Sonntag, 7. Mai 2017

Hochzeitseinladungen

So endlich komme ich mal dazu, ein bisschen von den Fortschritten bei den Hochzeitsvorbereitungen zu erzählen. Die Karten sind schon lange fertig (schon seit Mitte Februar um ehrlich zu sein...da seht ihr mal, wie ich hinterher hinke :D) und auch nahezu alle verteilt und verschickt und daher kann ich jetzt auch mal ein bisschen von der Bastelei erzählen. Orientiert habe ich mich an Kathi von Kochfrosch, auch wenn die Karten letztendlich ganz anders aussehen und vor allem weniger professionell sind. Sie ist im Gegensatz zu mir sehr gut im Handlettering, weshalb ich darauf auch leider verzichten musste. Aber der Spruch "Es ist an der Zeit" hat mir gut gefallen. Nach 11 Jahren Beziehung passt er ja nun mal wirklich zu uns. ;) Und die Ornamente in den Ecken fand ich auch toll.
Dass ich selbst basteln will, war mir von Anfang an klar. Das war gar nicht so sehr eine Kostenfrage, denn man kann sich auch wirklich schöne Karten für kleines Geld drucken lassen. Ich hatte einfach richtig Lust, die Karten selbst zu machen.
Zunächst habe ich ein bisschen recherchiert, was so Karten kosten und letztendlich war da leider Amazon preislich unschlagbar. Ich habe ein Kartenset jeweils bestehend aus Klappkarte, Umschlag und cremefarbenem Einlageblatt für insgesamt 50 Karten für grade mal 20 Euro bekommen.
Dann habe ich bei Idee Kreativ ein bisschen gestöbert und habe schöne Ornamentstempel und Dank guter Beratung auch einen passenden Acryl-Stempelhalter dazu erstanden.




Die beiden Sachen haben zusammen 10 Euro gekostet und ich kann sie ja immer wieder verwenden, also kann man das nicht mal als Investition nur für die Einladungskarten sehen.(Wartet ihr mal alle eure Weihnachtskarten von mir ab :D)


Buchstabenstempel habe ich auch nochmal bei Amazon für 12 Euro bekommen. Ebenfalls eine Investition für viele weitere Basteleien.
Außerdem habe ich noch Herz-Sticker gekauft, zum Verkleben der Umschläge und Stempelkissen in Weiß und Bronze. Insgesamt auch nochmal 10 Euro soweit ich weiß.



Dann fehlte nur noch die Tortenspitze. Für 4 Euro habe ich 250 Stück bekommen, ebenfalls über Amazon. Das Band hatte ich noch zuhause, habe ich irgendwann mal auf einem Bauernmarkt von einer Seilerei gekauft.

Joa und dann habe ich auch schon losgelegt. Ornamentstempel in die Ecken (was durch den durchsichtigen Stempelhalter super gut geklappt hat), Tortenspitze festgeklebt und dann ging es ans Stempeln. Das hat natürlich die meiste Zeit in Anspruch genommen. Ich wusste von vorne herein, dass das niemals total akkurat und gleichmäßig klappen würde, daher habe ich gehofft, dass es sich hinterher als irgendwie passend zum Vintage-Look erweisen würde. Ich bin mit dem Resultat wirklich zufrieden, auch wenn die ein oder andere Schrift auf den Karten ein kleines bisschen schiefer ist, als geplant. Hihi. Unikate eben.
Besonders unsere in Bronze gestempelten Namen gefallen mir wirklich gut (die Farbe erkennt man natürlich nicht auf dem Foto, sorry!).
Tadaaaaa:


Dann habe ich zusammen mit Tommy und Maike einen Einladungstext entworfen und in Word einfach die Datei auf die Maße des Einlageblattes eingestellt und dann auch schon gedruckt. Ging ganz fix. Dafür ist die Schnur übrigens auch hauptsächlich, die ihr oben seht. Sie hält das Einlageblatt. :)
Das Schöne an diesem Selbermachen ist, dass wir die Einladungen alle personalisieren konnten, also die Leute direkt in der Anrede ansprechen und auch selbst unterschreiben. Tommy hat ganz doof geguckt, als ich ihm den Packen hingelegt habe :D Aber er fand es auch super.



