Dienstag, 30. Mai 2017

Schottland-Urlaub Teil 5

Der Montag stand ganz im Zeichen von Dingen, die typisch schottisch sind. Vormittags sind wir zu einer Destillerie gefahren. Die Glen Ord Distillery in Muir of Ord. Diese wird im dem Buch über Schottland empfohlen, das meine liebe Brieffreundin Michaela mir geschenkt hat. Nicht nur in dieser Sache war das Buch eine große Hilfe. Aber nach dem Urlaub werde ich das gesondert rezensieren. Ich wollte nur erwähnen, weshalb wir uns erst mal diese unbekanntere Destillerie ausgesucht haben. Unbekannt ist sie übrigens vermutlich vor allem weil dieser Whisky nahezu ausschließlich auf dem asiatischen Markt verkauft wird. Der scheint dort suuuper gut anzukommen.



Dort angekommen sind wir direkt ins Visitor Centre gegangen und hatten echt Glück. Es war fünf vor elf und um elf sollte die nächste Tour losgehen. Perfektes Timing. Wir haben uns also noch kurz in dem schicken Shop umgesehen und dann kam schon eine sehr nette junge Frau und hat uns abgeholt. Mit uns haben noch zwei Ehepaare an der Tour teilgenommen. Nach kurzer Nachfrage der jungen Frau, wo wir alle herkommen, stellten sie sich als Belgier vor. Und dann ging es auch schon los. Sie führte uns zu einer Ecke, in der Gerste in verschiedenen Stadien in Fässern aufbewahrt wurde und begann mit der Erklärung. Vorab hat sie uns noch schriftliche Tourführer gezeigt, die in vielen verschiedenen Sprachen angeboten wurden und die wir gerne zum besseren Verständnis mitnehmen dürften während der Tour. Ich hab mir dann einen geschnappt, ihn aber gar nicht gebraucht, weil man die Dame wirklich super verstanden hat.
Leider bin ich furchtbar schlecht darin, mir all diese Abläufe zu merken, auch wenn ich es in dem Moment selbst sehr interessant finde. War auch schon zwei Mal in der Fiege Brauerei und kann immer noch nicht genau erklären, wie man Bier braut. Behalten habe ich, dass die beiden wichtigsten Zutaten für jeden Whisky Wasser und Gerste sind. Und dass die Gerste erst ins Wasser gelegt wird, damit sie keimt. Dann wird sie getrocknet und anschließend geräuchert. Mit heißem Wasser wird dann der Zucker aus der Gerste "gezogen" und man lässt die Flüssigkeit gären. Sie hat dann 8-9 Prozent Alkohol, also wie ein starkes Bier. Anschließend wird die Flüssigkeit noch zwei mal destilliert (zwei Mal ist nötig, weil nach dem ersten Mal erst ca. 25 % Alkohol enthalten sind, was ja immer noch zu wenig ist). Das passiert in großen Kupferbehältern. Das war mit Abstand der schönste und beeindruckendste Raum in der Destillerie. Leider durfte man keine Fotos machen, aber irgendwie ja auch verständlich. Keiner will Betriebsgeheimnisse rausgeben.
Und nach diesem hier recht vereinfachten Vorgang muss der Whisky mindestens 3 Jahre (gesetzlich vorgeschrieben) in Eichenfässern reifen.


