Sonntag, 27. Juli 2014

Die Tagebücher der Anne Frank

,Über Anne Frank: Anne Frank, am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren, flüchtete 1933 mit ihren Eltern nach Amsterdam. Nachdem die deutsche Wehrmacht 1940 die Niederlande überfiel und besetzte, 1942 außerdem Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung in Kraft traten, versteckte sich Anne Franks Familie in einem Hinterhaus an der Prinsengracht. Die Familie wurde im August 1944 verraten und nach Auschwitz verschleppt. Anne Frank und ihre Schwester Margot starben infolge von Entkräftung und Typhus im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr genauer Todestag ist nicht bekannt.
 
Inhalt lt. Wikipedia:
Das Tagebuch der Anne Frank (niederländischer Originaltitel: Het Achterhuis – „Das Hinterhaus“) ist ein Werk der Weltliteratur. Anne Frank führte das Tagebuch vom 12. Juni 1942 bis zum 1. August 1944, anfänglich in der Wohnung am Merwedeplein, den größten Teil aber im Hinterhaus des Gebäudes Prinsengracht 263 (heutiges Anne-Frank-Haus) in Amsterdam. Dort versteckte sie sich zwei Jahre lang mit Familienangehörigen und Bekannten vor den Nationalsozialisten, um der Deportation und Ermordung zu entgehen.
Nach der Verhaftung der Familie Frank nahm deren Helferin Miep Gies das Tagebuch an sich und bewahrte es so vor dem Zugriff der Gestapo. Das Tagebuch übergab sie nach dem Krieg an Annes Vater Otto Heinrich Frank, der als einziger seiner Familie den Krieg und Holocaust überlebt hatte. Dieser veröffentlichte die Aufzeichnungen, die schon in den 1950ern zum meistverkauften Taschenbuch und meistaufgeführten Bühnenstück in der Bundesrepublik Deutschland wurden. Sie wurden in 70 Sprachen übersetzt und machten die Autorin zu einem der bekanntesten Opfer des Holocausts. 2009 wurde das Tagebuch von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe aufgenommen Es wurde mehrfach verfilmt.

Meine Meinung: Herrje, es ist schon wieder einige Wochen her, seit ich das Buch zuende gelesen habe, aber es gibt immer so viel Anderes zu berichten. Wenn ihr wüsstet, wie viele Bücher noch zum Rezensieren bei mir im Regal stehen....;) Aber darum geht es hier ja grade nicht.
Fakt ist, dass ich dieses Buch hier unbedingt als nächstes vorstellen möchte, weil es mich unheimlich bewegt hat. Sicherlich ist es eines der bekanntesten Bücher der Welt, aber irgendwie blieb es bislang von mir relativ unbeachtet und in der Schule haben wir es auch nicht gelesen. Doch dann hab ich es in der Mayerschen entdeckt, wieder mal eine dieser kleinen Taschenbuch-Ausgaben von Fischer. Da hab ich es mir dann geschnappt. Und als ich dann letztens auf einmal wieder Lust auf etwas Historisches hatte, fiel es mir in die Augen.

Zu Beginn leben Anne und ihre Familie schon in Holland, aber noch nicht im Versteck. Anne erzählt, dass sie Geburtstag hat und dass unter anderem zu ihren Geschenken auch ein Tagebuch gehört hat. Aus diesem Grund beginnt sie zu schreiben. Ich habe mich sofort gefragt, was gewesen wäre, wenn sie zu diesem Geburtstag kein Buch bekommen hätte. Ob es dann jemals Tagebücher von ihr gegeben hätte?
Relativ bald beschreibt sie dann aber die Situation, in der Margot (ihre ältere Schwester) dazu aufgefordert wird, sich in einem Arbeitslager zu melden. Das ist dann für ihren Vater das Signal, in das schon länger geplante und vorbereitete Versteck in der Prinsengracht zu ziehen. Von da an nehmen die Tagebücher einen mit in eine Welt, die für viele Juden damals zum Alltag wurde. Leben in einem Versteck. Was zu Beginn vielleicht noch spannend und aufregend scheint, wird über die Monate und Jahre immer mehr zur Nervenprobe. Leben auf sehr engem Raum mit Menschen, die man eventuell gar nicht mag, Sehnsucht nach Freiheit, Sonne, Stadtbummel, Natur.

Gab es zu Beginn der Zeit in der Prinsengracht noch mehr als genug Essen, so verschlechterte sich der Zustand immer weiter, je länger der Krieg andauerte.
Wenn man sich vorstellt, dass es teilweise wochenlang entweder nur Kartoffeln, nur Spinat, nur Bohnen gegeben hat. Und vieles davon war nach längerer Lagerung ja auch nicht mehr wirklich genießbar. Ich verstehe immer mehr, warum mein Opa nach dem Krieg keine Graupen mehr sehen konnte. Wenn er die tatsächlich 8 Wochen oder länger jeden Tag zum Frühstück, Abendessen und Mittagessen bekommen hat...
Genau so faszinierend fand ich die Helfer, die der Familie Frank und ihren Mitbewohnern geholfen haben. Und wie sie trotz der oft aussichtslosen Lage immer wieder versucht haben, Lebensmittel und vor allem Aufmunterung in das Hinterhaus zu bringen. Allen voran Miep Gies. Absolut beeindruckend, wenn man sich vorstellt, in welcher Gefahr sie sich befunden haben.