Übrigens war es ein echter Glücksfall, dass ich in den letzten Monaten eine Azubine bei mir sitzen hatte, die auch bald heiratet und die sich schon ausgiebig mit Einladungen befasst hat. Sie hat mir den tollen Tipp gegeben, anstatt eines Textes zu unserem Geschenkwunsch einfach ein Sparschwein zu drucken. Wir wünschen uns nämlich Geld zur Hochzeit und irgendwie fiel mir nichts Schönes ein, was ich hätte schreiben können und ich wollte auch nicht noch mehr Text reinschreiben, weil der eh schon lang geworden ist. Ich finde die Idee super :)


Den Leuten, die von weiter weg kommen, haben wir noch eine Broschüre mit Übernachtungsunterkünften in Bochum dazu gelegt und jeder Gast hat außerdem noch einen Zettel bekommen, auf den er 5 Musikwünsche schreiben darf. Ich weiß, dass viele unterschiedliche Leute kommen werden und auch musikalisch soll möglichst jeder auf seine Kosten kommen.Wir können ja nicht nur Metal spielen ;)

Ich bin total überrascht, dass mir bis auf weniger Ausnahmen schon alle Leute zugesagt haben und ich hätte niemals gedacht, wie gut die Musikwunschzettel ankommen. Es gibt schon so viele tolle Wünsche und teilweise feilschen ein paar Pärchen, die eingeladen sind, schon um Lieder, die der jeweils andere vielleicht noch auf seine Liste packen könnte :D Das hat mich sehr amüsiert. Dabei nehmen wir doch so oder auch gerne mehr als 5 Liedwünsche an. Hihi.

So, jetzt habt ihr das mal gesehen. Wie gesagt, weit entfernt vom Profi, aber definitiv mit viel Herz.
Und Karten für die Platzkärtchen habe ich auch schon besorgt. Die werden dann bald mal gebastelt. Will die ein bisschen an die Einladungskarten anlehnen. Genug Tortenspitze hätte ich noch. ^^


Vielleicht schreibe ich demnächst mal noch einen kurzen Beitrag zum Thema Hochzeit. Ein paar wilde Gedanken zu der Sache. Es gibt so viele kuriose und lustige Dinge zu dem Thema. Jeder hat halt bestimmte Vorstellungen und Wünsche und das fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Habt einen schönen Sonntag!

Sonntag, 30. April 2017

Brief an D. - André Gorz

 Klappentext:
'Du wirst zweiundachtzig. Du bist sechs Zentimeter kleiner geworden, du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe dich mehr denn je.'
So beginnt diese 'Geschichte einer Liebe', verfasst vom
83-jährigen Philosophen und Sozialtheoretiker André Gorz in Form eines langen Briefes. Er rekapituliert die 58 Jahre des Zusammenlebens mit D., einer Engländerin, die er 1947 in Lausanne kennen gelernt hatte und die dann seine Frau wurde.
Entstanden ist ein Rückblick der ganz besonderen Art auf ein gutes halbes Jahrhundert philosophisch-politischer und publizistischer Arbeit, bei der D. ihm immer zur Seite stand. Doch ganz am Anfang dieses Rückblicks steht auch die Frage: 'Warum nur bist du in dem, was ich geschrieben habe, so wenig präsent, während unsere Verbindung doch das Wichtigste in meinem Leben gewesen ist?' Dieses Buch ist kurz; es handelt nur von den wichtigsten Dingen.
Der Suizid des Ehepaares Ende September 2007 erscheint nach der Lektüre des Buches in völlig anderem Licht. Keiner von beiden möchte den anderen überleben, schreibt Gorz am Schluss seines Briefes. Mit dem gemeinsamen Freitod sind beide der Notwendigkeit entronnen, in dieser Welt ohne den anderen sein zu müssen.