Von dem Lagerraum durften wir ein Foto machen. Sieht irgendwie toll aus, oder? Obwohl es ja nur Fässer sind. Übrigens sagte unser Tourguide uns auch, dass wir kaum einen Whisky finden werden, der nur drei Jahre gereift ist. Die meisten reifen wesentlich länger. In der Glen Ord Distillery ist der jüngste Whisky, der zum Verkauf steht, 12 Jahre gereift.
Das besondere an der Glen Ord Distillery ist außerdem, dass dort die Gerste selbst gemälzt wird. In ganz Schottland gibt es wohl nur 8 Destillerien, die das selbst machen.
Und natürlich läuft der komplette Herstellungsprozess in dieser einen Brennerei abgewickelt. Nur dann darf man von einem Single Malt Whisky sprechen.
So...ich hoffe, ihr habt was gelernt ;) Das beste an der ganzen Besichtigung kann ich euch aber nicht wirklich nahebringen. Das war nämlich der Geruch. Es hat die ganze Zeit über sooooo gut gerochen. Malzig, süß (viel süßer als der Whisky letztendlich schmeckt) und ein bisschen herb. Den Duft hätte ich gerne konserviert und mitgenommen! Wir durften unsere Nasen außerdem auch noch in zwei verschiedene Fässer stecken. In beiden reift zwar der selbe Whisky, aber in einem Fass war früher Sherry und in dem anderen Bourbon. Das hat wirklich komplett anders gerochen. 
Das muss man wirklich mal selbst ausprobieren!
Es war jedenfalls eine wirklich interessante Tour und ich habe mich riesig gefreut, ein Stück schottischer Kultur kennen zu lernen. Zudem war unsere Tour-Führerin echt super nett. Sie hat gefragt, wo wir genau herkommen und uns erzählt, dass sie einige Zeit in Heidelberg gelebt hat. Uns ein paar Sätze auf Deutsch hat sie präsentiert. War super lustig und ich hatte direkt weniger Hemmungen, Englisch zu reden. Als Tour-Abschluss gab es dann noch eine kleine Verköstigung des 12 Jahre alten Whiskys. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Whisky, aber er wird definitiv nicht mein Lieblingsgetränk. Da bleibe ich lieber beim Bier. Oder wenn es ans Hochprozentige geht, dann Gin (den brennen die Schotten zu meiner Überraschung auch gerne....das wusste ich vorher gar nicht). Es war aber super spannend, nach der Tour genau den Whisky zu probieren, der dort auch gebrannt wird. Er hat für mich sehr nach Toffee gerochen, aber geschmeckt habe ich den nicht. Geschmeckt hat er einfach torfig und stark. Grundsätzlich gehört dieser Whisky wohl auch zur stärkeren Fraktion. Letzten Endes haben wir dann noch ein bisschen was im Shop gekauft (natürlich auch eine Flasche Whisky) und sind glücklich von Dannen gezogen. :) 
Also falls ihr mal eine Destillerie besuchen wollt: Die hier können wir empfehlen!

Da wir auf dem Rückweg eh über Inverness fahren mussten, haben wir dort auch nochmal gehalten. Tommy wollte sich selbst noch einen Schal kaufen und noch nach ein paar Mitbringseln gucken. Wir waren unter anderem im Highland House of Fraser und dort war ich ganz fasziniert, von den dicken Mappen voller Stoffproben unterschiedlicher Tartanmuster. Ob es echt Leute gibt, die in das Geschäft gehen und schon genau ihr gewünschtes Tartanmuster kennen? Mit Sicherheit. 
Auch für Harris Tweed gab es große Musterbücher. Irgendwie habe ich ja eine Schwäche für Tweed. Vermutlich weil er für mich diese alte britische Eleganz verkörpert....


Die Auswahl an Schals im Tartanmuster gibt es natürlich auch in Hülle und Fülle:


Und alle, die Tommy kennen, dürfen jetzt mal raten, welchen Schal aus dem Bild er sich ausgesucht hat :D

So langsam haben wir dann Hunger bekommen und schon vom letzten Besuch wussten wir, wo wir das Hootanannys finden. Letzte Woche standen wir schon davor. Ich hatte vorher im Internet eine Empfehlung für diesen Pub gesehen. Es soll dort echt gutes und authentisches schottisches Essen geben. Ein Blick auf die Karte sagte mir, dass es Stew gibt. Also nix wie rein. Das war eines meiner Ziele für diesen Urlaub: schottisches Stew probieren.


Wir wurden sehr nett bedient und ich habe mir ein Ale empfehlen lassen. Mit Heide und Honig. Sehr lecker. Für mich gab es dann das Highland Beef Ale Stew und Tommy hatte einen Local Beef Burger.


Das war definitiv das beste Essen, das wir bislang in Schottland gegessen haben. Mein Fleisch war butterzart mit kräftiger Soße und auch Tommys Burger war ein Traum. Das Fleisch hatte einen köstlichen Geschmack. Sehr zu empfehlen!
Nachdem wir dann nochmal in dem Musikladen waren und ein paar CDs gekauft haben, ging es heim ins Cottage.

Heute morgen klingelte um sieben Uhr der Wecker, denn heute wollten wir nach Fraserburgh fahren. Das ist ein Dorf zwei Stunden östlich von Inverness, quasi auf der östlichen Ecke von Schottland. Es gab keinen speziellen Anlass dafür, wir wollten es uns einfach mal ansehen, außerdem führt die Strecke dorthin schön an der Küste entlang. Letztendlich sind wir aber gar nicht bis nach Fraserburgh gekommen. Hihi. Auf dem Weg dorthin kamen wir nämlich durch das Örtchen Cullen und schon von Weitem haben wir die Klippen und den schönen Sandstrand gesehen. Also haben wir im Ort geparkt und sind runter an den Strand gelaufen.


