzeitsgästen wieder voll rein kriegen in Form der Geschenke. Am besten noch das Geld für ne Hochzeitsreise drauf. Ich mein, jeder wie er möchte, aber ich lade die Leute doch nicht ein, damit sie mir möglichst viel Geld schenken. Wir wünschen uns zwar auch Geld, aber nur weil uns sonst nichts einfällt, was wir uns gemeinsam wünschen könnten. Wenn jemand eine andere Idee hat, dann bin ich sehr gespannt. Und überhaupt: am meisten freue ich mich über Karten. Schöne Karten mit einem selbst geschriebenen Text oder einem süßen Spruch. Ich liebe Karten über alles. Also Leute: Falls ihr kommt, ein Geschenk brauch ich nicht, aber wehe ihr kommt ohne Karte :DDD

Oder auch das Thema Reden. Ich selbst habe den beiden Freundinnen, bei denen ich Trauzeugin sein darf/durfte direkt gesagt, dass ich alles (mit)mache, aber dass ich keine Rede halten kann. Ich kann es einfach nicht. Ich sage hundertmal "ähm" und verhasple mich und vermutlich weine ich dann auch noch und niemand würde mich verstehen. Zum Glück haben das auch die beiden Freundinnen sofort verstanden. So was ist doch nur schön, wenn derjenige da auch ein bisschen Lust drauf hat, oder? Ich erwarte von niemandem, dass er eine Rede für uns hält. Wenn das jemand gerne von sich aus machen möchte, dann darf er das gerne tun, aber ich bin die letzte die meint, die Trauzeugen oder der Vater der Braut muss unbedingt eine Rede halten. Es soll für alle ein schöner, entspannter Tag werden.
Wie sagte Yvonne letztens zu mir: "Erwarte nicht, dass es der schönste Tag deines Lebens wird."
Genau das ist vermutlich der Punkt. Ich freue mich drauf, aber so überladene Erwartungen darf man einfach nicht haben. Wie soll ein einzelner Tag denn auch diesem Anspruch gerecht werden? ;)
Der Tag wird so rucki zucki vorbei sein, dass ich wahrscheinlich gar nicht weiß, wie mir geschieht.

Genau deswegen kämpfe ich momentan auch dafür, dass die ganze Geschichte nicht doch wieder größer wird, als anfangs gedacht. Mama würde zum Beispiel am liebsten nach dem Standesamt noch irgendwohin und dort dann anstoßen und ein Häppchen essen. Find ich auch grundsätzlich eine süße Idee, aber das muss aber auch wieder organisiert werden, die Leute müssen dahin etc. Und dann dauert es auch wieder so lange.
Wir bleiben nun dabei, dass wir nach dem Standesamt einen Sekt trinken. Direkt vor Ort. Ich weiß, dass ein oder zwei Arbeitskollegen und eine Freundin meiner Mama noch dazu kommen wird, aber sehr viel mehr werden es dann vormittags ja gar nicht mehr werden, da ja abends alle kommen. Und dann reicht ein Sekt am Standesamt völlig aus :).

Mal abgesehen davon, dass sicher noch genug Kleinigkeiten kommen, die ich noch gar nicht auf dem Schirm habe. Letztens fiel mir zum Beispiel auf, dass wir zwar einen Termin beim Standesamt haben, ich aber keinerlei Infos über den Ablauf habe. Also müssen wir uns irgendwie um Musik kümmern oder so? Ich werde da also demnächst nochmal anrufen.

Ich hoffe nun einfach, dass die Sachen, die ich noch selbst machen will, so klappen wie ich mir das vorstelle. Und natürlich dass dann jeder einen schönen Abend hat und dass ich mit jedem ein bisschen quatschen kann. Ich rechne von vorneherein damit, dass es für uns sehr aufregend wird und dass ich viel zu wenig Zeit haben werde für jeden. Ein bisschen Realismus kann doch nicht schaden. Aber all unsere Lieben ein bisschen aufgehübscht und mit guter Laune unter einem Dach.....das wird schon toll. Und dann die Kids, die eingeladen sind, in schicken Klamottis <3 Das wird bestimmt süß.

Die Aufregung steigt und ich bin gespannt, wie es wird. Von den ganzen Basteleien, die ich noch so mache, berichte ich natürlich beizeiten gerne.

