Dienstag, 27. September 2016

Abschalten - Martin Suter



Klappentext: Sie arbeiten im mittleren Management mehr oder minder bedeutender Unternehmen, sie tragen so klingende Namen wie Hunold, Huber, Lindner oder Glaser, und sie sind schrecklich erschöpft von all den Synergien, Strategien, Hierarchien, Gehaltsforderungen, Terminkollisionen und Verteilungskämpfen am Kaffeeautomaten. Dann ist es so weit: endlich Ferien! Und was machen sie daraus? Die Ferien managen oder die eigene Familie oder das Hotelpersonal, bis allen der Kragen platzt. Oder einen Weg finden, nicht in die Ferien zu fahren.
Meine Meinung: Ein geschossenes Schnäppchen von Hugendubel. Ich fand das Bild auf dem Cover sehr amüsant und habe es wirklich nur auf Verdacht mitgenommen, aber das hat sich absolut gelohnt. Schon lange habe ich nicht mehr so gute (und teilweise auch wirklich böse) Satire gelesen. +
Das Buch ist eine Sammlung von vielen Kurzgeschichten und alle handeln irgendwie von Managern und sonstigen höheren Tieren in der Bürowelt, die versuchen, sich zu erholen oder aber der Erholung zu entgehen. Die meisten Geschichten sind wirklich kurz und schlicht gehalten und genau das macht sie prägnant und einprägsam. Und die Pointe kommt in der Regel wirklich erst im letzten Satz und hat mir wirklich sehr oft laut auflachen lassen.

"Quality Time!", brüllt Gubler. "Ihr spielt jetzt, oder ich polier euch die Fresse!"

Mein Lieblingszitat aus dem Buch. Aber es gab so unendlich viele amüsante Stellen, dass ich endlos zitieren könnte. Der Chef, der grade genervt von seiner Frau ist und überlegt, dass ihm Dieses und Jenes bestimmt nicht mit seinem treuen Mitarbeiter passiert wäre. Der Chef, dem vor Mitleid Tränen in die Augen steigen, wenn er daran denkt, dass seine Mitarbeiter irgendwann ohne ihn auskommen müssen. Der Chef, der seiner Frau - mit hochgelegten Füßen auf dem Schreibtisch - erklärt, wie stressig es heute wieder war. Oder auch die Ehefrauen, die versuchen, sich zu übertrumpfen, indem sie vergleichen, welcher der beiden Ehemänner weniger zuhause ist. Alles ist vertreten. Ich habe mich wirklich königlich amüsiert und besonders die Leute, die im Büro arbeiten, haben bestimmt schon die ein oder andere Spezies aus dem Buch im realen Leben kennen gelernt.

In einer Geschichte gibt ein Mann seinem Mitarbeiter aus dem Urlaub heraus Arbeitsanweisungen und wird zwischendurch anscheinend nach seinem Sohn gefragt. Doch aus seiner Antwort geht nicht nur hervor, wie herrlich er mit Fachvokabular umgehen kann, sondern auch, welches Thema ihm grade offensichtlich wichtiger ist. ;)

"Gehört meiner Meinung nach alles zur kundenzentrierten Geschäftsprozessanalyse. Was? Regula? Klar, auch hier. Was wir standartmäßig brauchen, ist eine Analyse der Auswirkungen unterschiedlicher Komponenten auf die Kaufbereitschaft und das Markenimage. Ja, Luca. Nein, im November drei. Innovative Lösungswege, Erschließung neuer Positionierungsfelder und Konzepte zur Kundenbindung et cetera."

Alles in allem ist es eine herrliche, kurzweilige Lesegelegenheit, die höchst unsubtil unsere heutige Leistungsgesellschaft kritisiert und nach der einem nicht nur Lachtränen in den Augen stehen, sondern nach der man vielleicht auch gelernt hat, sich selbst mal nicht mehr ganz so ernst und wichtig zu nehmen.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Definitiv. Wäre z.B. ein schönes Buch für den Urlaubsbeginn oder auch mal für die Pause auf der Arbeit.

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