Donnerstag, 8. Januar 2026

[kostenloses Rezensionsexemplar] Himmlischer Frieden - Lai Wen


 Zusammenfassung: Lai wächst in einem trubeligen Arbeiterviertel in Peking auf. Ihr Vater redet nicht, die Mutter interessiert sich nur für das Geschehen auf dem Hausflur, einzig die Großmutter ist wirklich präsent, kompromisslos in ihrer Liebe zu ihren Enkeln.
Bei einem Nachbarschaftsstreich lernt die junge Lai die Härte des Regimes kennen. Sie zieht sich zurück in die Welt der Bücher und erlangt ein Stipendium an der renommierten Peking-Universität. Dort eröffnet sich ihr eine neue Welt, in der die Meinung frei gesagt wird. Während sich der Widerstand gegen das Regime formiert, findet Lai ihre eigene Stimme und Freunde, die an ihrer Seite stehen auf dem Platz des Himmlischen Friedens.

Meine Meinung: Über den Gewinn habe ich mich sehr gefreut, weil ich zugeben muss, dass ich über die chinesische Geschichte nahezu gar nichts weiß. Und auch wenn es sich hier um einen fiktiven Roman handelt, lernt man auch durch solche Geschichten quasi automatisch etwas über das Land. 
Die erste Hälfte des Buches hat mich dahingehend dann erst mal enttäuscht, denn nach dem guten und spannenden Auftakt, in dem der Streich der Kinder eben in einer Tragödie endet, die Lai ihr Leben lang begleiten und prägen wird, geht es erst mal fast ausschließlich um eine Liebesgeschichte. Nur ihre Besuche im Buchladen und die Unterhaltungen mit dem alten Buchhändler haben mich dranbleiben lassen. Aber in der zweiten Hälfte des Buches, als sie an die Uni kommt, Freunde findet und sich politisch engagiert, wird es besser. Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die Beschreibung der Familiendynamik. Hier wird sehr gut klar, wie jedes Familienmitglied auf seine Art mit den Repressalien und dem Traumata der Vergangenheit umgeht.

Das Ende geht dann absolut unter die Haut und ich habe den Plottwist am Ende geliebt. Musste den berühmten "Tank Man" erst nochmal googlen und prüfen, ob das Ende wirklich fiktiv ist. Alles in allem also ein wunderbares Buch, wenn man etwas mehr über die Hintergründe des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens erfahren möchte.

Titel und Cover: Ich mag das Cover sehr gern, gehe natürlich davon aus, dass das Mädchen Lai sein soll und mag die Schlichtheit des Bildes, welches so im Kontrast zu der Geschichte des Buches steht. Und der Titel ist zwar naheliegend aber dennoch gut gewählt. Die Ironie, dass auf einem Platz mit diesem Namen etwas so Grausames passiert ist einfach schrecklich. Und schön ist es, dass Lai ihren Frieden am Ende aber immerhin doch auf eine Art finden kann. 

[kostenloses Rezensionsexemplar] Sie haben Ihr Toupet ins Glücksrad geschmissen - Sybille Bullatschek


 
Zusammenfassung: 
Ein neues Fernsehquiz versetzt das Haus Sonnenuntergang in helle Aufregung. In der „Ü80 Show“ können drei Senioren und eine Pflägekraft 50.000 Euro gewinnen.

Diese Chance lässt sich Sybille Bullatschek natürlich nicht entgehen und bewirbt kurzerhand das Heim für einen Auftritt in der Sendung, natürlich ohne ihren Chef, Herrn Otterle, einzuweihen.

Als die Zusage kommt muss sie nicht nur ihn von der Wichtigkeit der Show überzeugen, sondern auch die euphorischen Senioren im Zaum halten, die ihrem Auftritt in der Show entgegenfiebern und das komplette Heim in den Wahnsinn treiben.

Und als hätte die engagierte Pflägekraft nicht schon an genügend Fronten zu kämpfen, wollen ihr ausgerechnet jetzt auch noch ein paar Kolleginnen den Platz auf dem Quizstuhl streitig machen. Bei so viel Trubel sollte doch wenigstens das Privatleben etwas Entspannung bringen, aber auch hier geht es wieder drunter und drüber. Der attraktive Jean-Luc taucht unverhofft in Sybilles Leben auf und verdreht ihr gewaltig den Kopf. Eigentlich könnte alles so schön sein, wäre da nicht ihre Schusseligkeit, dank der sie den hübschen Franzosen fast ins Jenseits befördert.