Wie seht ihr das denn so? Wünscht ihr euch schon seit dem Kindergarten eine Märchenhochzeit? Oder lieber zu zweit auf Hawaii? Und wenn ihr schon geheiratet habt, was lief gut, was schlecht? Was würdet ihr im Nachhinein weglassen? Erzählt mal :)

Montag, 7. August 2017

Swing Time - Zadie Smith

Klappentext:
Zwei Mädchen lernen sich beim Tanzen kennen, fortan sind sie unzertrennlich. Die eine hat Talent und die andere hat Ideen: über Rhythmus und Zeit, über schwarze Haut und schwarze Musik, über Stammeszugehörigkeit, Milieu, Bildung und Chancenungleichheit.
Als sich die beiden Mädchen zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen. Die gleiche Leidenschaft fürs Tanzen und für Musicals verbindet sie, doch auch derselbe Londoner Vorort und die Hautfarbe. Ihre Wege trennen sich, als Tracey tatsächlich Tänzerin wird und erste Rollen in Musicals bekommt. Ihre Freundin wiederum jettet als Assistentin der berühmten Sängerin Aimee um die Welt. Als Aimee in Afrika eine Schule gründen will, reist sie ihr voraus und lässt sich durch das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, verzaubern und aus dem Rhythmus bringen.
Dieser grandiose Roman von Zadie Smith, der in den USA und in Großbritannien von Presse und Publikum gefeiert wird, erzählt am Beispiel zweier Freundinnen vom Siegen und Scheitern, vom Beginnen und Enden.


Meine Meinung: Puh, an diesem Buch habe ich lange gelesen. Vorablesen musste mich sogar an meine Rezension erinnern, das passiert eher selten. Dabei war das Buch an sich gar nicht langweilig. Es ist einfach kein Buch, das man einfach mal so weg liest. Der Klappentext lässt es schon erahnen und beim Lesen merkt man es noch mehr: In dem Buch steckt viel drin. Viele Gedanken, viele unterschiedliche Themen. Daher habe ich meine Zeit dafür gebraucht.


Als ich den Klappentext und die Leseprobe gelesen habe, dachte ich, es geht vor allem um Freundschaft und darum, wie es ist, wenn einer erfolgreich wird und der andere nicht. Ich dachte, Tracey gelingt der große Coup und ihrer Freundin (die im ganzen Buch keinen Namen hat) eben nicht, sie bleibt zurück und lebt ein Leben im Schatten. Das stimmt so aber gar nicht.
Beide Freundinnen leben sich irgendwann auseinander und jede geht ihren ganz eigenen Lebensweg. Von Tracey bekommt man auch nur am Anfang viel mit, je weiter das Buch voran schreitet, desto mehr steht ihre Freundin (die auch die Geschichte erzählt) im Vordergrund.
Zwar denkt sie immer wieder an die Freundschaft zurück und auch an die kleinen Verletzungen, die man sich wohl automatisch zufügt, wenn man seit Kindheit eng befreundet ist, doch es geht auch um so viel mehr. Es geht um die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter (die übrigens für mich die interessanteste Figur im Buch war), um das Leben mit einem Popstar, um die Kulturunterschiede zwischen London und Afrika und zwischen Schwarz und Weiß. Um schwierige Teenager-Jahre, um Entwicklungshilfe. Und es geht viel um Tanz und Ausdruck. Davon habe ich nur bedingt Ahnung, das hat aber beim Lesen nicht viel geschadet. Nur die ganzen alten Tanzfilme, von denen die Rede ist, die würde ich schon gerne kennen. Aber ich betrachte es mal als Anregung ;).
Im weiteren Verlauf des Buches geht es vor allem um menschliche Beziehungen im Allgemeinen. Wie viel muss ich tun, um eine stabile Beziehung aufrechtzuerhalten und wie viel kann ich aber auch sein lassen, damit ich mich selbst im Auge behalte. Es geht um Enttäuschungen und Verzeihen, um Ablehnung und Akzeptanz.


Sehr sympathisch war mir nur die Hauptfigur. Gnadenlos ehrlich und pragmatisch. Das hat mir gut gefallen.