Wie das oft so ist mit spontanen Trips: Sie sind die besten. Wir sind den kompletten Strandabschnitt entlang gelaufen und dann die Klippen hochgekraxelt. Oben hab ich versucht, mit dem Selfiestick ein Foto davon zu machen, wie wir auf der Bank sitzen und aufs Meer gucken. Hat so mittelmäßig gut geklappt, war aber sehr lustig. Hoffentlich hat uns keiner gesehen. Muss total idiotisch ausgesehen haben :D


Beim Hochsteigen kamen wir an einem Felsen vorbei, in den ein Loch gespült wurde. Das war schon wieder voll das Highlight für mich. Sowas hab ich bislang nur bei Mare TV gesehen. Sah sehr beeindruckend aus!


Als wir oben noch ein Stück weiter gelaufen sind, kamen wir dann zu einer noch viel beeindruckenderen Kulisse. Der sogenannte Portnockie-Felsen. Auch der war ausgespült, er war nur noch um einiges größer. Überall haben Möwen gekreischt und die Brandung hat gerauscht. Tommy hat ganz viele Fotos gemacht und ich hab auf einer Bank gesessen und die Aussicht genossen :) 
Übrigens saßen unten auf einem Felsen ganz viele von meinen "Pinguinen", also den Trottelummen. So ereignisreich schien unsere Entdeckung von vorgestern also gar nicht zu sein :D


Nachdem wir genug geschaut und fotografier hatten, sind wir wieder zurück gelaufen. Direkt an unserem Auto war ein kleiner Eisladen und ich hatte richtig Bock auf Eis. Also nix wie rein. Vielleicht ist es interessant zu erzählen, dass schottische Eisdielen ganz anders sind als unsere. Hab nun schon in ein paar reingeschaut. Während bei uns ja in der Regel alle Eisdielen mediterranes, italienisches Flair versprühen wollen, sind die Eisläden, die ich hier bislang gesehen habe, eher Süßigkeitenläden. Neben Eis gibt es Unmengen an Bonbons und man hat viel zu bestaunen.


Viele Läden haben außerdem so süße kleine Markisen über ihren Türen...sieht oft so ein bisschen 70r Jahre mäßig aus und ich find das toll!
Die Dame in dem kleinen Laden war, wie alle anderen hier auch, super freundlich. Man hat den Eindruck, dass die Leute sich hier total freuen, wenn man ihr Land besucht und man merkt, dass sie alle stolz sind, auf ihre Heimat. Sie hat uns erzählt, dass sie ihr Eis komplett selbst herstellen und mir erst mal etwas von der Grundmasse zum probieren gegeben. Und dann hat sie uns noch einen tollen Wanderweg empfohlen (den ich versuchen werde, mir zu merken! Wir waren in dem Moment zu platt). Und wir sind dann mit Blaubeer- und Schoko-Minz-Eis wieder rausmaschiert. Soooo lecker!
Und komplett hausgemacht!


Und wo ich grade von süßen kleinen Läden spreche: Im Ortskern gab es einen Antik- und Bücherladen und die Öffnungszeiten fand ich sehr süß :D

Mittlerweile war klar, dass wir nicht mehr bis nach Fraserburgh kommen würden. War aber nicht schlimm. Stattdessen sind wir noch bis Macduff gefahren. Dort sind wir aber nicht lange geblieben, denn plötzlich baute sich eine dicke schwarze Wolke wie aus dem Nichts auf und da sind wir loeber ins Auto geflüchtet. In den Highlands wechselt das Wetter eben schnell.


Nach wenigen Minuten war es auch schon wieder hell und wir sind dann noch zu ein paar Destillerien gefahren. In der Gegend dort häufen die sich. In Dufftown zum Beispiel liegt die berühmte Glenfiddich Destillery. Wenn ich Whiskey trinke, dann diesen! Die Destillerie war auch wirklich sehr hübsch.
Und wer noch etwas lernen will: Auf dem Foto seht ihr einen kleinen Turm mit Kupferspitze. Das ist typisch für eine Destillerie. Sobald ihr so einen Turm seht, wisst ihr demnach, dass ihr an einer angekommen seid :)


Ganz am Ende haben wir noch an einer Cooperage - einer Fassfabrik - angehalten. Die hatte leider schon geschlossen, aber alleine das Außengelände war es wert. Und was wäre die Whiskeyherstellung ohne Fässer? ;)


Jetzt geht es ab ins Bett und morgen vermutlich mal wieder in die Highlands. Bis baaald :)




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