Meine Meinung: Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, als ich meine Oma 2011 regelmäßig im Hospiz besucht habe. Obwohl es an sich ein trauriger Anlass ist, in ein Hospiz zu gehen, war ich immer gerne dort. Meine Oma war eine verdammt starke Frau und sie hat uns den Abschied wirklich so leicht wie möglich gemacht und konnte bis zum letzten Tag mit uns lachen. Und auch das Personal dort in diesem gemütlichen Haus hat den Aufenthalt sehr angenehm gemacht. Von daher war und ist das Hospiz an der Königsallee in Bochum für mich ein wundervoller Ort, an den ich gerne denke. Unten in der Eingangshalle steht an der großen Treppe, die nach oben führt, ein kleines Bücherregal, aus dem man Bücher herausnehmen und auch welche von sich reinstellen kann. Als ich einmal daran vorbei gegangen bin, stach mir dieses kleine, dünne Büchlein ins Auge. Ich habe es herausgenommen und nachdem ich die Worte auf dem Cover gelesen habe, war mir klar, dass ich es mitnehmen muss.
Erst jetzt habe ich es gelesen (an einem Nachmittag, nicht schwer bei nur 88 Seiten) und es hat mich tief berührt. André Gorz beschreibt hier die Geschichte seiner Liebe. Vom Kennenlernen über die schwierige Anfangszeit mit wenig Geld bis hin zum langsamen beruflichen Erfolg und damit verbunden auch der besseren Lebensqualität. Gleichzeitig aber auch von der getrübten Freude, weil seine Frau schwer erkrankt und er ihr das Leiden nicht abnehmen kann.
Das Einzige, woran er während all dieser Jahre nie gezweifelt hat, war die Liebe zu seiner Frau. Und in seinem Lebensabend blickt er nun auf das gemeinsame Leben zurück und erkennt, dass er viel zu selten über seine Gefühle gesprochen hat, dass er viel zu selten "Danke" gesagt hat. Letztendlich hat er das Gefühl, dass vor allem seine Frau es war, die seinem Leben einen Sinn gegeben hat.


"Das Kapitel sollte die wichtigste Wende meines Lebens deutlich machen. Es sollte zeigen, wie meine Liebe zu Dir, mehr noch: die Entdeckung der Liebe mit Dir, mich endlich dazu geführt hat, existieren zu wollen."



Ich mochte seine Erzählungen sehr gerne. Es war nicht immer alles rosig, beide haben viel diskutiert, hatten oft andere Ansichten, ja sogar völlig verschiedene Wesen, und dennoch hatten sie eine tolle Zeit zusammen.
Insbesondere die Tatsache, dass sich beide kurz nach der Vollendung dieses kleinen Büchleins das Leben genommen haben, macht das Buch irgendwie tragisch.
Ich habe schon öfter von solchen Geschichten gelesen und blicke etwas zwiespältig darauf. Sicherlich ist es irgendwie eine Art von Romantik und nicht zuletzt ist es ja auch durchaus verständlich, wenn man nach über 50 Ehejahren gar nicht mehr ohne den anderen sein möchte bzw. kann. Andererseits finde ich den Gedanken auch ein wenig gruselig, mein Leben könnte wirklich jeglichen Sinn verlieren, wenn mein Partner stirbt. Ich hoffe, dass ich in jeder Lebensphase auch noch Freunde und Familie haben werde. Ich möchte mich gar nicht nur auf meinen Partner fokussieren.
Aber auch André Gorz wird gewusst haben, dass er nicht mehr so viele Jahre hat und letztendlich ist es ja die Entscheidung von jedem selbst.
Wie steht ihr dieser Sache gegenüber?


Sehr interessant fand ich auch, dass Gorz einem viele Einblicke in die Gedankenwelt eines Künstlers und Autors gibt.


"Das Sagen ist wichtig, nicht das Gesagte; was ich geschrieben hatte, interessierte mich sehr viel weniger, als das, was ich sodann schreiben könnte. Ich meine, dass das auf jeden Schreiber/Schriftsteller zutrifft."


Alles in allem ein sehr nettes Büchlein, das innehalten lässt und berührt. Ich habe viel an meine Oma gedacht beim Lesen (ich habe auch zu wenig "Danke" gesagt und hoffe doch, dass sie weiß, dass ich immer dankbar war und immer noch bin) und es hat mir Freude bereitet.