Romantik war mir schleierhaft: Sie erforderte etwas wie ein persönliches Mysterium, das ich mir nicht zulegen konnte und das mir auch bei anderen nicht gefiel. Ich konnte nicht so tun als wüchsen mir keine Haare an den Beinen, als würde mein Körper nicht diverse stinkende Substanzen absondern, als wären meine Füße nicht platt wie Pfannkuchen. Ich konnte nicht flirten und sah auch keinen Sinn darin. Ich hatte kein Problem damit, mich für Freunde hübsch zu machen, wenn wir zu einer College-Party gingen oder in einen Club nach London fuhren, aber in unserem Zimmer, unserem intimen Raum, konnte ich kein Mädchen mehr sein und erst recht nicht irgendjemandes Baby, ich war einfach nur ein Mensch weiblichen Geschlechts, und Sex, wie ich ihn verstand, fand zwischen Freunden , auf Augenhöhe statt, umrahmte das Gespräch wie Buchstützen die Bücher auf dem Regalbrett.


Familie und Freunde haben unglaublich viel Einfluss auf unser Leben. Das zeigt dieses Buch sehr beeindruckend und auch sehr niederschmetternd. Und unsere frühesten Freundschaften lassen uns wohl nie ganz los, genau so wie die erste große Liebe.


Das Ende hat mir unter diesem Gesichtspunkt gut gefallen. Es ist offen aber irgendwie auch nicht.
Wenn ihr mal den Kopf und die Zeit für ein wirklich tiefgründiges Buch habt, dann greift hier ruhig mal zu. Es ist allerdings insgesamt gesehen ein eher trauriges Buch. Zumindest habe ich es so empfunden. Nur damit ihr gewarnt seid.


Würdest du dieses Buch erneut lesen? Hmm...nein ich glaube nicht. Auch wenn es eine interessante Leseerfahrung war, so hat es mich alles in allem ein bisschen deprimiert. Einmal reicht also.

Dienstag, 1. August 2017

Couchsurfing in Russland - Stephan Orth

Klappentext: Was ist Propaganda, was ist echt? Über keinen Teil der Erde ist die Informationslage verwirrender als über Russland. Da hilft nur: hinfahren und sich sein eigenes Bild machen. Zehn Wochen lang sucht Bestsellerautor Stephan Orth zwischen Moskau und Wladiwostok nach kleinen und großen Wahrheiten. Und entdeckt auf seiner Reise von Couch zu Couch ein Land, in dem sich hinter einer schroffen Fassade unendliche Herzlichkeit verbirgt.

Meine Meinung: Schon Couchsurfing im Iran hat mir ja wirklich sehr gut gefallen. Und meine Eltern haben mir dieses Buch an Ostern in die Hand gedrückt und haben mir eine riesige Freude damit gemacht. Der Untertitel allein kann ja nur neugierig machen. ich war sehr gespannt, ob Herr Orth mich zum Putin-Versteher machen würde. Um das schon mal vorweg zu nehmen: Nein, hat er nicht. Dennoch hat mir das Buch genau so gut gefallen, wie das erste.
Das liegt zum Einen an dem Autor selbst. Der ist mir nämlich über alle Maßen sympathisch. Ich mag die aufgeschlossene, neugierige und vorurteilsfreie Einstellung. Wie es der Klappentext selbst schon sagt, fährt Herr Orth einfach selbst an die Orte, über die wir anderen alle nur reden.
Er schreibt auf eine sehr bestimmte und humorvolle Art und kann über sich selbst lachen. Alles Eigenschaften, die ich super finde :) Und ein Bücherfan ist er auch noch. Top, der Mann!

Ich bin bekennender Billy-Regal-Voyeur, praktizierender Schrank-Analyst, heimlicher Buchrücken-Spion. Mir macht es große Freude, Spontan-Psychogramme von Menschen zu erstellen, die nur darauf basieren, welcher Lesestoff in ihrem Wohnzimmer steht. Das ist natürlich empörend unwissenschaftlich. Wer weiß, aus welchen Gründen die einzelnen Bücher dort gelandet sind. Doch es macht eben auch fürchterlichen Spaß.

