Donnerstag, 12. November 2015

"Du magst doch eh jeden!"

Diesen Satz habe ich in den letzten Wochen des Öfteren in diversen Versionen und von verschiedenen Leuten gehört. Beim ersten Mal dachte ich mir noch nichts dabei, aber so langsam fange ich doch an, darüber nachzudenken.
Das erste Mal fiel der Satz als ich Freunden von einem ehemaligen Schulkameraden erzählt hatte, den ich auf einer Party getroffen habe, und eben auch gesagt hatte, dass ich mich darüber gefreut habe.
Beim zweiten Mal weiß ich gar nicht mehr, in welchem Zusammenhang das genau fiel, aber gestern kam eine Kollegin zu mir ins Büro und fragte mich etwas zurückhaltend "Katja, du kannst doch eigentlich mit allen Leuten ziemlich gut, oder?". Sie wollte einen Rat wie sie mit einer bestimmten Situation umgehen soll. Das hat mich natürlich in erster Linie geehrt, aber ich war auch verdattert. Die Kollegin ist älter als ich und hat sicherlich einfach mehr Lebenserfahrung und mal ganz davon ab stellte ich mir die Frage, ob es wirklich bei allen Leuten so rüber kommt, als käme ich irgendwie mit jedem aus.
Ich habe da dann noch länger drüber nachgedacht und komme mittlerweile zu dem Schluss: Das stimmt tatsächlich in vielen Bereichen. Natürlich komme ich nicht mit jedem aus, aber mit sehr vielen Menschen. Und ich freue mich wirklich über diese Aussagen, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob das jeder immer komplett positiv meint. Manchmal werde ich dabei nämlich angesehen, als wäre ich so eine schrullige Alte :D
Ich glaube aber, dass das ein Grund ist, weshalb ich bislang gar nicht so schlecht durchs Leben gekommen bin.

Ich sage zum Beispiel, wenn mich etwas an jemandem stört, aber nur, wenn ich mit dieser Sache so gar nicht klar komme, mir derjenige wirklich wichtig ist bzw. ich viel mit ihm zu tun habe. Ich muss dafür aber nicht an jeder Kleinigkeit rummäkeln. Manchmal hilft tatsächlich auch mal Klappe halten. Menschen sind nun mal verschieden und das muss man oft auch einfach akzeptieren. Viel wichtiger ist doch, dass man hinterfragt, wieso sich jemand grade so und so verhält. Meistens ist das Verständnis dann auch größer. Wenn das nicht hilft, dann muss man reden, aber auch das möglichst auf einer vernünftigen Ebene. Und wenn man sich in zu vielem nicht einig wird? Ja dann ist das so. Man muss ja nicht mit jedem klarkommen und kann sich entweder aus dem Weg gehen und muss sich außerdem sowieso nicht immer gleich die Köppe einhauen, oder? Und ich verwende definitiv lieber meine Zeit darauf, den Leuten, die ich mag, das auch zu zeigen, statt denen, die ich nicht so mag, auf den Sack zu gehen. Haben ja alle mehr von im Endeffekt.

Zudem bin ich auch einfach nicht immer wegen jeder Kleinigkeit sauer. Ganz ehrlich? Wenn ich mitbekomme, weswegen sich manche Leute streiten, dann kann ich nur der Kopf schütteln. Wenn man sich mal länger nicht bei mir meldet, wenn man mal meinen Geburtstag vergisst, wenn man mal etwas grober im Ton ist...mein Gott...kann passieren. Wenn man sich grundsätzlich mag, dann sind das doch Peanuts!

Ich will jetzt natürlich nicht sagen, dass man immer schön ruhig alles hinnehmen soll. Natürlich nicht. Aber ich denke, dass wir uns doch sooo oft viel zu wichtig nehmen. Wenn wir den Fokus mal ein bisschen verschieben, dann erscheint Vieles eben doch nur noch halb so schlimm. Und Vieles ist einfach viel zu unwichtig um sich darüber aufzuregen. Das ist doch Lebenszeitverschwendung!

Als Letztes gebe ich natürlich auch offen zu: Ich bin harmoniesüchtig. Ich hasse Streits abgrundtief und grade weil ich mich selbst so selten streite, macht es mich - wenn es dann doch mal so sein sollte - ziemlich fertig. Genau so, wenn Freunde sich streiten etc. Das Gefühl das jemand auf mich wütend sein könnte ist furchtbar!
Also liegt es sicherlich auch an mir selbst....ich wäre am liebsten mit der ganzen Welt befreundet und auch wenn der Wunsch nach Weltfrieden bei Miss Undercover immer stark belächelt wurde, so kann ich doch sagen, dass das genau so was ist, was ich mir wünsche. Man kann so viel von anderen Menschen lernen.

Ich lerne öfter Menschen kennen, die so anders sind als ich, dass ich nie mit ihnen befreundet sein wollen würde, aber trotzdem ist es interessant, sich mal zu unterhalten. Und bevor man über andere urteilt, sollte man sich erst mal an die eigene Nase fassen. Niemand ist perfekt und jeder hat sein Päckchen zu tragen, oder? Das sollte man immer im Hinterkopf haben.

Ich wiederhole mich sicherlich bei einigen Dingen, aber ich bin wirklich überzeugt davon. Aus eigener Erfahrung kann ich definitiv sagen, dass ich sehr glücklich bin, mich so wenig zu streiten und einfach viele Menschen um mich herum zu haben, die ich so mag wie sie sind.

Mein Wort zum Dienstag (und vielleicht auch schon zur Vorweihnachtszeit?! ;))


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