Mittwoch, 11. Juni 2014

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry - Rachel Joyce

 

Klappentext: Eigentlich wollte er nur zum Briefkasten. Dann geht Harold Fry 1000 Kilometer zu Fuß. Von Südengland bis an die schottische Grenze - eine Reise fürs Leben, eine Geschichte über Tapferkeit und Geheimnisse, Liebe und Loyalität und ein ganz unscheinbares Paar Segelschuhe.
Am Ende dieses Buches habe ich mich wie verzaubert gefühlt. Christine Westermann, WDR

Meine Meinung: Dieses Buch hatte ich schon lange im Auge, weil es von allen Seiten gute Kritiken hagelte. Irgendwie fiel mir aber immer ein anderes in die Hände. An dem Samstag, an dem ich mit der WIR-Akademie fertig war und mir in der Stadt ein bisschen die Wartezeit, bis Tommy mich abholen kam, vertrieben habe, ist mir das Buch aber wieder ins Auge gefallen. Nicht nur wegen dem schönen, schlichten Cover, sondern auch, weil es in der Version der Fischer Taschenbibliothek auf dem Tisch lag. Kennt ihr die? Diese ganz kleinen Hardcover-Bücher, die so dünne Bibelseiten haben? Ich liebe sie, weil sie niedlich aussehen und echt praktisch sind! Habe schon zwei andere davon im Regal stehen und daher durfte "Harold" dieses Mal auch mit.
Kurze Zeit später habe ich damit angefangen und ich kann mich den begeisterten Stimmen nur anschließen. Zu Beginn lernt man Harold und seine Frau Maureen kennen, die ein langweiliges, spießbürgerliches Leben in England führen. Ihre Ehe besteht eigentlich nur noch auf dem Papier, Maureen meckert nur rum und Harold hat resigniert. Seit er in Rente ist, hat er sowieso zu nichts mehr so richtig Lust. Ihm fehlt der Ansporn. 
Eines morgens flattert ein Brief ins Haus. Er ist für Harold von Queenie Hennessy, einer alten Kollegin und guten Freundin. Sie hat Krebs im Endstadium und wollte sich mit dem Brief für die Freundschaft bedanken und sich verabschieden. Harold ist total verstört, schreibt schließlich einen ganz kurzen Antwortbrief und geht damit zum Briefkasten. Am ersten Briefkasten geht er vorbei, genauso wie am zweiten und am dritten. Das Laufen tut ihm überraschend gut und irgendwann, er kann selbst gar nicht genau sagen, wann, beschließt er, dass ein Brief zu wenig ist. Eine ehemalige Freundin liegt im Sterben, da kann er doch nicht 4 Zeilen abschicken. Er muss zu ihr und zwar zu Fuß. Vom Süden Englands bis hoch nach Schottland. 
Er ruft seine Frau an, erzählt ihr seinen Plan, ebenso ruft er im Hospiz an und teilt einer Krankenschwester seinen Plan mit, damit sie Queenie davon unterrichten kann und läuft einfach drauf los.
Von da an hat er mit diversen Schwierigkeiten zu tun (Wetter, sein eigener Körper, Zweifel, etc.), findet aber beim Laufen auch immer mehr zu sich selbst. Er denkt über die verschiedenen Stationen seines Lebens nach. Seinen Job, wie er seine Frau kennen gelernt hat, über die Zeit mit Queenie. Über seinen Sohn, dem er nie der Vater sein  konnte, der er hätte sein wollen.
Auf der anderen Seite liest man von Maureen, die zunächst total wütend auf Harold ist. Eigentlich ist sie immer wütend auf Harold. Doch je länger er weg ist, desto mehr merkt sie, dass er ihr auch fehlt und um so mehr erinnert auch sie sich an alte Zeiten.
Dieses Buch ist so wundervoll geschrieben und steckt voller Weisheit. Man soll sich selbst lieben, man soll andere akzeptieren, man muss an einer Beziehung arbeiten, niemand ist perfekt, man braucht nicht viel zum Glücklich sein....
Harold lernt viele Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen kennen und erfährt durch sie sehr viel über sich. Man selbst lernt unheimlich viel über sich. Das mag ich sehr gerne bei Büchern.
Das Ende nimmt nochmal eine etwas dramatische Wende und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mehr als überrumpelt war. Mir sind sofort Tränen in die Augen gestiegen, vor Trauer, vor Freude. Ich war definitiv überwältigt. Sollte ich irgendwann mal an so einem Punkt sein wie Harold, dann laufe ich vielleicht auch einfach mal los. Nach Dänemark oder so. Nach dem Lesen bekommt man auf jeden Fall große Lust dazu. ;)
Definitiv ein "Lese ich gerne nochmal - Buch"!

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