Das mache ich auch gern. Genau so gerne analysiere ich die Einkäufe meiner Mitmenschen wenn ich an der Supermarkt-Kasse stehe. Ich versuche zu erraten, was aus den Sachen gekocht wird und gucke mir an, ob derjenige gesund lebt oder eher nicht. Macht das sonst noch jemand? :D

Zum anderen liegt das an der Reiseart. Ich finde Couchsurfing wirklich super interessant. Ich denke, dass das die beste Art ist, ein Land und die Leute authentisch kennen zu lernen. Für mich wäre das zwar trotzdem nichts, denn ich plane einfach zu gerne, fühle mich zu schnell störend und hätte auch ein wenig Angst, bei wildfremden Menschen zu schlafen, aber mir ist durchaus bewusst, dass ich mir dadurch sicher einige tolle Erfahrungen durch die Lappen gehen lasse. Manchmal muss ich schon sehr schmunzeln, wenn ich die Berichte von Herrn Orth lese. In Russland hat er z.B. bei einem Russen übernachtet, der so viele Regeln schon vor der Ankunft aufstellt, dass man Stunden braucht, um sich die Merkblätter durchzulesen. Und der auch nur die Leute bei sich aufnimmt, die eine in seinen Augen lustige, schlaue Bewerbung schreiben. Oder die junge Frau, die Stephan Orth während seines Aufenthalts bei sich schlafen lässt und die auf die Frage, ob sie als Frau keine Angst hat, fremde Männer bei sich aufzunehmen, eine überraschend toughe Antwort hat. Oder der 2. Weltkrieg-Fan, der Stephan Orth zu Kriegsdenkmälern schleppt....
Sehr kuriose Gestalten, die das Reisen sicherlich spannend machen.

Außerdem bin ich Geschichtensammler und so neugierig auf immer neue Begegnungen, dass ich noch nie im Leben Heimweh hatte. Warum auch? Es ist einfach zu spannend, wer hinter der nächsten Haustür wartet.

Zu guter Letzt sind es natürlich auch die Erlebnisse selbst. Herr Orth fährt nicht einfach nur zum Roten Platz in Moskau oder zur Eremitage in St. Petersburg, geht anschließend in einem Restaurant essen und macht Fotos davon. Er hört sich an, was die Leute zu erzählen haben, bei denen er übernachtet. Er fährt mit ihnen zu Lieblingsplätzen oder auch zu seltsamen Orten. Das Buch beginnt z.B. an der Diamantenmine Mir. Klingt erst mal spannend, ist aber einfach nur ein riesiger, hässlicher Krater. Die Mine wurde still gelegt, weil sie, wenn sie noch größer und tiefer geworden wäre, die anliegende Stadt verschluckt hätte. Nicht schön, aber selten.
Genau so interessant fand ich den mehrtägigen Ausflug von Stephan mit einer russischen Bekannten in die russische Pampa. Oder den Besuch auf der Krim, der besonders durch die politischen Auseinandersetzungen in den letzten Jahren sehr brisant ist.

Ihr seht, es gibt jede Menge Gründe, das Buch zu lesen. Ich muss gestehen, dass es meine Reiselust auf Russland nicht wirklich verstärkt hat. Die Menschen, die Stephan Orth dort kennen lernt, finde ich fast alle sympathisch, aber das Land ist mir zu korrupt, zu sehr von Kriegsfanatismus geprägt. Viele der Leute, die Orth besucht hat, haben auch schon ein bisschen resigniert.

"Wofür steht Russland?"
"Wenn ich das wüsste.", sagt Sascha. "Unsere Großeltern hatten den Krieg. Unsere Eltern hatten den Kommunismus. Sie hatten eine Idee, etwas, das ihrem Leben einen Sinn gab. Doch was haben wir?"

Und diese Putin-Verehrung wurde mir auch durch die Lektüre keinesfalls klarer. Es mag sein, dass er einigen Russen so etwas die Vaterlands-Stolz zurück gegeben hat, aber zu welchem Preis?
Nein es tut mir leid, aber hier ist es wie mit der Türkei. Gerne schaue ich mir das Land irgendwann mal an, aber dafür muss sich in der Führungsriege und in den Köpfen erst noch Einiges ändern. Und ich fürchte, das kann dauern. Ich habe einfach ein anderes Verständnis von Demokratie und Freiheit.

Interessant ist das Buch aber gerade deshalb sehr und ich freue mich über jeden, der es liest und mit dem ich danach drüber sprechen kann. Also nix wie hin, in die Buchhandlung eures Vertrauens.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Ja.

