Donnerstag, 8. Januar 2015

Je suis Charlie

In der heutigen Zeit braucht es ja schon einiges, um mich nachhaltig zu schockieren und auch wenn ich natürlich jeden Tag über die schlechten Nachrichten aus der Welt traurig bin, so vergesse ich sie auch oft schnell wieder im Alltag. Aber seit ich gestern von dem Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo gehört habe, halte ich immer wieder inne und muss daran denken.
Spätestens als heute Morgen im Radio die Meldung kam, dass erneut in der Innenstadt von Paris Schüsse gefallen sind, dass dabei erneut Menschen verletzt wurden, dass eine Polizistin kurz darauf ihren Verletzungen erlegen ist, musste ich wirklich schlucken.
Wir befinden uns momentan in einer so heiklen Phase, dass es einem wirklich Angst macht. Die Rassenunruhen in Amerika wegen Übergriffen weißer Polizisten auf schwarze Mitbürger, ein Schwarzer, der daraufhin zwei weiße Polizisten tötet. Die Ukraine-Krise, der Bürgerkrieg in Syrien, die Boko Haram in Nigeria. Man möchte die Zeitung jeden Tag weniger aufschlagen, bei den Nachrichten den Fernseher ausschalten.
Und dann kommen eben diese Nachrichten aus Paris. 13 Menschen sind dadurch zu Tode gekommen und abgesehen von der persönlichen Grausamkeit für die Opfer und die Angehörigen ist das ein Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit. Ein Angriff auf die Demokratie und ein Angriff auf unsere Wertegemeinschaft. Und das zu einer Zeit, in der Deutschland mitten in seiner eigenen Pegida-Krise steckt. Ich frage mich, wie das alles noch weiter gehen soll und wann das endlich aufhört. Ob das irgendwann aufhört.

Ich verstehe beide Seiten bis zu einem gewissen Punkt. Es ist nicht das erste Mal, dass Mohammed Karrikaturen, das allgemeine Lustigmachen über den Islam und Islamkritik in Zeitschriften für Furore, Ärger und Aufsehen sorgen. Ich kann mich noch erinnern, dass vor einigen Jahren eine dänische Zeitschrift Mohammed-Karrikaturen herausgebracht hat und das hat damals nicht nur Extremisten sondern auch viele ganz normale, friedliche Muslime verärgert. Kann ich stellenweise sogar verstehen, denn sicher fühlen sich viele dann angegriffen und unverstanden. Aber es gibt eben unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen auf diesem Planeten und oft verstehen diese Kulturen einander nicht. Das ist einfach so und dann macht man sich eben mal lustig. Und oft wird Humor eben auch als Mittel benutzt, um auf Missstände in der Gesellschaft hinzuweisen.
Man muss ja auch nicht alles gut finden und kann zurück kritisieren, wenn man sich angegriffen fühlt. Aber natürlich blieb es nicht dabei und es wurden z.B. dänische Botschaften in anderen Ländern angegriffen.

Auf der anderen Seite hört man in Deutschland seit Jahren immer wieder Meldungen wie "Man soll in Süddeutschland nicht mehr Grüß Gott sagen","Weihnachtsmärkte sollen in Wintermärkte umbenannt werden" oder auch "Wie wäre es mit der Einführung muslimischer Feiertage in Deutschland?". Sowas nervt mich auch, und zwar tierisch. Wir sind hier nun mal in Deutschland und wer hier lebt, der muss sich ein klein wenig anpassen. Wenn ich auswandere, dann versuche ich ja auch, die Sprache zu lernen und für mich wäre es auch selbstverständlich, dass ich dann eben die dortigen Feiertage habe, das Angebot der vorhandenen Supermärkte nutze, auf eine andere Kultur treffe, in die ich mich zumindest einfügen muss. Dass ich dabei meine deutschen Wurzeln nicht verliere und meine eigenen Bräuche beibehalte, soweit es geht, ist ja möglich und richtig.
Aber genau das macht doch ein Großteil der Ausländer in unserem Land. Die meisten passen sich an.
Ich glaube, vielen Menschen vergessen, dass solche Anträge wie "nicht mehr Grüß Gott sagen" von einzelnen komischen Menschen gemacht werden, die unzufrieden mit ihrem Leben sind und ein verzerrtes Selbstbild haben. Denn nur dadurch kommt so was zustande.
Wir müssen aufhören, immer direkt eine bestimmte Gruppe für etwas verantwortlich zu machen. Man muss immer den einzelnen Menschen und die Lebensumstände betrachten. Es ist doch egal, ob jemand Jude, Moslem, Christ oder Buddhist ist. Egal ob er aus Amerika, Asien oder Europa kommt. Es zählt, was er tut. Ich kann nicht immer sagen "die Türken" oder "die Juden" oder eben "die Muslime" sind gefährlich.
Man muss den einzelnen Menschen hinter der Tat betrachten.

Mich beschäftigt dieses Thema wirklich sehr....

Unsere Gesellschaft muss endlich begreifen, dass man über Glaube nicht streiten kann. Das geht nicht. Wie Oliver Kalkhofe vor einigen Tagen schon geschrieben hat: Es heißt Glaube, weil man eben vieles davon nicht beweisen kann.
Und diese ganzen Verbrechen, die verübt werden, haben nichts mit Glauben zu tun!

Wir sollten endlich wieder Wert darauf legen, MITeinander zu leben!

Edit: http://www.n-tv.de/politik/Polizist-Ahmed-wird-zum-Symbol-article14290076.html

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