Das Cover ist ja eigentlich gar keins, es ist ein abgedrucktes Zitat aus dem Text. Aber gerade das hat mich ja so angesprochen, daher finde ich die Idee nicht schlecht. Sollte eventuell öfter so gehandhabt werden, wenn einem sonst kein schönes Cover einfällt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich sowieso einen Faible für Zitate habe. Den Titel finde ich nicht besonders originell, zumal mich das D. zusätzlich irritiert. André Gorz war ein bekannter Schriftsteller, der unter anderem für Sartre gearbeitet hat und jeder kann den Namen seiner Frau schon im Wikipedia-Artikel nachlesen. Daher verstehe ich die Abkürzung nicht so ganz. Aber nun ja....wer versteht schon die Künstler? ;)


Würdest du dieses Buch erneut lesen? Grundsätzlich ja, allerdings habe ich mir die schönsten Zitate rausgeschrieben und werde das Buch nun weiter geben. Sicherlich erfreut es auch noch jemand anderen.

Samstag, 29. April 2017

Fremder - Moa Graven


Klappentext: Ein ganz normaler Freitag in Ostfriesland. Johann und Talea Schmees gehören auch zu denen, die sich ins Einkaufsgetümmel in Aurich stürzen. Als sie endlich fertig sind, machen sie sich auf den Weg nach Rechtsupweg zu Taleas Eltern. Doch sie kommen nicht dort an, denn sie machen auf der Landstraße einen Fund, der sich erst auf den zweiten Blick als grausame Entdeckung entpuppt. In einem Müllsack befinden sich Hände, Arme und Füße. Die Extremitäten von Toten. Was steckt dahinter? Jan Krömer und Lisa Berthold werden mit dem Fremden im Menschen konfrontiert.
Meine Meinung: Bei dem Buch handelt es sich um den 7. Fall von Jan Krömer. Ich habe es als EBook gewonnen und fand den Anfang sehr spannend. Als ich dann das komplette Buch heruntergeladen hatte, gab es aber schon den ersten Dämpfer: 255 Seiten? Daraus kann man doch keinen vernünftigen Krimi machen, oder? Nach dem Lesen lautet meine Antwort: Richtig, kann man auch nicht.
Vielleicht hätte ich zuvor die anderen Bände lesen müssen, aber für mich blieben Jan und Lisa genau so oberflächlich wie die Story. Die Dialoge wirken konstruiert und unecht. Ich hatte außerdem das Gefühl, dass die beiden immer nur eine halbe Stunde arbeiten und dann wieder nach Hause fahren und Wein trinken. Nicht mal aus der Beziehung der beiden wird man schlau. Sie sind nur Freunde und wollen auch nichts voneinander aber irgendwie doch. Sehr konfus für mich.
Und die Ermittlungen in dem Fall sind auch mehr als seltsam. Während der Fall an sich ja mehr als spannend sein könnte, ermitteln die beiden wie Trantüten und stellen an den Haaren herbei gezogene Theorien auf. Beispielsweise überlegen sie, dass der Sack mit Leichenteilen ja eventuell mit einem Traktor transportiert werden könnte und dass deswegen eventuell ein Bauer der Täter sein könnte und fahren daraufhin alle Höfe in der Umgebung ab. Am nächsten Tag fällt ihnen ein, dass es ja eventuell auch der Zeuge sein könnte, der den Sack mit Leichenteilen entdeckt hat und am übernächsten Tag sind sie wieder hinter einer neuen Tätergruppe her, ohne dass es irgendwelche Anhaltspunkte dazu gibt. Die beiden stolpern zum Täter und haben selbst überhaupt nichts dazu beigetragen.
Hinzu kommt, dass auf den 255 Seiten noch viel zu viele andere Themen angeschnitten werden. Mit Helif bekommen Sie einen ausländischen Mitarbeiter zugeteilt, der ziemlich schnell rechtsradikalen Anfeindungen aus dem Dorf ausgesetzt ist. Jan und Lisa regen sich schrecklich darüber auf und kritisieren ihre Mitbürger. Ein gutes und wichtiges Thema, keine Frage, aber dazu könnte man ein eigenes Buch schreiben. Nicht zuletzt ist Lise ein entschiedener Gegner der Massentierhaltung und lebt daher fast ausschließlich vegetarisch. Auch dieses Thema wird immer wieder diskutiert. Sicherlich ist das ein ebenso wichtiges Thema aber es passt nicht ins Buch, schon gar nicht in einen eh schon kurzen Krimi.