Freitag, 28. Juli 2017

Das Flüstern der Nacht - Peter V. Brett



Klappentext: Die Menschheit ist gefangen in der Furcht vor den Dämonen der Dunkelheit. Nur der junge Arlen beschließt, sich mit magischen Siegeln den finsteren Wesen entgegenzustellen, und wird schon bald zu einer Legende. Als plötzlich aus dem Süden ein zweiter Befreier der Menschen auftaucht, droht alles in Chaos zu versinken. Doch Arlen hält fest an seiner Hoffnung auf das Ende der Nacht …

Meine Meinung: Die Fortsetzung von Das Lied der Dunkelheit. Nachdem ich so eine Freude daran hatte, den ersten Teil nochmal zu lesen, habe ich mir direkt danach auch Band zwei aus dem Regal gezogen. Band zwei steht dem ersten Teil nämlich in nichts nach.
Brett versteht sich sehr gut darauf, die Geschichte durch verschiedenen Erzählperspektiven seiner Figuren spannend zu machen.  Während wir in Band eins ausschließlich Arlens Sicht auf Krasia und die Erlebnisse dort erhalten, beginnt Band zwei mit der Erzählung aus Jardirs Sicht. Man erlebt mit ihm seinen Aufstieg zum Shah Darma Ka und seinen Verrat an Arlen. Man weiß also grundsätzlich schon, was passiert, aber durch die andere Sichtweise bekommt das Geschehene eine völlig neue Tiefe.
Im folgenden Verlauf treffen wir alte Bekannte (allen voran natürlich Leesha und Rojer) wieder und auch mit Renna Gerber gibt es ein Wiedersehen, die in Band eins eine eher nebensächliche Rolle gespielt hat.
Doch das ändert sich nun, denn sie wird Arlens Reisegefährtin. Auch ihre Geschichte wird von Anfang an erzählt und sie hat mich sehr berührt. Für mich ist Renna eine sehr starke Figur. Ich bin gespannt, wohin es mit ihr noch gehen wird.
Arlen trifft außerdem in Miln auf seine Vergangenheit und muss sich mit ihr auseinander setzen.

Doch am spannendsten ist der Einzug der Krasianer in das Tal der Holzfäller, ausgerechnet während Arlens Abwesenheit. Hier prallen zwei Kulturen aufeinander und die Gefahr, dass man sich untereinander bekämpft, statt zusammen gegen die Dämonen, schwebt stets wie ein Damoklesschwert über allem.
Das wird nicht zuletzt durch die letzten Seiten klar, als Arlen und Renna auf einen höchst ungewöhnlichen, mächtigen Dämon treffen. Einer, der anders ist, als die meisten anderen Dämonen...

Es wird immer deutlicher, dass ein großer Krieg bevor steht. Doch ob Jardir und Arlen begreifen können, dass sie nicht gegeneinander sondern gemeinsam kämpfen müssen? Und wie geht es mit den vielen anderen Figuren weiter? Mit Leesha, Inevera, Abban und Rojer?

Und wie wird das Aufeinandertreffen von Arlen und Jardir nach so langer Zeit verlaufen? Viele Fragen bleiben weiterhin offen und die Spannung lässt nicht nach.

Ich freue mich schon sehr darauf, den dritten Band zu lesen (bzw. bin ich schon dabei :D).

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Jederzeit wieder!

Donnerstag, 27. Juli 2017

Owlcrate Box Juni 2017 - Make it out alive

Meine Damen und Herren,

sehen sie hier die Juni Box von Owlcrate. Dieses Mal eröffne ich mit dem Gesamtbild, weil ich es liebe, wie diesen Monat farblich alles zusammen passt :D


Sieht gut aus, oder? ;)
Und jetzt gehen wir mal in die Details.