Meine Meinung: Ganz ehrlich? Mein erster Gedanke bei dem Buch war "Das ist mittlerweile nichts mehr für mich!". Früher habe ich sehr gerne solche Quatsch-Bücher gelesen. Ildiko von Kürthy, Tommy Jaud usw. Aber in den letzten Jahren hatte ich so gar kein Bedürfnis mehr danach. Doch ich konnte nicht schlafen und dann lese ich manchmal einfach alle offenen Leseproben bei Vorablesen. Und überraschenderweise hatte ich mal wieder richtig Spaß, schon bei der Leseprobe. Ich vermute, es liegt auch daran, dass ich mir wirklich Sorgen ums Altern in einer Gesellschaft mache, in der das Pflegesystem schon jetzt am Rande des Kollaps steht und es dann um so mehr gut tut, eine lustige, leichte Geschichte zu lesen, die in einem Pflegeheim spielt. Die Figuren sind allesamt liebevoll und witzig und natürlich kann man sich vor allem mit der gestressten Sybille identifizieren.
Ich mag es außerdem, wenn Situationen dadurch komischer werden, dass immer mehr schief geht. Wenn man quasi eh schon kichert, weil drei Sachen in die Buchse gehen und dann noch Situation 4 und 5 on Top oben drauf kommen. 
Einen Kritikpunkt muss ich allerdings loswerden: Im Buch wird immer von "Pflägekraft" geschrieben. Ich verstehe den Witz nicht so richtig und es nervt mich beim Lesen jedes Mal, wenn dieses Wort auftaucht, weil ich richtiges Augenzucken bekomme. Absolut unnötig.

Mir hat das Lesen abgesehen davon aber viel Spaß gemacht und ich kann mir gut vorstellen, auch noch andere Bücher der Reihe zu besorgen.

Cover und Titel: Das Cover gefällt mir leider nicht so gut. Es ist mir zu bunt. Dafür find ich die gezeichneten Figuren gut gelungen und der Titel macht es eh wieder wett, weil der mich direkt Schmunzeln lässt und Bilder in meinem Kopf auslöst.

Mittwoch, 7. Januar 2026

[kostenloses Rezensionsexemplar] Komm mit in die Welt von Morgen - Katja Diehl und Emily Claire Völker



Zusammenfassung: Das erste Kindersachbuch von Mobilitätsexpertin Katja Diehl

Die SPIEGEL-Bestsellerautorin („Autokorrektur“ und „Raus aus der AUTOkratie“) macht nicht nur Kindern, sondern auch erwachsenen Leser*innen Lust auf Veränderung und lädt in ihrem ersten Kindersachbuch auf eine spannende Reise in die Welt von morgen ein.gemeinsam mit der fünfjährigen Hauptfigur Hope tauchen die Leser*innen in eine Welt der Zukunft ein, in der es viel Spannendes und Neues zu entdecken gibt
kindgerecht erklärt mit Beispielen aus der Lebensrealität von Kindern aus der Stadt sowie vom Land
farbenfrohe Illustrationen mit starker Message von Emily Claire Völker, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern
zahlreiche Tipps und Anregungen für Eltern und Bezugspersonen
zum Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren

Katja Diehl hat sich voll und ganz dem Mobilitätswandel verschrieben und bringt das Thema nun auch Kindern ab 5 Jahren näher. Kindgerecht erklärt entdecken die Leser*innen zusammen mit der fünfjährigen Hauptfigur Hope die Welt von morgen. Wie hat sich das Zusammenleben der Menschen verändert? Wie sieht der Schulweg in der Zukunft aus? Oder wo spielen Kinder in der Welt von der fünfjährigen Hauptfigur Hope? Mit vielen Beispielen holt Katja Diehl die Kids in ihrer Lebensrealität ab, regt zum Nachdenken und Diskutieren an und macht Lust, sich gemeinsam für eine bessere Zukunft einzusetzen.

