Mittwoch, 11. Mai 2016

5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen - Bronnie Ware




Klappentext: Was zählt am Ende des Lebens wirklich? Wenn man mit dem Tod konfrontiert ist, geht es nicht mehr um Geld. Um Macht. Um Ruhm. Sondern um ganz fundamentale Fragen: Hat man ausreichend Zeit mit der Familie und den Freunden verbracht? Bereut man es, Dinge getan oder, noch wichtiger, unterlassen zu haben? War man glücklich? Die Australierin Bronnie Ware hat mehrere Jahre lang Sterbende bis zu ihrem letzten Atemzug begleitet und ihnen genau zugehört. Was diese Menschen vor ihrem Tod beschäftigte, davon handelt ihr Buch. Ware selbst hat aufgrund dieser Erfahrung beschlossen, nur noch das zu tun, was sie wirklich will. Denn, so sagt sie, „ich weiß ja, was ich sonst bereue.“

Meine Meinung: Sooo hier ist mal wieder ein gekauftes Buch. Ich hab es schon letztes Jahr im Dezember gekauft und schon viel länger damit geliebäugelt. Ich finde den Titel und das Thema einfach interessant. Wie jeder von uns wurde auch ich schon im Freundes- und Familienkreis mit dem Thema Krankheit und Tod konfrontiert und ich versuche auch, das Thema nicht zu tabuisieren, wie es meiner Meinung nach teilweise in unserer Gesellschaft passiert. Jeder von uns muss irgendwann sterben und ich bin mir sehr bewusst, dass das jederzeit passieren kann. Um so wichtiger ist es, das Leben zu genießen und das Beste daraus zu machen. Soweit zu meiner Ausgangseinstellung. Ich war sehr gespannt, was das Buch bzw. die Autorin zu diesem Thema zu sagen hätte.
Am meisten überrascht hat mich wohl, wie stark esoterisch das Buch ist. Ich finde, aus dem Klappentext geht nichts in dieser Richtung hervor.
Ich hatte erwartet, den Erfahrungsbericht einer jungen Frau zu lesen, die einfach die größten Versäumnisse von Sterbenden auflistet, hier und da eine Lebensweisheit eingestreut - salopp gesagt - und fertig ist das Buch.
Aber Bronnie Ware hat selbst ein bewegtes Leben und hat sich schon immer mit dem Sinn des Lebens, geistiger Gesundheit und Selbstheilung beschäftigt.
Bereits als sie als junge Frau eine Lehre als Bankangestellte gemacht hat, hat sie gemerkt, dass sie nach mehr sucht im Leben und schon bald kam wie durch einen Zufall die Sterbebegleitung in ihr Leben. Durch diese sehr emotionale, anstrengende und lehrreiche Zeit ist sie überhaupt erst auf die Idee gekommen, dieses Buch zu schreiben und hat außerdem sehr viel über sich selbst gelernt.
Das Buch berichtet also nicht nur über die einzelnen Patienten sondern ist zugleich auch eine Art Autobiografie von Bronnie Ware, weil man ihren Lebensweg und ihre Entwicklung als Leser ein Stück mitgeht.
Fasziniert hat mich vor allem, wie ähnlich sich die Lebenseinstellungen von der Autorin und mir sind. Besonders deutlich wurde mir das an verschiedenen Stellen im Buch, wenn das Thema "Glück" zur Spache kommt.


"Warum sind Sie so fröhlich?[...] Ich meine, nicht nur heute, sondern generell. Warum sind Sie so fröhlich?"
[...]
"Weil Glücklichsein eine Entscheidung ist, Rosemary, und ich versuche, mich jeden Tag dafür zu entscheiden. An manchen Tagen kann ich das einfach nicht. Wie Sie hatte auch ich ein hartes Leben, auf eine andere Art, aber trotzdem hart. Aber statt mich ständig darin zu verbeißen, was alles nicht so gut läuft und wie schwer ich es doch habe, versuche ich jeden Tag die guten Seiten zu entdecken und den Moment, in dem ich gerade lebe, einigermaßen zu genießen."


