Mittwoch, 29. Juni 2016

Der 50-jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebensstolperte - Mikael Bergstrand

 Klappentext: Sich hängen lassen und in Selbstmitleid baden: diese männlichen Tugenden hat Göran Borg, Werbetexter aus Malmö, perfektioniert. Als er nach seiner Scheidung auch noch den Job verliert, kommt er von der Couch endgültig nicht mehr herunter. Zeit für etwas Neues, denken sich seine Freunde und überreden ihn zu einer Reise nach Indien. Doch ist das wirklich eine gute Idee?

Meine Meinung: Zu dieser Geschichte gibt es bereits einen zweiten Teil und genau den habe ich bei Vorablesen gewonnen. Da ich aber erst den ersten Teil lesen wollte, lag das Buch erst mal bei mir im Regal und zu meinem Geburtstag habe ich dann großartigerweise von Björn und Julia den ersten Band geschenkt bekommen.
Den habe ich vor einigen Tagen beendet und bin schon fleißig bei Teil zwei, ihr könnt also eines schon mal feststellen: Ich mag diese Bücher.

Göran steckt in einer waschechten Midlife Crisis, seit seiner Scheidung gibt es für ihn eine neue Zeitrechnung und sein einziger Begleiter nach Feierabend ist das Ben und Jerrys Eis.
Selbst zum Rausgehen mit seinen Freunden hat er kaum noch Lust und er muss sich wirklich aufraffen. Zu allem Übel hat sein Kumpel Erik auch noch die Idee, ihn mit auf seine nächste Indien-Reise zu nehmen, damit Göran mal wieder auf andere Gedanken kommt.
Zwar sagt er zu, ist sich aber nicht sicher, ob Indien die Lösung seiner Probleme ist. Tatsächlich sieht Göran sich auch in all seinen Zweifeln bestätigt und das bereits, als er ins Flugzeug steigt. Und auch in Indien wird es nicht besser. Trubel, Hitze, anstrengende Mitreisende und verdorbenes Essen machen ihm sehr zu schaffen und schließlich sitzt er krank und alleine in einem Hotelzimmer und würde am liebsten zurück nach Schweden. Doch dann kommt seine Rettung angedüst und zwar in Form von Yogi, einem kleinen, beleibten Inder mit Schnurrbart und einer unverwüstlich positiven Einstellung zum Leben.
Doch nicht nur das lässt einen diese Buchfigur direkt ins Herz schließen, auch Yogis einmalige Fähigkeit, seine Religion zu erklären und außerdem so auszulegen, wie es die Lebenssituation gerade erfordert, ist einfach zum Schießen!

"Aber wie soll man an einen Gott glauben, wenn es so viele gibt?", fragte ich.
"Betrachten wir es doch andersherum. Wie kann man nicht an einen Gott glauben, wenn es so viele verschiedene gibt, aus denen man wählen kann? Irgendeiner muss ja wohl der richtige sein, oder?"

Ich habe aber nicht nur Yogi sofort ins Herz geschlossen, auch Göran mochte ich sofort. Schließlich kennt man auch im eigenen Leben mal Antriebslosigkeit und in Görans Situation ist diese ja ebenfalls mehr als verständlich. Im Prinzip sind die beiden die perfekten Gegensätze, die sich ergänzen. Denn Yogi muntert Göran immer auf, während Göran Yogi ab und zu auch auf den Boden der Tatsachen zurück holt.

Dieses Buch hat einen hohen Unterhaltungswert und wirkt dennoch an keiner Stelle konstruiert. Selten konnte ich den Hinduismus so gut verstehen, wie wenn Yogi ihn erklärt.
Und so amüsant viele Stellen auch sind, so viele Lebensweisheit enthalten sie auch in der Regel. Diese Kombination hat mir sehr gut gefallen. Ich möchte die Behauptung aufstellen, dass man nach der Lektüre dieses Buches definitiv besser gelaunt ist, als vorher.

Nebenher lernt man eine ganze Menge über die Gepflogenheiten in Indien, und da der Autor selbst lange Zeit in Indien war und wohl auch momentan dort lebt, denke ich, sind die Informationen auch durchaus verlässlich und authentisch ;).

"In meine Wohnung regnet es rein!", schrie ich aus vollem Hals, um den Regen zu übertönen.
"In unsere auch", jubelte der Mann und schlug mir aufmunternd auf den Rücken, als ob wir eine große Gunst teilten.

Ich hatte wirklich sehr viel Spaß beim Lesen und kann jetzt schon sagen, dass auch der zweite Teil nicht weniger gut ist.

Der Titel macht natürlich schon alleine wegen seiner Länge auf sich aufmerksam und ist dadurch auch irgendwie ein bisschen witzig. Zur Geschichte passt er auf jeden Fall.
Das Cover finde ich zwar witzig, allerdings kommt in der Geschichte kein Elefant vor, wodurch der direkte Bezug mir etwas fehlt. Entweder man wollte durch einen Elefanten einen eher plumpen Verweis auf Indien herstellen oder aber der Elefant soll Göran darstellen. Immerhin würde die elefantöse Schwerfälligkeit durchaus zu ihm passen und in Indien lernt er dann doch, Luftsprünge zu machen ;).

Insgesamt so oder so ein ziemlich gelungenes Buch.

Würdest du dieses Buch erneut lesen? Ja.

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