Der Titel gefällt mir immerhin gut. Er ist schön doppeldeutig, weil er einerseits auf Helif anspielen könnte, der als Fremder zum Ermittlungsteam dazu stößt und andererseits natürlich auf den Mörder, den alle kennen und der einem doch mehr als fremd ist. Das Cover ist definitiv ein Eyecatcher, allerdings ein bisschen ideenlos.

Ihr seht also, ich bin alles andere als begeistert. Nach langem mal wieder ein Vorablesen-Reinfall.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Nein.

Donnerstag, 20. April 2017

Das Labyrinth der Wörter - Marie-Sabine Roger


Klappentext: Germain Chazez ist eine Seele von Mensch, nur leider nicht der Schlaueste. Als er im Park Margueritte kennenlernt, wird sein Leben auf den Kopf gestellt. Denn die feinsinnige alte Dame beschließt, ihn für die Welt der Bücher zu gewinnen.

Meine Meinung: Dieses Buch lachte mir letztens aus dem Regal entgegen und hat mich quasi gezwungen, es rauszunehmen und zu lesen. Und das war gut so, denn die Geschichte ist zauberhaft. Für mich hat sie genauso eine schöne Leichtigkeit wie zum Beispiel "Chocolat" von Joanne Harris. Sie steckt voller kleiner Lebensweisheiten und ist dabei nicht belehrend. Im Gegenteil. Das Buch vermittelt einem das Gefühl, dass es völlig in Ordnung ist, wenn man nicht auf alles eine Antwort hat. Germain wurde als Kind von seiner lieblosen Mutter vernachlässigt und es hat sich einfach nie jemand ernsthaft darum gekümmert, ihm wirklich etwas beizubringen. So hat er sich immer so durchgeschlagen und sich alles, was er zum Leben wissen muss, selbst beigebracht (er ist zum Beispiel Experte im Gemüsegärten anlegen).
Allerdings blieben Dinge wie flüssig Lesen und vor allem Zusammenhänge bei längeren Texten verstehen auf der Strecke. Und ebenso das, was viele unter der sogenannten "Allgemeinbildung" verstehen. Germain hat dadurch regelrecht Angst vor Büchern. Und er ist auch nicht so gut in diesen gesellschaftlichen Verhaltensweisen und Höflichkeitsregeln. Er sagt geradeheraus, was er denkt und versteht den Sarkasmus seiner Freunde oft nicht. Dadurch eckt er an und wird schräg angeschaut oder sogar ausgelacht.

Irgendwann sitzt neben ihm im Park auf einmal Margueritte, eine alte Dame aus dem nahegelegenen Altenheim. Zuerst plaudern sie nur ein wenig, doch irgendwann bringt Margueritte ein Buch mit in den Park und beginnt, Germain vorzulesen. Für ihn ist sie die erste Person, die nichts von ihm verlangt, die ihn so nimmt, wie er ist. Und genau das motiviert ihn auf einmal, an sich zu arbeiten. Denn wie sich nach und nach heraus stellt, braucht nicht nur Germain Margueritte. Sie braucht ihn ebenso.
Ich sage immer, dass wir noch so ein gutes Abitur machen können, das hilft uns auch nicht immer. Wenn wir in Afrika eine Farm auf kargem Boden bewirtschaften sollten, uns im Dschungel zurechtfinden oder eine Wüste durchqueren müssten, wir wären ganz schön aufgeschmissen. Im Prinzip sagt dieses Buch dasselbe. Intelligenz ist relativ. Es ist nicht immer notwendig, berühmte Maler ihren Werken zuordnen oder Albert Camus zitieren zu können. Es kommt letztendlich vor allem auf soziale Intelligenz an.
Ganz toll finde ich außerdem, dass das Buch ermutigt, an sich zu arbeiten und vor allem, an sich selbst zu glauben. Mir gefällt der angesprochene Vergleich mir fruchtbarem Boden, der im Buch gemacht wird. Nur weil auf einem Stück Land grade nichts wächst, heißt das nicht, dass da nicht etwas wachsen kann, wenn man sich ein bisschen darum kümmert.