Es gab eine Badebombe von Fizzy Fairy Apothecary inspiriert von der Divergent Reihe. Davon habe ich nur den ersten Teil gelesen, aber den fand ich ziemlich gut. Hab nur noch nicht weiter gelesen, weil ich gehört habe, dass das Ende so schrecklich sein soll ^^. Jedenfalls riecht die Badebombe sehr gut und sprudelt genau so toll wie die von Lush. Sie riecht nach grünen Äpfeln und in der Mitte ist ein kleines Schmuckstück versteckt. Es gibt verschiedene, bei mir war eine Waage drin. Ich weiß leider nicht mehr, was das mit Divergent zu tun hat, ist wohl zu lange her :D.
Daneben seht ihr einen Magnet von Little Inklings Design. Der Spruch stammt aus dem Buch An amber in the ashes von Sabaa Tahir und das steht ganz oben auf meiner To Read Liste! Er ziert jetzt unseren Kühlschrank und ich mag ihn sehr.


Das lustigste Item aus der Box war dieses Mal sicherlich die Zombie-Schlafmaske von Archie McPhee. Sie sieht echt lustig aus, wenn man sie an hat und dort gibt es noch jede Menge andere amüsante Dinge (oder sagen wir mal: bescheuerte Dinge :D Das ist der seltsamste Onlineshop, den ich je gesehen habe!). Passt sehr gut zum Thema, oder? Hihi.
Der Aufnäher daneben ist von Laserbrain Patch Co. und ist an das Buch The Giver angelehnt. Kenn ich nicht, habe aber kurz gegooglet und offenbar wurde dieses Buch auch schon mit dem deutschen Titel Hüter der Erinnerung verfilmt. Die Story klingt echt interessant und wenn man weiß, worum es geht, passt der Aufnäher auch ziemlich gut zum Thema. Auf meinem Armee-Rucksack ist noch jede Menge Platz und ich werde ihn demnächst darauf anbringen. Er ist eine schöne Erinnerung daran, dass eine Welt ohne Gefühle einfach nur grau wäre. Das Buch werde ich sicherlich auch lesen.


Natürlich gibt es auch diesen Monat wieder die Monatskarte mit dem passenden Button. Ich merke immer mehr, dass ich due Buttons doof finde. Die Ausschnitte aus der Karte sehen darauf meistens nichtssagend aus und die Buttons machen wenn überhaupt nur Sinn für die Leute, die das Thema der Box kennen. Jeder andere würde draufschauen und sich fragen, was die Person einem mit diesem Button sagen möchte. Hoffentlich ändern die Damen und Herren das bald.
Die Karte gefällt mir dafür richtig gut.

 
Richtig gefreut habe ich mich dieses Mal darüber, dass zwei richtige Bücher in der Box waren. Zum Einen New World Rising von Jennifer Wilson und zum anderen The Sandcastle Empire von Kayla Olson.
Klappentext zu New World Rising:
Since witnessing her parents' murders at the age of eleven, Phoenix's only purpose in life has been to uphold her mother's dying words- to be strong and survive. But surviving outside of The Walls- outside of The Sanctuary- is more like a drawn-out death sentence. A cruel and ruthless city, Tartarus is run by the Tribes whose motto is simple, "Join or die." Refusing to join and determined to live, Phoenix fights to survive in this savage world. But who can she trust, when no one can be trusted? Not even herself.

Klappentext zu The Sandcastle Empire:
Before the war, Eden’s life was easy. Then the revolution happened, and everything changed.
Now a powerful group called the Wolfpack controls the earth and its resources. And even though Eden has lost everything to them, she refuses to die by their hands. She knows the coordinates to the only neutral ground left in the world, a place called Sanctuary Island, and she is desperate to escape to its shores.
Eden finally reaches the island and meets others resistant to the Wolves. But the solace is short-lived when one of Eden’s new friends goes missing. Braving the jungle in search of their lost ally, they quickly discover Sanctuary is filled with lethal traps and an enemy they never expected.
This island might be deadlier than the world Eden left behind, but surviving it is the only thing that stands between her and freedom.

Beide Bücher klingen für mich sehr spannend und ich freue mich sehr drauf.
The Sandcastle Empire kam übrigens auch wieder mit einem exklusiven Cover, das Owlcrate-Empfänger bekommen. Ich finde die Idee immer noch grandios. <3


Und noch schnell die Vorschau für das Thema im Juli: Wanderlust.
Tolles Thema. Sehr vielseitig. Und für mich spätestens nach unserem Schottland Trip auch persönlich spannend. Wer träumt nicht von der großen weiten Welt. Bin sehr gespannt, was da als Buch mitgeschickt wird.