Meine Meinung:
Wer mich kennt wird sich nicht wundern, dass mich dieses Buch bei Vorablesen Junior sofort interessiert hat. Dass wir nicht mehr so weiterleben können, wie die letzten Jahrzehnte dürfte jeder mit ein bisschen logischem Verstand einsehen und wenn es zu dem Thema kindgerechte Bücher gibt: Her damit! Und ich wurde nicht enttäuscht. Farbenfroh und liebevoll illustriert wird hier gezeigt, wie die Zukunft in Städten mit besseren Radwegen, ÖPNV und anderen Wohnkonzepten aussehen kann. Außerdem sind die Figuren in dem Buch selbstverständlich divers ohne dass das erklärt werden muss., Lieben wir. Natürlich ist es trotzdem bislang eine absolute Utopie. Es erfordert Mut und Optimismus, all diese Dinge wirklich umzusetzen, vor allem solange es so viele Menschen gibt, die sich schon durch ein Tempolimit in ihrer Freiheit eklatant eingeschränkt fühlen. Aber um Kindern das Thema näher zu bringen finde ich dieses Buch wunderbar.
Ich hab es mit großer Freude gelesen und anschließend an eines meiner Patenkinder weitergegeben.

Cover und Titel: Der Titel gefällt mir vor allem deswegen, weil er dich als Leser quasi an die Hand nimmt. "Komm mit, ich zeig dir was!". Das macht doch neugierig, oder? Und das Cover ist dazu wunderbar passend, weil Hope darauf schon so aussieht, als habe sie genau den Satz grade gesagt und als schaue sie einen auffordernd an. Ein schönes Gesamtpaket.


 


Freitag, 9. Mai 2025

[kostenloses Rezensionsexemplar] Cinema Love - Jiaming Tang

 

Zusammenfassung: Während in einem Kino in der chinesischen Provinz Fuzhou alte Kriegsfilme laufen, finden Old Second und Shun-Er in der Privatsphäre der Vorführräume eine große, aber verbotene Liebe. An der Kinokasse verkauft Bao Mei Tickets an nervöse Männer, hütet ihre Geheimnisse, berät sie in ihrem Liebesleben und findet schließlich ihr eigenes Glück. Doch als Shun-Ers Frau die Homosexualität ihres Ehemanns aufdeckt, trifft sie eine verhängnisvolle Entscheidung, die die Leben aller Beteiligten aus den Angeln hebt. Old Second und Bao Mei werden daraufhin in eine höchst ungewisse Zukunft in Amerika getrieben, wo sie feststellen, dass für viele Einwanderer der amerikanische Traum eben doch nur das ist: ein Traum. Zwischen den Reisfeldern Chinas und den Malls der USA entspinnt Jiaming Tang eine hochemotionale Geschichte um die Männer, die ihre Wahrheit nicht leben können, und die Frauen, die sie geheiratet haben.


Meine Meinung: Puh....ich muss gestehen, dass ich mich ein bisschen durch das Buch gequält habe. Irgendwie hat mir ein bisschen der rote Faden gefehlt bzw. war mir selten klar, worauf der Autor mit dieser Geschichte nun seinen Fokus legen will. Ist es die gesellschaftliche Ablehnung von Homosexualität? Ist es Homosexualität in der asiatischen Kultur? Ist es Auswanderung? Ist es das Leiden von Frauen, die homosexuellen Männern versprochen wurden? Letzteres schien mir am ehesten das vorherrschende Thema zu sein. Dann hab ich mich auch unfassbar schwer damit getan, dass eigentlich immer, wenn es um Sex/Intimität zwischen Männern ging, abwertend auf das Thema Geruch eingegangen wurde. Für mich war das enorm störend. Ja, Körpergerüche können auch mal unangenehm sein, aber mir kam es so rüber, als würde das hier immer der Fall sein, wenn Männer miteinander schlafen und das ist ja wohl mal kompletter Schwachsinn.

