Mittwoch, 26. August 2015

Wintergäste - Sybill Volks



Klappentext:
Die Nachricht von Inge Boysens Tod war ein Fehlalarm. Doch da haben sich Kinder und Kindeskinder bereits in dem kleinen Haus hinter dem Deich versammelt. Kurz vor dem Jahreswechsel schneidet ein Schneesturm Haus Tide und seine Bewohner von der Außenwelt ab. Während draußen die Welt vereist, kochen im Innern alte Feindseligkeiten und neue Sehnsüchte hoch.
Drei Generationen in einem eingeschneiten Inselhaus - in wenigen Tagen entfaltet sich zwischen ihnen das Leben in seiner ganzen Tragik, Komik und Magie.

Meine Meinung: Schon wieder ein gewonnenes Buch. Die Leseprobe fand ich ganz nett. Inge wacht in ihrem Bett auf und ist selbst einen Moment davon überzeugt, dass sie tot ist. Schließlich kann sie sich nicht bewegen und der Spiegel ist mit einem schwarzen Tuch behangen. Während sie also so darüber nachdenkt, was sie noch alles hat machen wollen, sich Sorgen um ihren Garten macht und bereut, die letzten Schokobonbons nicht gegessen und das Buch auf ihrem Nachttisch nicht zuende gelesen zu haben, kommt ihre Schwiegertochter Kerrin ins Schlafzimmer. Diese schaut Inge an, sieht, dass sie wach ist und fällt vor Schreck in Ohnmacht. Spätestens da merkt auch Inge, dass sie doch nicht so tot ist, wie gedacht. Natürlich ist es viel zu spät, um die herbeieilende Verwandtschaft wieder abzubestellen... Der Anfang war amüsant und hat mich neugierig gemacht.
Später hat man dann Jochen und Gesa kennen gelernt. Sie sind miteinander verheiratet, aber Gesa hat einen Geliebten - Matteo - von dem Jochen auch weiß. Sie haben zwei gemeinsame Kinder und versuchen, irgendwie Normalität aufrecht zu erhalten, aber Gesa liebt Matteo und erwartet ein Kind von ihm.
Und nicht nur die beiden haben Probleme. Inges andere Kinder Boy, Berit und Enno haben auch so ihre Probleme. Berit ist unglücklich verliebt, gegen alles allergisch und kommt beruflich nicht klar. Boy ist vor seiner Vergangenheit auf hohe See geflüchtet. Enno hat Angst, dass er Krebs haben könnte. Hinzu kommt noch Inka, die Tochter von Enno und Kerrin. Mitten in der Pubertät und auf der Suche nach ihren Wurzeln.

Leider hat mich das Buch ziemlich enttäuscht. Sicherlich ist die Idee gut, aber es wurde für mich viel zu wenig daraus gemacht. Bis auf Inge und die Kinder von Gesa und Jochen sind mir alle eigentlich das ganze Buch über unsympathisch gewesen. Jeder meckert nur rum und suhlt sich in seinem Selbstmitleid. Das wäre ja nicht mal schlimm an sich - denn jeder hat ja wirklich durchaus seine Probleme - aber dazu spricht auch keiner mit dem anderen. Es wird höchstens gezankt und gestritten, weil niemand mal mit der eigenen Meinung rausrückt oder sich irgendwie versucht zu verstellen.
Zu allem Überfluss wird am Ende auch nichts aufgeklärt. Ich brauche nicht immer ein komplettes Zusammenfügen aller Erzählstränge oder die Lösung aller Fragen, aber hier kam ich mir vor, als hätte ich am Ende zig offene Fäden in der Hand. Sehr unbefriedigend.

Hier konnte mich also leider nur das "Drumherum" überzeugen. Ich finde das Cover wunderschön und habe Haus Tide die ganze Zeit so vor mir gesehen (nur eben eingeschneit). Auch nett fand ich die Zitate und die kurze Wetterbeschreibung zu Beginn eines jeden Kapitels.
Und nicht zuletzt gefällt mir der zweideutige Titel sehr gut. Denn nicht nur Inge hat in der Geschichte ihre komplette Familie als Wintergäste da. Man nennt auch Zugvögel, die irgendwo Rast machen aber eben nicht dort brüten "Wintergäste". Und das passt ja beides sehr gut zur Geschichte.

Leider konnte mich eben grade die Umsetzung dieser Geschichte hier gar nicht überzeugen.

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