Montag, 14. November 2016

Besuch auf Schloss Hohenlimburg in Hagen

Bei Tommy und mir hat sich eine kleine Sonntagstradition eingeschlichen. In den letzten Wochen versuchen wir wirklich regelmäßig, am Wochenende an einem Tag richtig ordentlich frische Luft zu schnappen und uns zu bewegen. Das liegt zum Einen daran, dass wir beide eigentlich echte Frischluftfanatiker sind und gerne neue Orte entdecken und zum anderen sicher auch daran, dass Tommy sich eine neue Kamera gekauft hat und die natürlich ordentlich getestet werden muss.
ich bin so dankbar dafür, dass wir beide gerne raus in die Natur gehen. Ich hasse es, den ganzen Tag in der Bude zu hocken und genau so würde es mich auf die Palme bringen, wenn ich jemanden als Partner hätte, dem ich ständig in den Arsch treten muss, weil er antriebslos auf der Couch hockt.
Sicherlich gibt es auch mal Tage, an denen ich mal den ganzen Tag auf der Couch verbringen möchte, aber die sind eher selten. Ich gehe lieber raus und genieße dann Abends als Tageabschluss die Kuscheldecke, den Tee und ein Buch.


Jedenfalls waren wir gestern auch wieder unterwegs und zwar haben wir das Schloss Hohenlimburg in Hagen besucht. Ich liebe Schlösser und Burgen und war daher sofort Feuer und Flamme, als Tommy das vorschlug. Björn und Julia kamen auch mit und als wir am Schloss standen, waren wir kurz enttäuscht, weil am Tor ein Schild mit "Geschlossene Gesellschaft" hing. Aber es stand weit offen und daher habe ich die Dame im Kassenhäuschen gefragt. Die sagte, dass wir momentan nur nicht ins Schloss können, weil dort eine Geburtstagsfeier stattfindet, aber das Außengelände könnten wir gerne für 3 € besichtigen und wenn wir noch einen Euro draufzahlen würden, dann könnten wir auch noch ins Kaltwalzmuseum. Ich hatte zwar nicht so wirklich eine Ahnung, was das genau bedeutet, aber ein kurzer Blick in die Runde und es war klar, dass wir den einen Euro mehr gerne bezahlen würden.
Und dann ging es los, die kurze Auffahrt zu Schloss hoch, die schon hunderte Jahre auf dem Buckel hat (wenn ich mich wirklich auf diesen Gedanken konzentriere, dass hier im Mittelalter Kutschen hochgefahren sind, dann bekomme ich immer Gänsehaut) und zu einem wunderbaren Aussichtspunkt über Hagen. Noch viel besser gefiel mir aber der Eingang zum Schlosshof. Eine recht steile, ziemlich enge Gasse mit übermauerten Durchgängen. Richtig urig. Da fallen die Gedanken an das mittelalterliche Treiben von damals noch viel leichter! Im großen Innenhof angekommen wechseln sich Burgmauern und Fachwerkfassaden ab und es sieht wirklich sehr hübsch aus.
Links liegt das Restaurant, in dem auch schon reges Treiben herrschte, und rechts geht es zum Wehrgang hoch. Das fand ich total toll, denn auf so einem Wehrgang bin ich noch nie entlang gegangen. Kann mich zumindest nicht daran erinnern. Von da oben hatte man natürlich auch einen super Blick über die Umgebung. Außerdem gab es zwei herzallerliebste Ecktürmchen, die ich mir am liebsten sofort zu Lesezimmern eingerichtet hätte. Tatsächlich war aber der eine ganz leer und der andere beherbergte irgendein Spiel für Hochzeitspaare. Haben uns das nicht so genau angesehen, aber generell ist das sicher ein ganz toller Ort, um zu heiraten :)


Wieder unten angekommen sind wir dann in das Museum marschiert. Dort wurden wir von einem netten Herren mittleren Alters empfangen, der uns eine sehr schöne, kurze Einleitung zum Thema des Museums gegeben hat. Kaltwalzen ist ein Metallverarbeitungsverfahren, bei dem der Rohstoff plattgewalzt wird und dieses verarbeitete Metall findet dann Verwendung in nahezu jedem Alltagsgegenstand, den wir so kennen und in dem irgendwie Metall verarbeitet wurde. Direkt am Eingang steht auch ein kleiner Schaukasten, in dem man direkt einige davon sehen konnte. Bügeleisen, Keksausstecher, Scheren, Messer und und und.


Ich fand es super, dass der Herr uns quasi eine Einführung und ein paar wirklich Interessante Eckdaten geliefert hat, und uns dann aber uns selbst überlassen hat. Ich entdecke lieber selbst und frage gegebenenfalls hinterher nach, als mich stundenlang vollquatschen zu lassen. Davon behalte ich dann eh nichts. Aber so weiß ich jetzt, dass dieses Kaltwalzverfahren in Hagen erfunden wurde und dort auch heute noch einen riesigen Anteil der ansässigen Industrie ausmacht. Fast alle Firmen, die dieses Verfahren in Hagen anwenden, sind langjährige Familienbetriebe, die noch wert auf einen sozialen Arbeitsplatz legen und die sich vermutlich genau deswegen so lange gehalten haben. Der Herr drückte es, glaube ich, mit den Worten "Die arbeiten noch mit Verstand UND Herz."
Tatsächlich wird mit den Werken in Hagen auch 60 % des europäischen Bedarfes an mit dem Kaltwalzverfahren bearbeitetem Metall gedeckt. Es hat mich total fasziniert, dass ein Industriezweig sich so lange und so dicht in einer Region halten kann.
Das Museum an sich war auch total interessant. Unten standen die ganzen größeren Maschinen, nahezu alle über 100 Jahre alt und dann ging es über 3 Etagen weiter nach oben und man konnte alle möglichen Ausstellungsstücke begutachten. Webkämme, militärische Abzeichen, Nähzubehör, Werkzeug, Spielzeug und so weiter. Überall durfte man alles fotografieren und anfassen. Ich finde das toll, gehe sehr vorsichtig mit diesen Dingen um und merke mir vieles Tatsächlich besser, wenn ich es von Nahem betrachten und anfassen kann. Aber natürlich verstehe ich, wenn das in vielen Museen nicht möglich oder auch einfach nicht gewünscht ist.
Hier konnte man jedenfalls alle Schubladen aufziehen und alles genauestens unter die Lupe nehmen und es gab ein Kleid mit Reifrock und Corsage zu bestaunen, das vor der Entdeckung des Kaltwalzverfahrens mit Fischgräten in Form gehalten wurde. Und danach eben mit dünnen Metallstreben.
Besonders niedlich war die Kinderabteilung. Blech- und Emaillespielzeug lässt mein Herz sowieso immer höher schlagen. Miniaturöfen, Märklin-Züge und Dampfmaschinen gab es auch und alles konnte ausprobiert werden.
Im letzten Zimmer lief dann noch ein 6minütiger Film über die Verarbeitung, damit man den Prozess auch mal visualisiert bekommen hat.


Also ihr seht: Definitiv mal einen Besuch wert, sicher auch mit Kindern.

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