Klar hat das Buch auch seine Längen, das will ich gar nicht bestreiten. Anne listet zum Beispiel zu Beginn all ihre Klassenkameraden auf und beschreibt sie. Dann erzählt sie teilweise seitenlang von Streits, die sich im Versteck ereignet haben und wiederholt sich dabei auch öfters. Es ist und bleibt nun mal das Tagebuch eines jungen Mädchens. Aber all das konnte die Faszination die für mich von diesem Dokument ausging nicht schmälern. Auch von Anne war ich total überrascht. Irgendwie hatte ich ein kindisches kleines Mädchen erwartet, dass die ganze  Zeit nur davon schreibt, wie viel Angst sie hat. Dabei kann man ihre Entwicklung zur jungen Frau quasi mitverfolgen. Sie wird immer reifer, stellt in späteren Abschnitten auch ihre eigenen, kindlichen Aussagen in Frage. Man findet sich plötzlich in ihr wieder. Man versteht ihre Sehnsucht nach Leben, nach einer selbstbestimmten Zukunft. Ich war so beeindruckt, wie toll sie die allermeisten brenzligen Situationen weggesteckt und verarbeitet hat. Man erlebt die typische Auflehnung eines Jugendlichen in der Pubertät gegen die Eltern. Genau so kommt irgendwann ihre Sehnsucht nach Liebe und schließlich verliebt sie sich sogar in den Sohn der anderen Familie, die mit ihnen untergetaucht ist. In Peter. Die beiden lernen sich immer besser kennen und führen vielleicht nicht unbedingt eine Beziehung, aber es entwickelt sich eine sehr tiefe Freundschaft. Ob diese Gefühle auch in der echten Welt Bestand gehabt hätten oder ob sie überhaupt je zustande gekommen wären, möchte ich bezweifeln. Denn in dieser Situation ist man sicher dankbar für jeden Kontakt, den man haben kann. Trotzdem war es schön zu lesen, dass Anne einen Freund gefunden hat, mit dem sie stundenlang reden konnte.

Ebenfalls verblüfft hat mich, wie genau sie und ihre Familie über die Vorgänge während des Krieges im Bilde waren. Ich habe mir da seltsamerweise nie Gedanken drum gemacht, aber ich vermute, ich bin immer davon ausgegangen, dass erst nach dem Krieg den meisten aufgegangen ist, was da tatsächlich in diesen Arbeitslagern vor sich gegangen ist. Aber Anne und ihre Familie wusste ganz genau, dass ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit der Tod bevor stünde, wenn sie erwischt würden. Immer wieder hat Anne traurig an all die anderen Menschen gedacht, die kein Versteck haben und denen sie nicht helfen kann. Ich bin mir nach der Lektüre dieses Buches sicher, dass aus Anne eine weltbekannte Frau geworden wäre, die politisch einiges bewirkt hätte.
Das einzig Befremdliche im Buch waren die häufig abwertenden Aussagen von Anne ihrer Mutter gegenüber. Glaubt man ihren Berichten, hat sie ihre Mutter nicht geliebt und es nie geschafft, ein gutes Verhältnis zu ihr aufzubauen. Ein richtiges Grund für die große Kluft zwischen den beiden Frauen ist nirgendwo erklärt.

Ja...mit all diesen Eindrücken habe ich das Buch gelesen. Und logischerweise endet es auch sehr abrupt mit einem recht normalen Tagebucheintrag.

Doch dann kam das Nachwort und das mir den Rest gegeben!
"Am 4. August 1944 hielt vormittags zwischen zehn und halb elf ein Auto vor dem Haus Prinsengracht 263." So fing es an und schon da liefen mir die Tränen runter. Und der Text danach wird noch schlimmer, wenn man liest, was mit all den Menschen aus der Prinsengracht passiert ist... Und das alles, weil jemand Annes Familie verraten hat!
Ich war fix und fertig nach dem Lesen und auch jetzt läuft es mir noch kalt den Rücken runter.
Ich kann dieses ganze Thema 2. Weltkrieg, glaub ich, auch heute noch nicht recht begreifen.

Fazit: Ein Buch, das hängen bleibt! Ich muss unbedingt ins Anne Frank Haus!

(Ansonsten war heute ein ganz normaler ruhiger Sonntag. Wir waren beim Kemnader Hafenfest und auf dem Berger Hof eine Waffel essen. Und Zuhause hat Tommy ein bisschen rumgeräumt und ich hab gelesen. :))


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