Gefallen hat mir hingegen, wie eindringlich die Scham aller Beteiligten deutlich wurde. Shun-Er, der schon als Jugendlicher die Ablehnung seiner Eltern erfährt, als er mit einem anderen Jungen erwischt wird. Yan Hua, die als seine spätere Frau lieber das Arbeiterkino und sämtliche dort verkehrende Männer verrät und somit deren Leben riskiert, statt sich einer Trennung zu stellen. All dies zeigt, wie schwer es Homosexuelle heute noch haben und wie viel schwerer dann eben noch, wenn sie aus einem anderen Kulturkreis kommen, als ich es tue. Das hallt nach und macht traurig. Sicherlich die wichtigste Message des Buches. 
Alles in allem hat mir aber leider eine stringente Handlung gefehlt. Und ich muss leider auch sagen, dass mir keiner der Charaktere wirklich sympathisch war, was mir den Zugang zur Geschichte zusätzlich schwer gemacht hat. Frosch, Old Second, Little May (die Namen sind eventuell noch ein Punkt, der mich manchmal genervt hat, denn zwischen all diesen Namen heißt eine Figur dann auf einmal "Kevin". Hä? :D)...sie alle können einem zwar irgendwie leid tun, weil sie alle sehr einsam sind. Aber da sie auch alle ziemlich oft gemein sind, versteht man ihre Einsamkeit auch und so beißt sich die Katze in den Schwanz.

Titel und Cover: Der Titel ist selbsterklärend und ich mag die Doppeldeutigkeit. Schon aus dem Klappentext geht hervor, wieso der Roman so heißt. Wenn man aber nur den Titel liest, könnte man ja leicht denken, es ginge hier um eine romantische Komödie, eben "wie im Film". Das Cover ist dementsprechend passend zum Titel. Mir gefällt es sehr gut!


Sonntag, 27. April 2025

[kostenloses Rezensionsexemplar] Game of Noctis


Zusammenfassung: 
Ein magisches Abenteuer steht Pia bevor. Zusammen mit dem Team der Seefüchse macht sie bei Noctis mit, dem wichtigsten und zugleich gefährlichsten Spiel in ganz Dantessa. Dort müssen Pia und ihre Freunde gegen andere Teams antreten, ohne vorher zu wissen, welche Aufgaben auf sie warten. Werden sie unter Wasser oder über den Dächern der Stadt kämpfen, mit Degen oder vielleicht mit Marshmallows? Auf alles müssen sie sich vorbereiten und entdecken dabei ganz unerwartete Verbündete und auch, wer eigentlich hinter den Spielen von Dantessa steckt – eine wilde Jagd durch die Stadt und ein Kampf Gut gegen Böse beginnt.

Meine Meinung: Als ich gelesen habe, dass das Buch ab 10 Jahren geeignet ist, hätte ich nicht gedacht, dass mich die Leseprobe so fesseln würde, wie sie es getan hat und habe eher beim Gewinnspiel mitgemacht, um das Buch für eines meiner Patenkinder zu gewinnen. Aber dann war ich doch selbst direkt gefangen in der Geschichte. Die Idee einer Insel, auf der man seinen Lebensunterhalt- ja sogar seine Daseinsberechtigung - nur durch gutes Spielen verdienen kann, hat mich neugierig gemacht und Pia und ihr Großvater sind mir direkt ans Herz gewachsen, weshalb ich unbedingt weiterlesen wollte. Und spätestens als ich das restliche Team der Seefüchse kennenlernen konnte, war es um mich geschehen und ich hab mich gefühlt wie vom Buch verschluckt. Die unterschiedlichen Spiele, die Schauplätze auf der Insel, die oft etwas gruselig sind, die liebevollen Figuren (vor allem die Todesfee und Serafina fand ich dermaßen spannend!), die mal gruselig, mal lustig sind, all das macht das Buch zu einer wunderbaren Leseerfahrung, die ich auch älteren Lesern sehr ans Herz legen kann. Habe mich auch manchmal gefühlt als wäre ich wieder bei dem Computerspiel Monkey Island ;)

Titel und Cover: Die Illustration passt gut zur Geschichte da die unterschiedlichen Figuren im Noctis Spiel zusammen mit der Stadt Dantessa abgebildet sind. Als Titel hätte ich eventuell nur "Noctis" gewählt, da es mich immer irritiert, wenn der Titel auf Englisch, das Buch aber auf Deutsch geschrieben ist.