Genau so beeindruckt hat mich die Offenheit von Bronnie Ware, mit der sie auf andere Menschen zugeht. Sie versucht, niemanden zu beurteilen, sondern möchte jeden Menschen kennen lernen und ihn verstehen. Das wird vor allem deutlich, als sie von ihrer Arbeit als Coach in einem Frauengefängnis berichtet, aber genau so, wenn sie mal wieder von einem besonders unfreundlichen Patienten erzählt.
Aber im Laufe ihrer Karriere hat sie vor allem von ihren Palliativ-Patienten gelernt, was wirklich wichtig ist:


"Zerbrich dir nie den Kopf über irgendwelchen Kleinkram. Nichts davon ist wichtig. Nur Liebe ist wichtig. Wenn du das im Gedächtnis behältst, dass die Liebe immer gegenwärtig ist, dann wirst du ein gutes Leben haben."


Und auch sie selbst beherzigt diese Einstellung.


"Andere Kulturen und verschiedene Lebensstile faszinieren mich. Ebenso die kulinarischen Freuden, die es in anderen Kulturen zu entdecken gibt. Andererseits gleichen wir uns auch in vielerlei Hinsicht. Rassismus werde ich nie begreifen. Die meisten von uns ähneln sich schon darin, dass sie einfach nur glücklich sein wollen. Und wir alle haben ein Herz, das leiden kann."


Der ein oder andere mag das jetzt ein bisschen naiv finden, aber im Großen und Ganzen ist es genau so und sie spricht mir aus der Seele.
Ihr seht also, ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es steckt unglaublich viel Weisheit zwischen diesen Seiten. Es geht auch viel um die Liebe zur Natur und um natürliche heilende Kräfte, die zum einen in uns selbst stecken und zum anderen in der Natur um uns herum. Es geht darum, dass man mehr auf sich selbst, sein Bauchgefühl, sein Herz, seine Intuition hören sollte.
Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass es ein zwei Stellen im Buch gibt, besonders wenn Bronnie Ware über ihre Selbstheilung berichtet, in denen es sich fast nach Magie anhört. Ich verurteile das nicht, denn ich glaube an die Kräfte der Selbstheilung (zumindest bis zu einem gewissen Punkt), aber wenn man das einfach so wegliest dann kommt einem das schon etwas seltsam vor.
Klar, irgendwie muss man das sprachlich ja auch ausdrücken, andererseits denke ich mir, wäre das Thema vielleicht in einem anderen Buch besser aufgehoben, wo man dann eventuell ausführlicher darauf eingehen könnte. Zumal es bei den Patienten von Bronnie ganz klar ist, dass keine Heilung mehr möglich ist und das Thema daher in diesem Buch nicht wirklich Priorität hat.


Aber abgesehen davon fand ich das Buch toll.


"Jeder von uns hat Gründe, warum er sich leidtun kann. Jeder von uns hat schon gelitten. Aber das Leben ist uns überhaupt nichts schuldig. Wir sind uns nur selbst etwas schuldig, nämlich das Beste aus unserem Leben zu machen, das wir leben, aus der Zeit, die wir noch haben, und dafür dankbar zu sein. Wenn wir akzeptieren, dass wir immer weiter lernen müssen und dass manches dabei Leiden und manches Glück bringt, können wir zu viel größerem Gleichmut gelangen."


So wahr. Und jeden Tag bewundere ich die Menschen in meinem Leben, die diesem Motto auch folgen, obwohl sie schon einiges durchgemacht haben. Und ich kann jedem, der sich auch nur ein bisschen für all diese Themen interessiert das Buch sehr empfehlen. Trotz dem großen Thema "Tod" ist es nämlich ein sehr lebensbejahendes und meistens auch sehr fröhliches Buch.

Würdest du das Buch erneut lesen? Ja das würde ich. Es ist ist schon fast ein Lebensratgeber und ich habe mir viele schöne Stellen markiert. Das Buch bleibt auf jeden Fall im Haus Krög ;)

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