Zwischendurch setzt Germain, denn aus seiner Sicht ist die Geschichte erzählt, immer mal wieder die Definition aus dem Wörterbuch hinter ein Wort, das er benutzt. Er bekommt nämlich ein Wörterbuch von Margueritte geschenkt. Das macht ihn als Charakter irgendwie noch sympathischer und zeigt, wie stolz er auf das ist, was er neu dazu lernt.

Den Titel finde ich toll. Für Germain ist das Wörterbuch zu Beginn ein echtes Labyrinth, doch am Ende findet er heraus :). Und das Cover ist wunderschön und passend. Die beiden auf der Parkbank sind im Bild gut getroffen. So unterschiedlich eigentlich und doch so harmonisch zusammen.

Ein kleines Buch mit einem großen Statement gegen alle Klugscheißer und Besserwisser und Letztes-Wort-Haber dieser Welt. Viel Gelegenheit zum Schmunzeln und parallel schwingt immer die Liebe zur Literatur mit. Das Lesen hat mir sehr viel Freude bereitet.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Sehr gerne. Das ist sicher eines dieser Bücher, die ich zwischendurch herausnehme, um mal wieder drin zu blättern. Auch Zitate habe ich ganz viele heraus geschrieben. :)

Mittwoch, 19. April 2017

Aimée's geheimer Wunsch - Kelly Doust


Klappentext:
Maggie ist Auktionatorin und lebt mit ihrer Familie in London. Eines Tages stößt sie auf einen aufwändig gearbeiteten Kragen und ist wie elektrisiert: Wer hat diese Kostbarkeit gefertigt, und wie kam sie nach London? Die Geschichte des Kragens beginnt in der Normandie 1891, wo Aimée ihn als Schmuck für ihr Hochzeitskleid anfertigt. Er gelangt dann in die Hände der Pariser Trapezartistin Lexi, von dort an die Tänzerin Zephyr in Shanghai, und über Rom und Istanbul schließlich nach London. Hinreißende Episoden, die das Lebensgefühl von Frauen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Metropolen beschreiben, wechseln ab mit der Geschichte Maggies, die in der heutigen Zeit vor allem mit den Problemen einer berufstätigen Mutter kämpft.
Kelly Doust ist ein wunderschöner Roman gelungen – fein gewebt und reich bestickt.


Meine Meinung: Nach langer Zeit mal wieder ein EBook, daher wie immer in so einem Fall kein richtiges Foto. Auch gewonnen natürlich :D. Ich sag ja: momentan habe ich einen Lauf. Hab noch zwei weitere gewonnene Bücher zuhause,die auf mich warten. Aber nun erst mal zum aktuellen Exemplar. Die Leseprobe hat mir sehr gut gefallen und konnte mich sofort in den Bann ziehen. Nachdem ich das Buch endlich auf dem IPad hatte (mit dem Downloadlinks habe ich leider immer Probleme irgendwie), habe ich sofort mit dem Lesen angefangen. Dabei ist mir mal wieder etwas aufgefallen, was sicherlich auch schon einige von euch gemerkt haben: Ich bin eine hoffnungslose Träumerin. Und dieses Buch ist perfekt für alle Tagträumer. Wie oft stehe ich auf Flohmärkten, alten Gebäuden und Industrieanlagen oder in fremden Wohnungen, betrachte alte Stücke und frage mich, wem sie mal gehört haben, was sie schon alles gesehen haben. Wer hat den Satz in diesem Buch unterstrichen, das ich grade auf dem Flohmarkt ergattert habe? In welcher Villa stand die alte Kommode aus den 20er Jahren? Wer hat hier jahrelang gearbeitet? Zu welchen wichtigen Anlässe  wurde diese Brosche getragen? (Da wünscht man sich dann erst Recht Madame Pottine, die sprechende Teekanne aus Die Schöne und das Biest, herbei. Hihi)
Ich jedenfalls verbringe oft Stunden damit, mir Geschichten und Begebenheiten zu irgendwelchen alten Sachen auszumalen. Und genau darum geht es auch in diesem Buch.

Maggie ersteigert zusammen mit einem Haufen Krempel einne alten Kragen. Der fällt ihr sofort auf, weil er zwar sehr alt, aber sehr gut erhalten ist. Und weil er so akkurat und filigran gearbeitet ist. Ein echtes Schmuckstück. Sie fragt sich sofort, woher der Kragen wohl kommt und wer ihn angefertigt hat, doch durch ihren Job ist sie stark eingespannt und forscht niht weiter nach. Dabei liegt ihr das als Auktionatorin im Blut. Maggie muss aber so schon versuchen, ihre kleine Familie, den Job und die Probleme mit ihren Eltern in den Griff zu bekommen. Als nach einem Auftritt in einer Fernsehsender eine ältere Frau namens Francesca zu ihr kommt und ihr erzählt, dass der Kragen eine verschwommene Erinnerung in ihr wachgerufen hat, wird Maggie allerdings noch neugieriger. Sie erfährt von Francesca, dass diese als kleines Kind adoptiert wurde und dass sie ihre leiblichen Eltern nicht kennt. Maggie beginnt daraufhin doch mit den Nachforschungen und findet nach und nach Einiges über den Kragen heraus.
Parallel dazu bekommt der Leser viel detailliertere Eindrücke von der Reise des Schmuckstücks. Von Aimee, einem jungen Mädchen, dass sich nichts sehnlicher wünscht als die Freiheit, die aber einen älteren Mann heiraten muss und den Kragen für ihre Hochzeit näht, über Lexi zu Zephyr und Bell und einigen weiteren Stationen. Sie alle sind starke Frauen in völlig verschiedenen Situationen, denen der Kragen aber nie wirklich Glück gebracht hat. Maggie findet bei weitem nicht alles heraus, aber letztendlich kann sie Francesca zumindest ein kleines Stück Vergangenheit zurück geben.  Während der Recherche lernt sie außerdem viel über sich selbst und kann nach und nach auch erkennen, was für sie wirklich wichtig ist, auch wenn es da schin fast zu spät ist.

Ich finde das Buch ganz wunderbar. Man bekommt nicht nur eine Geschichte, sondern gleich ganz viele. Maggies Leben gibt zwar eine Art Rahmen, aber auch über die anderen Frauen und ihre Lebensumstände erfährt man viel. Jede Frau steht vor einem anderen Problem, mit dem sie fertig werden muss. Armut, Sehnsucht nach Freiheit, verbotene Liebe...das Buch wird dadurch sehr vielschichtig. Eigentlich hätte man am liebsten über jede Person ein eigenes Buch gelesen, aber auch so wird die Spannung angefacht dadurch, dass man hofft, zumindest durch Maggies Recherche noch ein bisschen mehr zu dem weiteren Lebensweg der jeweiligen Frau zu erfahren. Bis auf Zephyr waren mir auch alle sehr sympathisch, vor allem Maggie. Mit ihr kann man sich gut identifizieren, da sie vor alltäglichen Problemen steht, die viele von uns kennen.
Am Ende laufen alle losen Fäden zusammen und die Geschichte endet mir der Frau, mit der sie auch begonnen hat: Aimee. Ein sehr schönes Ende im übrigen, das diesen reichhaltigen, bunten nMund kurzweiligen Roman perfekt abrundet.

Das Cover finde ich leider nicht sehr gelungen. Es erschließt sich mir nicht, wer das sein soll und der abgebildete Kragen passt so gar nicht zu dem aus dem Buch.
Umso besser ist der Titel, denn Aimée hat wirklich ein Geheimnis, das ers ganz zum Schluss gelüftet wird. Mehr will ich aber nicht verraten. Lest lieber selbst!

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Mit Vergnügen.